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Marburg Nester bauen und Wasser holen
Marburg Nester bauen und Wasser holen
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10:00 31.03.2021
Osterbrauch: Neele (3) und Janne (8) bauen ein Osternest, in das der Osterhase an Ostersonntag bunt gefärbte Eier und kleine Geschenke legen soll.
Osterbrauch: Neele (3) und Janne (8) bauen ein Osternest, in das der Osterhase an Ostersonntag bunt gefärbte Eier und kleine Geschenke legen soll. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Ostern steht vor der Tür und Kinderherzen schlagen beim Gedanken an den Osterhasen höher. Aber woher kommt eigentlich der Osterhase und warum werden zu Ostern Eier gefärbt und verschenkt? Es gibt zahlreiche Bräuche und Traditionen rund um das Osterfest – übrigens das höchste christliche Fest noch vor Weihnachten. Hier gibt es kurz und knapp Ursprünge und Bedeutungen der verschiedenen Osterbräuche, die in der Region zum Osterfest dazugehören.

Das Ostereierfärben

Das Färben von Eiern zur Osterzeit ist der wohl weit verbreitetste Brauch dieser besonderen Zeit. Der Ursprung des Ostereis ist dennoch bis heute nicht ganz eindeutig geklärt. Es steht unter anderem als Symbol für die Auferstehung. Zudem sollen bereits Griechen und Römer im Frühjahr Eier verziert und Freunden geschenkt haben, beziehungsweise in Tempeln als Dekoration angebracht haben. Darüber hinaus durften früher während der Fastenzeit keine Eier gegessen werden. Also wurden sie gekocht, weil sie dadurch länger haltbar waren. Angemalt hat man sie den Überlieferungen nach, damit man sie von den rohen Eiern unterscheiden konnte. Am Ostersonntag, dem Ende der christlichen Fastenzeit, gab es dann reichlich bunte Eier.

Die Eiersuche

Das Ostereier suchen wird in Deutschland im 17. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Es geht vermutlich auf einen heidnischen Brauch zurück: Der Frühlingsgöttin Ostara wurden Eier als Zeichen der Fruchtbarkeit geschenkt. Und weil die Kirche diesen Brauch verbot, mussten die Eier versteckt und heimlich gesucht werden.

Der Osterhase

Warum genau der Osterhase die Ostereier bringt, versteckt oder ins Nest legt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Zum ersten Mal wird der Osterhase in der Dissertation eines Frankfurter Arztes im 17. Jahrhundert erwähnt. Der Hase stand aber auch schon vorher unter anderem als Symbol für die Fruchtbarkeit und den Neuanfang. Nachdem die Süßwarenindustrie den Osterhasen für sich entdeckte, setzte er sich im Volksglauben durch und ist mittlerweile von Ostern nicht mehr wegzudenken.

Das Osternest

Damit der Osterhase weiß, wohin er die Ostereier bringen soll, ist es auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine Tradition, im Garten aus Stöcken, Steinen, Zweigen, Gras und Moos ein Osternest zu bauen. Woher dieser Brauch kommt, dazu gibt es keine eindeutige Erklärung.

Das Osterlamm

In der christlichen Religion steht das Lamm als Symbol für das Leben. Jesus ist das Lamm Gottes, das an Ostern den Tod überwunden hat. Neben dem Lammbraten gibt es daher in vielen Regionen ein aus Rührteig gebackenes Osterlamm.

Das Osterfeuer

Der Brauch des Osterfeuers ist germanisch-heidnischen Ursprungs. Das älteste schriftliche Zeugnis ist ein Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharias aus dem Jahre 751. Darin wird ein Brauch beschrieben, der als ‚ignis pachalis‘ (Passahfeuer) bezeichnet wird. Im Laufe der Zeit wurde dieser Brauch in die kirchliche Liturgie übernommen. Zum Beginn der Osternacht wird ein kleines Feuer entfacht, an welchem der Priester schließlich die Osterkerze entzündet. Die brennende Kerze soll dabei Christus als Licht der Welt versinnbildlichen. Auch in anderen Kulturen war und ist es Brauch, im Frühjahr Feuer zu entzünden, um den Winter zu vertreiben und das Wiedererwachen der Natur zu begrüßen.

Das Osterwasser

In weiten Teilen des Landkreises wurde bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Brauch des Osterwasser holens zelebriert. Dabei wurde – vorwiegend von jungen Frauen und Mädchen – an Ostersonntag vor Sonnenaufgang Wasser aus einer Quelle, einem Bach oder einem Brunnen geschöpft. Auch Elfriede Hahn aus Oberrosphe hat diesen Brauch miterlebt. „Das Osterwasser sollte schön machen und jung halten“, berichtet die heute 73-Jährige, die das Dorfmuseum Oberrosphe leitet: „Auf dem Weg zum Brunnen durfte nicht geredet werden“, erinnert sich Hahn: Und wer in das Wasser blickte und ein Gesicht sah, sah dort seinen Zukünftigen.

Während man in Niederwetter – von dort stammt Hahn gebürtig – zum Brunnen lief, um das Osterwasser zu holen, schöpfte man es in Oberrosphe aus der Rosphe. „Und zwar entgegen der Strömung“, betont Elfriede Hahn. Das Osterwasser sei das gesamte Jahr etwa zum Auswaschen der Augen verwendet worden, weil man ihm besondere Heilkräfte nachsagte.

Der Osterstrauß

Für den Osterstrauß werden kurz vor Ostern, meist am Gründonnerstag, Zweige geschnitten und in eine Vase gestellt. Bei Zimmertemperatur beginnen diese dann zu grünen. Diese Zweige werden schließlich mit bunt bemalten Eiern und kleinen Osterfiguren dekoriert.

Das Rasseln/Klappern

Da ab der Messe an Gründonnerstag die Kirchenglocken schweigen und erst wieder in der Osternacht geläutet werden, wird das Glockengeläut in vielen katholischen Dörfern durch das „Rasseln“ oder „Klappern“ ersetzt. Dazu ziehen Kinder und Jugendliche mit hölzernen Rasseln und Klappern an Karfreitag und Karsamstag durch die Straßen und erinnern die Christen mit ihren Rufen und dem Geklapper an Gebets- und Gottesdienstzeiten. Im vergangenen Jahr fiel dieser Brauch vielerorts aus. In diesem Jahr dürfen wieder eingeschränkt Messen gefeiert – und daher auch gerasselt und geklappert werden. Die Katholische Pfarrgemeinde St. Michael und St. Elisabeth Marburg-Schröck etwa schickt Messdiener los – entweder Geschwisterkinder oder Zweiergruppen mit Abstand.

Das Leddern

Das „Leddern“, auf Hochdeutsch „Leitern“, hatte vor allem in katholischen Dörfern des Landkreises eine lange Tradition. Dabei zogen die Burschen mit Leitern durchs Dorf und holten sich am Fenster ihrer Angebeteten Ostereier ab. Die Stausebacher Jugend führte diesen Brauch jahrelang im Hessenpark vor und war damit sogar in einer Dokumentation des Hessischen Rundfunks zu sehen.

Leser-Aktion zum Mitmachen

Haben Sie auch Osterbräuche, Traditionen oder besonders schöne Dekoration? Schicken Sie uns Ihre Osterfotos. Die besten Bilder werden wir unter anderem in einer Galerie auf unserer Internetseite veröffentlichen. Über unser Formular unter www.op-marburg.de/ostern können die Fotos hochgeladen werden.

Von Katharina Kaufmann-Hirsch