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Marburg Tempo 30 auf Weidenhäuser Brücke?
Marburg Tempo 30 auf Weidenhäuser Brücke?
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12:52 22.09.2019
Die Opposition forderte im städtischen Verkehrsausschuss Tempo 30 auf der Weidenhäuser Brücke. Bürgermeister Wieland Stötzel ­befürchtet dadurch einen Millionenschaden. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der Streit um die Verkehrsführung auf der Weidenhäuser Brücke geht weiter. „Die Leistungsfähigkeit der Brücke wird nur nach dem Autoverkehr beurteilt, das ist der Kardinalfehler“, sagt Henning Köster (Linke). Vielmehr gelte es, einen „Fehler der Vergangenheit zu korrigieren“ – gemeint ist die vor fünf Jahren einstimmig gefasste Parlamentsentscheidung zur Sanierung mit drei Autofahrspuren und ohne Radstreifen. Das „Einquetschen des Rad- in den Autoverkehr“ und die „grundsätzliche Gefährdungslage muss ein Ende haben“, dazu sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 statt 50 nötig. Etwas, das am besten für den gesamten Rudolphsplatz gelten solle.

Hans-Werner Seiz (Grüne) sieht das genauso, verlangt im Umwelt- und  Verkehrsausschuss eine 30er-Begrenzung auf dem Straßenabschnitt zwischen Pilgrimstein und „Am Grün“. „Das ist nur konsequent, wenn man sich die Förderung des Radverkehrs auf die Fahne schreibt“, sagt er. Die stets betonten Lahn-Überquerungs-Alternativen – Luisa-Häuser-Brücke, Mensasteg und Hirsefeldsteg – seien angesichts ihres Umweg-Charakters und der Konkurrenz zu Fußgängern „keine echten, nur indirekte Möglichkeiten“.

Die Oppositionspolitiker bezweifeln – ähnlich wie Vertreter der BI Verkehrswende – die vom Magistrat vertretene Verkehrsverschlechterungs-These speziell für Berufspendler. „Die sollen ja weiterhin durchkommen, nur eben ohne Speed aufzunehmen – das dient der Sicherheit aller“, sagt Köster, der die Markierung von zwei Radschutzstreifen zulasten einer Autofahrspur fordert.

Drei Millionen Euro futsch

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) warnt vor drohenden Millionen-Forderungen des Landes, wenn man entsprechend handeln würde. „Das Land Hessen fördert nur die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit von Straßen, nicht ­deren Umbau oder einen Rückbau. Resultat wäre, dass wir die Fördergelder zurückgeben müssten.“ Bedeutet: drei Millionen Euro futsch.

Auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) hält dagegen: Es sei „grober Unfug und völlig abwegig“ auf der Weidenhäuser Brücke Tempo 30 zu fordern. Grund: Über sie führt eine Landesstraße, eine Anweisung solch einer Geschwindigkeitsbegrenzung sei rechtlich gar nicht möglich. Nur, wenn Wohnbebauung angrenze, Kindergarten oder Seniorenheim in der Nähe wären und es eine enorme Lärmbelastung gebe, sei so ein Schritt als Ausnahmeregelung möglich.

Da es in der Stadt kaum Möglichkeiten gebe, die „immer zu bevorzugende Trennung der Verkehrsteilnehmer“ zu gewährleisten, setze man vielmehr auf eine „aktive Umlenkung“ des Radverkehrs auf die nahen Brücken zwischen Hirselfeld- und Mensasteg. „Was hier jetzt versucht wird, ist ein Signal von: ‚Ihr seid hier nicht willkommen.‘ Und das gegenüber den Menschen, die sich in der Stadt keine Wohnung leisten können, ohne deren Arbeitskraft die Stadt aber nicht funktionieren würde“, sagt er.

Ausprobieren und schauen

Nur wenn es gelinge, einen „Parkhaus-Ring“ um die Innenstadt zu ziehen – etwas, das mit dem Verkehrsknoten in der Wilhelm-Röpke-Straße auf dem Uni-Gelände verfolgt werde, seien angesichts dann abnehmender Autozahlen auch andere Verkehrsführungen auf der Weidenhäuser Brücke „denkbar“. SPD-Parteichef Thorsten Büchner hält eine 30er-Regelung jedenfalls für unnötig. Es gebe vor allem mit der Frankfurter Straße andere Stellen, wo das „viel dringender nötig wäre“. CDU-Mann Jan von Ploetz: „Überhaupt 30 in dem Bereich fahren zu können wäre ja schon ein Gewinn.“ 

Michael Weber (Piraten) will einen Verkehrsversuch auf der Brücke, zeitlich befristete Gelb-Markierungen, die eine Fahrspur wegnehmen, zwei Radstreifen schaffen. „Ausprobieren, schauen ob und wie es klappt und eine falsche Entscheidung korrigieren, oder eben an ihr festhalten – je nach Ergebnis.“ Hanke Bokelmann (FDP) hebt die Verbesserungen hervor, etwa fahrradbevorzugende Ampelschaltungen und neue Markierungen am Rudolphsplatz.

von Björn Wisker