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Marburg Forscher haben Krisen der Zukunft im Blick
Marburg Forscher haben Krisen der Zukunft im Blick
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08:58 29.05.2021
Zwei Libellen fliegen bei der Paarung im Tandemflug. Warum Artenvielfalt auch für das menschliche Wohlbefinden nützlich ist, darum geht es in einem der Vorträge am Samstag.
Zwei Libellen fliegen bei der Paarung im Tandemflug. Warum Artenvielfalt auch für das menschliche Wohlbefinden nützlich ist, darum geht es in einem der Vorträge am Samstag. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Marburg

Noch hat die aktuelle globale Krise der Corona-Pandemie die Gesellschaften auf der ganzen Welt fest im Griff. Sie beschäftigt auch die Wissenschaftler – vor allem diejenigen, die unmittelbar und mittelbar mit der Pandemieforschung beschäftigt sind. Doch auch in der Post-Corona-Ära könnte es neue Krisenfelder geben, von denen wir heute vielleicht noch gar nichts wissen. Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Energie- und Wasserversorgung des Planeten könnten zu immer drängenderen Themen werden.

Zwei Doktoranden der Marburger Universität, der Chemiker Maik Schöniger und der Soziologe Nils Vief, wollen es nun genauer wissen. „Wir haben uns gefragt: Was kommt nach Corona? Welche anderen Krisen erwarten uns in der Zukunft, und was kann die Wissenschaft zu deren Lösung beitragen?“, erläutern sie im Vorwort zu einem Symposium, das an diesem Samstag online über die Bühne geht. Die Frage nach zukünftigen Krisen und Lösungsansätzen schickten Vief und Schöniger an zahlreiche Forscherinnen und Forscher der Uni Marburg. Die Resonanz war sehr groß: 19 Marburger Wissenschaftler aus elf Fachgebieten sowie zwei externe Referenten Vorträge halten am Samstag, 29. Mai, ab 11 Uhr Vorträge bis zum Abend.

Das sind die Themen

  • „Körper und Demokratie: Zeigt sich eine Krise der normativen Überzeugungen in der Corona-Pandemie?“: Unter dieser Überschrift untersuchen die Politikwissenschaftlerin Professorin Ursula Birsl und die Philosophie-Professorin Nadia Mazouz in ihrem Vortrag ab 11.15 Uhr den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit der Corona-Pandemie. Sie wollen auch die Frage besprechen, ob die Demokratie durch die Krise gefährdet sein kann, weil die Gesellschaft nicht darauf vorbereitet war.
  • „Warum brauchen wir in Zukunft Artenvielfalt?“: In dem Vortrag ab 12.15 Uhr wollen Biologie-Professorin Nina Farwig und Biologie-Professor Robert Junker erläutern, wieso Artenvielfalt für die Funktion und Leistung von Ökosystemen wichtig ist, wieso sie auch dem menschlichen Wohlbefinden nutzt und wodurch sie lokal und global bedroht ist. Die Referenten fragen zudem, welche Strategien es gibt, um die Artenvielfalt auf unterschiedlichen Skalen zu erhalten.
  • „Klimawandel, multiresistente Keime und ,Last Resort‘-Antibiotika – Was sind die Auswirkungen auf unsere Gesundheit?“: So heißt ab 13.15 Uhr der Titel des Vortrags von Medizin-Professor Stefan Bösner und Professor Lennart Randau (Biologie), in dem sie einen neuen Blickwinkel auf die Klimawandel-Debatte legen. Im Mittelpunkt sollen die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels stehen. So wollen die beiden Experten verschiedene Erkrankungen vorstellen, die bedingt durch den Klimawandel in den kommenden Jahren verstärkt auftreten könnten. Ein zusätzliches Thema wird die Antibiotikaresistenz in bakteriellen Krankheitserregern sein.
  • „Wasser – ein Konfliktpotenzial der Zukunft?“: Mit dieser Frage befassen sich die Geographen Professor Jörg Bendix und Professorin Simone Strambach sowie Sportwissenschaftlerin Lea Spahn im Vortrag ab 15 Uhr. Darin geht es um den Kampf um die globalen Wasserressourcen. „Für den Menschen ist zwar in erster Linie Trinkwasser von lebenswichtiger Bedeutung“, heißt es in der Ankündigung des Vortrags. Doch auch für die Produktion von Nahrungsmitteln oder als Energieträger sei Wasser wirtschaftlich bedeutsam. Daraus könnten sich eine Reihe von Konfliktfeldern in Sachen Wassernutzung ergeben.
  • „Beobachtungen am Nordpol – was hat der arktische Wandel mit uns zu tun?“: Das fragt die Geo-Mikrobiologin Antje Boetius in ihrem Vortrag ab 16 Uhr. „Klimamodelle lassen ein Verschwinden der sommerlichen Meereis-Bedeckung in der Arktis bereits in wenigen Jahrzehnten erwarten“, meint die Wissenschaftlerin. Boetius berichtet von neuen Beobachtungen in den eisbedeckten Nordmeeren und den Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben in der Arktis.
  • „Kann Krise auch Chance sein?“ fragt in dem Vortrag ab 17 Uhr Geographie-Professor Thomas Brenner. Er hat die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten untersucht, die Krisen auch als Innovationstreiber besitzen könnten. So habe es sowohl im Nachgang der Weltwirtschaftskrise der 1920er- und 1930er-Jahre als auch nach der Finanzkrise 2008/2009 vielfältige Beispiele technologischer Innovation und gesellschaftlicher Transformation gegeben. Brenner fragt vor diesem Hintergrund danach, welche konkreten Anstöße für Veränderung die Corona-Krise geben könnte, beispielsweise in Sachen Arbeitsgestaltung oder Stadtentwicklung.
  • „Können die Erneuerbaren Energien unseren Energieverbrauch decken?“: Das fragt der Naturwissenschaftler Professor Christian Holler. Er stellt in seinem Vortrag ab 18 Uhr die Frage nach dem aktuellen Energieverbrauch der Deutschen und dem Potenzial der Erneuerbaren Energien beim Ersatz der herkömmlichen Energiequellen.
  • „Wie lassen wir die Krise der ,imperialen Lebensweise‘ hinter uns und welche Zukunftsdiskurse eröffnen sich?“: Diese Frage stellen im letzten Vortrag ab 19 Uhr die Erziehungswissenschaftler Professorin Susanne Maria Weber und Marc Andre Heidelmann sowie die Sportwissenschaftlerin Lea Spahn und die Politikwissenschaftlerin Dr. Funda Hülagü Demirbilek. Die Prinzipien der nachhaltigen Lebensführung und der kollektiven Verantwortung für das globale Gemeinwesen stehen dabei auf dem Prüfstand.

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Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung für den Livestream finden Sie hier.

Von Manfred Hitzeroth

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