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Marburg Zaubersprüche auf der Liegewiese
Marburg Zaubersprüche auf der Liegewiese
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20:58 10.06.2020
Elke Therre-Staal, (von links), Manfred Hitzeroth und Kristina Lieschke sind das Orpheus-Trio. Quelle: Foto: Tobias Hirsch
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Marburg

Den von den verhext-verflixten Corona-Umständen mitten im Marburger Hexen-Jahr inspirierten Song hat Manfred Hitzeroth gemeinsam mit Kristina Lieschke geschrieben. Es folgte eine Stunde lang ein ungewöhnlicher Abend an einem ungewöhnlichen Ort in ungewöhnlichen Zeiten: Auf der Liegewiese im Marburger Freibad „Aquamar“ waren direkt vor den kleinen Umkleidehäuschen die Stühle aufgebaut. Strom für die Verstärker lieferten die Anschlüsse im Häuschen.

Ob die Zaubersprüche, die in dem „Verhext“-Song auftauchen, auch dazu beitrugen, die Wetterhexen zu besänftigen? Jedenfalls rissen eine Viertelstunde nach dem Start auch die Wolken auf und die Sonne schien.

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30 Zuschauer, die sich vorab anmelden mussten, erlebten einen exklusiven Auftritt der beiden Marburger Autorinnen Kristina Lieschke und Elke Therre-Staal gemeinsam mit dem Sänger und Gitarristen Hitzeroth, der auch dank der schnellen und unbürokratischen Hilfe der Stadtoberen und der Bäderleitung zustande kam. Weil das Freibad coronabedingt noch geschlossen ist, bot es einen idealen Rahmen für ein Kulturevent im Freien und gleichzeitig an einem abgeschlossenen Ort. Das vom Kulturamt geförderte Projekt war gleichzeitig nach der noch im Februar eröffneten Ausstellung im Staatsarchiv das erste Live-Event im Marburger Hexenjahr, das tatsächlich stattfinden konnte. Erst vor drei Wochen hatte das Orpheus-Trio die Idee für den neuen Auftritts-Ort ins Spiel gebracht.

„Wir wollen auch der Marburger Kulturszene Mut machen, dass es weitergeht“, sagte Therre-Staal, die auch Mitinitiatorin des gesamten Themenjahrs ist. Und Lieschke ergänzte: „Die heutige Veranstaltung beleuchtet das Thema aus literarischer Sicht mit einer Mischung sehr verschiedener, immer aber eigener Texte“.

Im Programm ging es nicht nur um die Verfolgung und Ermordung von Frauen als Hexen in der frühen Neuzeit in Marburg und an anderen Orten, sondern auch um das Potenzial „magischer“ Kräfte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Unheimliche Dinge können sich an einem Marburger Vollmondabend abspielen, wusste Kristina Lieschke in ihrem gleichnamigen Gedicht zu berichten. Beim Anblick eines Risses in der Weidenhäuser Brücke imaginierte in der Geschichte „Der Riss“ Elke Therre-Staal, wie zwei Marburgerinnen von heute auf die Spuren einer als Hexe verfolgten Frau auf dem Wege zu ihrer Hinrichtung gerieten. In „Frost“ fühlt sich Kristina Lieschke in eine gequälte und vor Gericht gestellte Frau ein.

Märchen- und Fantasy-Elemente standen in zwei größeren Geschichten in der zweiten Hälfte des Programms im Mittelpunkt. So konstruierten die Autorinnen in der von Therre-Staal ersonnenen und von Lieschke mit eigenen Ideen bereicherten Geschichte „Das Märchen und der Traum“ einen märchenhaften Dialog.

Aus Kristina Lieschkes neuester Geschichte „Der Jadedrache und die Hexe“ verfolgt sie die Idee, wie der drohende Kollaps der Natur in Kombination mit einer immer überdrehteren Welt schließlich zu einer alle Kontinente übergreifenden Seuche führt. Wissenschaftliche Experimente mit gestohlenen Dracheneiern spielen dabei eine gewichtige Rolle. Wie sich der Volksmund das Wirken einer Kräuterhexe vorstellte, wurde in dem Pfadfinderlied „Gehe nicht, oh Gregor“ nach einer alten ukrainischen Volksweise beschrieben.

Auch ein weiterer eigener Song und Coverversionen bekannter Lieder von Konstantin Wecker, Franz-Josef Degenhardt oder Reina del Cid gehörten zum musikalischen Part.

Da es coronabedingt eine Warteliste für das Programm gab, wird das Orpheus-Trio dieses am 28. Juni ein weiteres Mal aufführen. Der Auftritt findet ab 11 Uhr am Spiegelslustturm statt. Information und Anmeldung: Telefon 06421/682129 oder an: info@spiegelslustturm.de

Von unseren Redakteuren

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