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Marburg Ortsbeirat gegen Verwaltungsgebäude
Marburg Ortsbeirat gegen Verwaltungsgebäude
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08:00 06.10.2021
Spielplatz zwischen den GWH-Wohnungen im Marburger Damaschkeweg 40 und 42.
Spielplatz zwischen den GWH-Wohnungen im Marburger Damaschkeweg 40 und 42. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Eines der letzten unbebauten Grundstücke am unteren Richtsberg soll nun auch bebaut werden. Wie die Stadt Marburg bestätigte, hat die Wohnungsbaugesellschaft GWH einen Bauantrag für ein Verwaltungsgebäude gestellt. Eine Baugenehmigung wurde noch nicht erteilt, sagte Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt.

Der Ortsbeirat Richtsberg begrüßt, dass die GWH ein Verwaltungsgebäude am unteren Richtsberg errichten will, lehnt aber den vorgesehenen Standort neben dem Damaschkeweg 40/42 strikt ab. Ein geplantes Verwaltungsgebäude könne die Kommunikation zwischen Mietern und GWH erheblich erleichtern, eine „Verwaltungsstelle der GWH am Richtsberg wäre sehr wünschenswert und wird vom Ortsbeirat auch unterstützt“, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums an die Bauaufsicht der Stadt Marburg, das der OP vorliegt. „Aufgrund der Tatsache, dass aber für dieses Gebäude eine bisher anderweitig genutzte Fläche bebaut wird und erheblicher Pkw-Verkehr durch Bedienstete und Kunden entstehen wird, kam der Ortsbeirat einstimmig zu dem Ergebnis in der Sitzung vom 12. August 2021, das Gebäude an der vorgesehenen Stelle am Damaschkeweg 40/42 abzulehnen“, heißt es weiter.

Die GWH wolle nicht nur ihre Präsenz innerhalb des Quartiers erhöhen, sondern für die Anwohnerinnen und Anwohner einen zentralen Anlaufpunkt in ihrer Nachbarschaft schaffen, sagte die PR-Managerin der GWH Jenny Bieniek der OP. Die GWH plane eine intensive Einbeziehung der Nachbarn, sobald Baurecht geschaffen sei.

In jüngerer Vergangenheit wurden alleine in dieser Wohngegend mehr als 200 neue Wohneinheiten errichtet, erinnert der Ortsbeirat. Dieses außerordentliche Volumen an neuen Wohnungen dürfe nicht noch durch eine zusätzliche Bebauung, mitsamt den dazu gehörenden Belastungen eines geplanten Verwaltungsgebäudes der GWH, erhöht werden. „Die vertretbaren Grenzen der Verdichtung in diesem Gebiet sind erreicht, wenn nicht sogar überschritten.“

Mehr Verkehr im Wohngebiet

Die baulichen Nachverdichtungen im gesamten Wohnquartier führten bereits zu einem signifikant gestiegenen Verkehrsaufkommen in dieser Wohngegend, so der Ortsbeirat. Durch das projektierte Verwaltungsgebäude würde tagsüber der ohnehin schon beträchtliche Verkehrsfluss weit über die Maßen erhöht, da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrem Arbeitsplatz fahren und viel Publikumsverkehr entstehen wird.

Dem Ortsbeirat Richtsberg sei im Rahmen der Verdichtung ab 2015 vom Magistrat zugesagt, dass Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung des Damaschkewegs und der Anhebung der Lebensqualität am unteren Richtsberg geschaffen werden. Eine Umsetzung habe jedoch bisher nicht stattgefunden.

Der Ortsbeirat hält es deshalb für nicht verantwortbar, das Verkehrsaufkommen im Damaschkeweg auch nur geringfügig zu vergrößern.

Der Damaschkeweg weist folgende Problembereiche auf, die einer Ausweitung des Pkw-Verkehrs entgegenstehen, argumentiert der Ortsbeirat: Auf der Höhe des evangelisch-freikirchlichen Kindergartens mündet die Friedrich-Ebert-Straße in den Damaschkeweg ein, der sich an der Stelle des Kindergartens Glühwürmchen verengt und als sehr schmale Einbahnstraße mit etwa zwei Meter fünfzig bis drei Meter Breite etwa dreihundert Meter bis zu einer Abbiegemöglichkeit weitergeführt wird. Danach verläuft der Damaschkeweg weiter bis zum Gebäude der BSF.

Spielgeräte sollen verteilt werden

Sowohl mit der anliegenden Kita „Glühwürmchen“ als auch mit dem Bewohnernetzwerk für soziale Fragen gab es hierzu bereits vorab Abstimmungen vor Ort. Vorgesehen sei, dass der dem Neubau weichende, in die Jahre gekommene Spielplatz im Zuge der Arbeiten durch kleinere, dezentrale Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten im direkten Umfeld ersetzt wird.

Die seitens der Planer vorgesehene Fläche für das Verwaltungsgebäude würde einen bestehenden Kinderspielplatz beseitigen, den sowohl Kinder aus den umliegenden Häusern als auch Seniorinnen und Senioren mit und ohne Rollatoren zum Ausruhen und zum gemeinsamen Gespräch nutzen und der nicht ersetzt werden kann, da durch die außerordentliche bauliche Nachverdichtung bereits zahlreiche Frei- und Grünflächen weggefallen sind, so der Ortsbeirat. „Den Vorschlag, dass die Spielgeräte abgebaut und verteilt werden sollen, um die verbliebenen Spielplätze am unteren Richtsberg mit diesen Spielgeräten zu ergänzen, halten wir für kein ausreichendes Ersatzangebot“, so der Ortsbeirat.

Von Till Conrad