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Marburg Orion möchte Miete aussetzen
Marburg Orion möchte Miete aussetzen
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21:28 05.04.2020
Die Ladenkette Orion mit Sitz in Biebertal verhandelt mit Vermietern, um keine oder weniger Miete zu zahlen – denn die Läden haben seit Mitte März geschlossen. Quelle: Foto: dpa
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Marburg

In einem offenen Brief hat beispielsweise auch das Marburger Stadtmarketing alle Vermieter von gewerblichen Immobilien zur Nachsicht bei den Mieten aufgerufen – vom individuellen Entgegenkommen bis zum Verzicht.

Mitunter treibt das Ansinnen, keine Miete mehr zahlen zu wollen, auch skurrile Blüten: So kündigten multimilliarden Euro schwere Großkonzerne wie Adidas, H&M und Deichmann an, keine Miete mehr zahlen zu wollen – und ernteten dafür Boykott-Aufrufe auch von Politikern und einen „Shitstorm“ im Internet. Zumindest Adidas ist bereits zurückgerudert, hat sich entschuldigt.

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Doch zwischen Großkonzern und kleinem Einzelhändler liegt der Mittelstand. Und auch die in Biebertal ansässige Erotik-Fachmarktkette Orion hat seine Vermieter kürzlich angeschrieben – mit dem Vorschlag, die Kaltmiete für April auszusetzen. In dem Schreiben, das der OP vorliegt, heißt es, dass durch die verordneten Schließungen die Umsätze auf Null heruntergefahren worden seien – sämtliche Kosten wie Mieten, Personalkosten und Versicherungen jedoch weiter liefen. „Um zukünftig weiter handeln zu können und auch um einer möglichen Insolvenz vorzubeugen sind wir auf Ihr Entgegenkommen als Vermieter angewiesen“, heißt es in dem Brief. Dann kommt der Vorschlag, die Kaltmiete auszusetzen – die Nebenkosten sowie weitere Kosten würde Orion weiter zahlen. „Damit könnten Sie als Vermieter einen wichtigen Beitrag leisten, um unser Haus in dieser schwierigen Situation zu unterstützen“, heißt es.

Doch was ist daraus geworden? Der Marburger Jens Seipp ist Prokurist bei Orion in Biebertal. Er sagt im Gespräch mit der OP: „Wir haben am Montag unsere komplette Miete bezahlt. Wir sind natürlich im Gespräch mit den Vermietern gewesen, denn wir haben 160 Läden in Deutschland. Wir wollten wissen, inwieweit ein Entgegenkommen möglich ist.“ Einige Vermieter „im einstelligen Prozentbereich“ hätten auch ein solches Entgegenkommen gezeigt, „teils prozentual – das haben wir gerne angenommen. Und ansonsten haben wir ganz normal bezahlt.“ Einige Vermieter hätten auch eine Stundung angeboten, „aber das haben wir nicht gemacht, denn das ergibt letztlich keinen Sinn“.

Und wie dramatisch ist die Lage – auch vor dem Hintergrund des Online-Geschäfts? „Das sind zwei getrennte Unternehmen: Die Orion Fachgeschäfte GmbH in Biebertal betreibt ausschließlich die Läden – und die Kollegen in Flensburg betreiben ausschließlich Groß- und Versandhandel“, sagt Seipp. Daher treffe das Biebertaler Unternehmen die Situation schon hart – der Online- und Versandhandel sei zwar leicht gestiegen, „aber nicht in einem Maß, dass man das nur annähernd kompensieren könnte“. Dennoch ist Seipp optimistisch, die Corona-Krise „mit zwei blauen Augen“ zu überstehen. „Wir sind von Haus aus als konservatives Unternehmen gut aufgestellt – aber uns tut natürlich jeder Monat weh.“

Man habe immerhin den halben März noch verkaufen können, „und im April stellt sich die Frage: Was passiert nach Ostern? Wir rüsten uns jetzt schon ein bisschen dafür, danach vielleicht wieder öffnen zu können und schauen, welche Auflagen es wohl geben könne – so wie jeder Einzelhandelsbetrieb“, sagt der Prokurist.

Dass das Unternehmen auf die Vermieter zugegangen sei, hält Seipp für „völlig legitim – wir sehen uns als fairer Partner und wir stehen häufig mit den Vermietern im Kontakt. Da kann man ja mal darüber sprechen, wie man gemeinsam mit der Situation umgehen kann“.

Vor diesem Hintergrund habe Orion die Miete selbstverständlich überwiesen, „denn wir wollen ja nach der Krise auch in den Läden weitermachen“.

Von Andreas Schmidt

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