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Marburg „Große Gefahr für Verkehrssicherheit“
Marburg „Große Gefahr für Verkehrssicherheit“
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00:26 02.11.2018
Archivfoto: Nach Einführung der Tempo-30-Zone in Wehrda ließ die Stadt im Huteweg vor der Bushaltestelle Mengelsgasse auf die geänderte Vorfahrtsregelung hinweisen. Quelle: Thorsten Richter
Wehrda

Vor sechs Jahren ist in Wehrda flächendeckend Tempo 30 eingeführt worden – mit Zustimmung des Ortsbeirates. Doch dieser merkte recht bald, dass es besonders auf den von Stadtbussen befahrenen Strecken Ernst-Lemmer-Straße, Freiherr-vom-Stein-Straße und Huteweg erhebliche Probleme mit der Einhaltung der in Tempo-30-Zonen generell geltenden Rechts-vor-links-Vorfahrtsregel gibt.

Im September 2013 gab es deshalb einen Ortstermin, den Wehrdas Ortsvorsteher Dirk Vaupel eingefordert hatte: In einem Gelenkbus fuhr er gemeinsam mit Vertretern der Straßenverkehrsbehörde, Polizei und Stadtwerke zweimal die Strecke ab, um auf die Gefahrstellen hinzuweisen und letztlich zu erreichen, dass dort eine Verwaltungsvorschrift zum Paragrafen 45 der Straßenverkehrsordnung umgesetzt wird. Diese­ besagt: „Wo die Verkehrssicherheit es wegen der Gestaltung der Kreuzung oder der Einmündung oder die Belange des Buslinienverkehrs es erfordern, kann abweichend von der Grundregel ,rechts vor links‘ die Vorfahrt durch Zeichen 301 angeordnet werden.“

Vaupel sagt, er habe acht Unfälle an Einmündungen beobachtet

Nach dem Ortstermin hieß es vonseiten der Straßenverkehrsbehörde, es werde weiter an ­einer Lösung der Probleme ­gearbeitet. Doch geschehen ist bis heute­ nichts – oder fast nichts, wie Vaupel im Gespräch mit der OP berichtet. Lediglich im Huteweg, an der Einmündung der Straße „Am Hang“ sei die Vorfahrt geändert worden – auf Betreiben der Stadtteilfeuerwehr, die über den Huteweg in Richtung Wehrdaer Straße ausrücken muss. Auch an der Einmündung Ernst-Reuter-Straße in den Sachsenring sei die Verwaltungsvorschrift umgesetzt worden.

Doch das genügt dem Ortsbeirat nicht. Denn auch an anderen Einmündungen komme es weiter zu gefährlichen Situationen, ja sogar zu Unfällen, berichtet Vaupel. Er selbst habe in dieser Zeit zirka acht beobachtet, wo es glücklicherweise nur Blechschäden gegeben habe. Folglich tauchten diese Unfälle­ auch nicht in der Polizeistatistik auf.

Ende Mai jedoch habe es ­einen Unfall an der Zufahrt Freiherr-vom-Stein-Straße/Huteweg gegeben, bei dem eine Radfahrerin verletzt wurde. Ihr hatte ein Pkw die Vorfahrt genommen. Anlass für den Ortsbeirat, erneut einen Antrag an den Magistrat zu stellen, die Vorfahrtsregelung an den Kreuzungen der Hauptverkehrstraßen zu ändern, denn: „Die probeweise Einrichtung der Tempo-30-Zonen zeigt eindeutig, dass die jetzige Regelung große Gefahren bezüglich der Verkehrssicherheit in diesen Straßen herbeiführt.“

In anderen Marburger Straßen gibt es Ausnahmen

Dieser Antrag der CDU-Fraktion wurde laut Vaupel in der zurückliegenden Sitzung des Gremiums mehrheitlich angenommen – mit den Stimmen der Antragsteller; SPD und Grüne stimmten dagegen.
Vaupel betont ausdrücklich, dass der Ortsbeirat weiterhin für Tempo 30 in Wehrda sei. Er könne allerdings nicht verstehen, dass die Straßenverkehrsbehörde nicht die Gefahren ­sehe, die unter anderem durch die Steigungs- und Gefällestrecken bedingt sind. Zumal es in anderen Marburger Tempo-30-Zonen sehr wohl Ausnahmen von der Rechts-vor-links-Regel gibt: etwa am Rotenberg stadtauswärts oder in Ockershausen in der Herrmannstraße und
Ockershäuser Straße (die OP berichtete am 9. Juli 2016). Diese sind allerdings im Gegensatz zu den Wehrdaer Strecken Ein- und Ausfallstraßen für den ­Berufsverkehr.

Das von der Straßenverkehrsbehörde vorgebrachte Argument, eine Aufhebung der Rechts-vor-links-Regel führe zu mehr Verstößen gegen das Tempo-30-Gebot, lässt Vaupel nicht gelten. Wie Blitz-Aktionen ergeben hätten, werde auch jetzt schon gerast.

Dass die Wehrdaer nun doch bald sagen können: „Ende gut, alles gut“ – diese Hoffnung will Vaupel weiter nicht aufgeben, auch wenn der Ortsbeirat mit dem Leiter der Straßenverkehrsbehörde, Harald Schröder, in der vergangenen Sitzung zu keiner Einigung gekommen sei.

von Michael Arndt