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Marburg Ortsbeirat: Moschee kann gebaut werden
Marburg Ortsbeirat: Moschee kann gebaut werden
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15:54 15.10.2021
Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad und Landrätin Kirsten Fründt legten im April 2017 den Grundstein für die Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Marburg.
Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad und Landrätin Kirsten Fründt legten im April 2017 den Grundstein für die Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Marburg. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Nach Jahren des Stillstands scheint sie nun doch zu kommen: die Moschee im Cappeler Gewerbegebiet „Im Rudert“. Wie Peter Hesse, der Ortsvorsteher von Cappel, im Gespräch mit der OP berichtete, erreichte den Ortsbeirat ein Bauantrag der Ahmadiyya-Gemeinde Marburg. Der Bauantrag ging nun im August 2021 bei der Stadt ein und befindet sich aktuell im Verfahren. In diesem vorliegenden Bauantrag zeigen die Planskizzen unter anderem eine Kuppel und ein Minarett. Beides war in der Vergangenheit hochumstritten. Gegner einer Moschee im Stadtteil Cappel argumentierten, der Ruf eines Muezzin vom Minarett mehrmals täglich habe ruhestörenden Charakter.

Der Ortsbeirat hatte in seiner letzten Stellungnahme auf eine Bauvoranfrage gefordert, auf ein Minarett zu verzichten; als Kompromissformel war damals von einem „Zierminarett“ die Rede gewesen, also ein nicht begehbares Minarett. Kamran Khan, der Pressesprecher der Ahmadiyya, sagte gestern, es werde kein Gebetsaufruf nach außerhalb der Moschee dringen.

Die Wasser-Problematik

Nach der offiziellen Grundsteinlegung für die Moschee vor mehr als 1 000 Zuschauern im Frühjahr 2017 war lange Zeit nichts passiert auf der verunkrauteten Wiese. Mehrfach sammelte sich aber Oberflächenwasser auf dem Grundstück und lief dann auf das Grundstück einer Nachbarin, die den Schaden zu beheben hatte. Für das Grundstück werden laut Auskunft der Stadt derzeit noch keine Niederschlagswassergebühren erhoben, da das Grundstück nicht bebaut ist. Die Gebühren werden gemäß Satzung erhoben für bebaute, überbaute und/oder befestigte Flächen.

Nach der Grundsteinlegung tat sich lange Zeit nichts. Die Aktivitäten der Ahmadiyya in Marburg ließen nach, anders als zuvor waren sie kaum noch in der Öffentlichkeit sichtbar. Gerüchte machten die Runde, die Ahmadiyya seien zahlungsunfähig und könnten das Bauvorhaben nicht finanzieren. Das wurde von den Ahmadiyya immer abgestritten: Der Bau folge einer bestimmten Prioritätenliste des Landesverbands.

In Marburg schlugen nach Bekanntwerden der Pläne dennoch die Wellen hoch. Die CDU teilte der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde mit, dass man Bedenken gegen den geplanten Standort in Cappel habe. Die unmittelbare Nähe zur Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel löse bei der Cappeler Bevölkerung eine gewisse Skepsis aus, die zum Teil in klarer Ablehnung münde.

Die CDU betonte, dass Offenheit und Transparenz in dieser sensiblen Angelegenheit von enormer Wichtigkeit seien. In einer Diskussionsveranstaltung im Bürgerhaus Cappel schlugen die Wogen dann hoch. Den Ahmadiyya wurde ein frauenfeindliches Menschenbild vorgeworfen – wenige Stunden nach der emotional aufgeheizten Debatte gab der Ortsbeirat aber sein mit vielen Fragen versehenes grundsätzliches Ja zur Bauvoranfrage.

Vergangene Woche konkretisierte der Ortsbeirat seine Haltung im Zusammenhang mit dem inzwischen eingereichten Bauantrag. Insbesondere lehnt der Ortsbeirat die Zufahrt über die Umgehungsstraße ab, weil hier neben der Moschee auf wenigen hundert Metern noch die Zufahrt zur Landesfeuerwehrschule und die Zufahrt zu einem rund 20 Wohnungen starken Wohnkomplex der Firma S+S entstehen sollen.

Der Plan

In der Moschee mit nicht begehbarer Kuppel und Zierminarett soll es zwei Gebetsräume geben, zudem eine Bibliothek, Büros und einen Multifunktionsraum, etwa für Besprechungen, erklärt der Sprecher der Gemeinde Kamran Khan. Ob auch eine Wohnung für einen Imam integriert wird, sei noch nicht entschieden – „wir stellen uns das aber so vor“, sagte der Sprecher der Gemeinde 2019 und verwies auf die Planungen, die „innerhalb der nächsten zwei bis drei ­Wochen“ abgeschlossen würden. ­Danach werde der Bauantrag eingereicht.

Zu einem Kostenrahmen für die Errichtung der Moschee äußert sich Khan nicht, sagt nur: „Natürlich möchten wir so günstig wie möglich bauen, ohne aber an der Qualität zu sparen.“ Finanziert werde der Bau wie bereits das Grundstück ausschließlich aus Spenden der rund 230 Mitglieder der Marburger Gemeinde und Mitteln des Ahmadiyya-Bundesverbands mit Sitz in Frankfurt. Gerüchten, wonach die Spendenbereitschaft der Mitglieder hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei und dies zu den Verzögerungen geführt habe, tritt der Sprecher entgegen: „Das ist nicht der Fall. Die ­Finanzierung ist gesichert.“

Dass mit den Arbeiten seit der Grundsteinlegung im April 2017 bislang nicht begonnen wurde,­ habe andere Gründe, sagt Khan. So sei es um Details bei der Planung gegangen, etwa um die Größe der Gebetsräume. Außerdem habe es Verzögerungen beim Bau anderer Ahmadiyya-Moscheen in Fulda und Wiesbaden gegeben. „Dort hat es länger gedauert als vorgesehen. Der Bundesverband hat sich zunächst darauf konzentriert.“

Von Till Conrad