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Marburg Michelbacher wollen nicht weiter wachsen
Marburg Michelbacher wollen nicht weiter wachsen
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14:00 17.02.2022
Michelbach im Herbst.
Michelbach im Herbst. Quelle: Thorsten Richter
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Michelbach

Die Fachdienstleiterin Denkmalschutz, Manuela Klug, ihr Stellvertreter und Stadtplaner Bernd Kintscher mussten während der Ortsbeiratssitzung in Michelbach viele Fragen beantworten. Diese wurden überwiegend von den Ortsbeiratsmitgliedern und auch von den Bürgern Michelbachs gestellt.

Stein des Anstoßes ist der Entwurf des neuen Regionalplans Mittelhessen, der vergangene Woche bei einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus vorgestellt wurde. Die darin ausgewiesenen Siedlungsflächen 313 und 314 sehen unter anderen eine Baumöglichkeiten im Gebiet des Sportplatzes, Reiterhofes, Friedhofes, auf den „besten“ Äckern Michelbachs, in Feuchtgebieten, im Wasserschutzgebiet und auf Flächen unterhalb von Görzhausen in Richtung Michelbach vor. Grundlage für die Planungen sei der demografische Wandel, sagte Kintscher und auch, dass es sich lediglich um Vorschläge der Regionalversammlung handele.

Auch neue Gewerbefläche soll entstehen

Wie wurde die Auswahl getroffen, warum sollen gute Flächen versiegelt werden, besteht die Möglichkeit der Enteignung von Grundstückseigentümer, werden ausreichende Abstände zu Waldgebieten eingehalten und warum wurden keine Siedlungsflächen in den angrenzenden Dörfern Elnhausen und Dagobertshausen ausgewiesen? Diese und viele andere Fragen stellten die Teilnehmer und äußerten auch mehrfach ihren Unmut darüber.

Es sei eine Horrorvorstellung, das Hauptsiedlungsgebiet für die Stadt Marburg zu sein. Warum werden die benötigten Besiedlungsflächen nicht umverteilt, wenn in anliegenden Ortschaften, beispielsweise in Wehrshausen Kindergärten und Grundschulen vom Schließen bedroht seien, weil sich dort mangels Baugebieten keine jungen Familien ansiedeln können? Und warum werden nicht versiegelte Flächen im Innern, wie beispielsweise leer stehende Höfe und Fachwerkhäuser genutzt, anstatt neue Flächen zu bebauen? Das wollten unter anderen auch die Ortsbeiratsmitglieder Agnes Kaminski, Philip Loch, Till Koerner und Andreas Schogs wissen. Hinsichtlich des Denkmalschutzes nahm Manuela Klug Stellung und informierte auch über Fördergeld, das jedoch kaum in Anspruch genommen werde.

Von insgesamt 147 Hektar ausgewiesenem Siedlungsgebiet, sind zusätzlich 56 Hektar Gewerbeflächen für die Stadt Marburg geplant. Ziel sei es, Firmen aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Mittelhessen und Marburg zu holen, damit die Menschen nicht mehr pendeln müssen, sondern in Wohnortnähe arbeiten können, führte Kintscher weiter aus. „Michelbach ist besonders, hier ist eine Industrie, die sich weiterentwickeln möchte. Neben dem geplanten Objekt Görzhausen III möchten sich weitere Industriebetriebe ansiedeln, für deren Mitarbeiter Wohnmöglichkeiten geschaffen werden müssten.“

Einwände bleiben weiterhin möglich

Man wolle kein Görzhausen IV, auch rücke das Gewerbegebiet immer näher an Michelbach heran, anstatt sich an die Umgehungsstraße zu verlagern, sagte Ortsvorsteher Peter Aab. Warum hat die Stadt nicht protestiert und warum wurden keine Änderungswünsche seitens der Stadt Marburg gemacht, wollten er und andere Ortsbeiratsmitglieder wissen. Er verwies auch hinsichtlich des damit verbundenen Verkehrsaufkommens darauf, dass die Planungen nicht in Richtung Dorf, sondern an die Umgehungsstraße verlegt werden müssten. Diese Anregungen sollen nun geprüft werden.

Kintscher betonte mehrfach, dass es sich bei dem Entwurf des Regionalplans lediglich um Vorschläge handeln würde, worin in der Gesamtheit des Regionalplans, der für die nächsten zehn Jahre die künftigen Baugebiete, Entstehung von Wohnhäusern, Industrie und Gewerbe, Verkehr, Hochwasserschutz und Klima beinhaltet, alle 16 Stadtteile der Stadt Marburg berücksichtigt werden müssen. Jeder Einzelne habe aber die Möglichkeit, hinsichtlich des Regionalplan-Entwurfs Stellungnahmen beziehungsweise Einwände abzugeben, schlagkräftige Argumente zu liefern und vor allem Alternativ-Vorschläge zu machen. Das seien auch die Gründe, warum der Plan derzeit publik gemacht werde. Der Ortsbeirat Michelbach will bis morgen seine Stellungnahme abgeben.

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Weitere Informationen rund um den Regionalplan gibt es auch auf unserer Themenseite hier.

Von Elvira Rübeling