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Marburg Marburgs Kitas vor schweren Zeiten
Marburg Marburgs Kitas vor schweren Zeiten
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20:03 26.01.2022
Durch die rasant ansteigenden Infektionszahlen bei Kinder und Personal kann es auch in Marburger Kitas zu eingeschränktem Regelbetrieb und Schließungen kommen.
Durch die rasant ansteigenden Infektionszahlen bei Kinder und Personal kann es auch in Marburger Kitas zu eingeschränktem Regelbetrieb und Schließungen kommen. Quelle: Annette Riedl
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Marburg

Wie ernst die Lage im Hinblick auf die Corona-Pandemie in Marburgs Kindertagesstätten ist, machten Jugenddezernentin Kirsten Dinnebier sowie Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Fachdienste, aber auch Verantwortliche der Einrichtungen freier Träger am Mittwoch (26. Januar) deutlich. Angesichts der rasant steigenden Zahlen von Covid-Infektionen mit der Omikron-Variante ist damit zu rechnen, dass es kurzfristig zu Einschränkungen der Betreuungszeiten oder gar zu Schließungen von Gruppen oder ganzen Einrichtungen kommen kann. „Wir beobachten die Situation mit großer Sorge und wollen proaktiv mit den Familien von Kitakindern in Kontakt treten“, sagte Stefanie Lambrecht vom Jugendamt. Die Zahlen sprechen eine überdeutliche Sprache: Gab es in den ersten beiden Januarwochen nur drei positive Fälle – ein Kind und zwei Erwachsene – , waren es in der dritten Woche bereits 23 weitere Fälle, davon 13 Kinder und 10 Erwachsene. Allein in der laufenden Woche gab es bis zum Mittwoch zusätzliche 38 Infektionen – 23 bei Kindern und 15 bei Erwachsenen.

Höhepunkt der Omikronwelle noch nicht erreicht

Da der Höhepunkt der Omikronwelle noch bevorsteht, ist damit zu rechnen, dass sich diese Entwicklung erst einmal noch fortsetzen dürfte. „Wir wollen die Betreuungsangebote so lange wie möglich aufrechterhalten, aber wir haben auch die Sicherheit aller im Kopf“, sagte Kirsten Dinnebier: „Das müssen wir unter einen Hut bringen.“ Angela Stefan, die Leiterin des Fachdienstes Kinderbetreuung, sagte, die Universitätsstadt setze weiter auf die Testangebote, die während der Präventionswochen eingeführt wurden: „Aufhalten können wir die Pandemie damit nicht, aber es gibt allen die größtmögliche Sicherheit.“ Als positiv verbuchte die Fachdienstleiterin, dass 80 Prozent der Eltern von Kitakindern von den Testangeboten Gebrauch machen. Doch neben den rund 3 000 Jungen und Mädchen in den Einrichtungen wird auch in immer stärkerem Maß die Personaldecke durch die Pandemie ausgedünnt. Lisa Konur, die für die 17 Kitas in kommunaler Trägerschaft verantwortlich ist, erklärte am Mittwoch: „Die Beschäftigten sind am Rand der Erschöpfung.“

„Omikron trifft auf ausgelaugtes Personal“

Kai Abraham, Geschäftsführer der Einrichtungen der evangelischen Kirche, brachte es auf die Faustformel „Omikron trifft auf ausgelaugtes Personal“. Dabei rangiere das Personal mittlerweile täglich „am Rand der Aufsichtspflichtverletzung“. Marina Dörnemann von der Geschäftsführung der Marburger Waldkindergärten und der Kinder- und Jugendhilfe sprach ebenfalls von Personal, das „nach zwei Jahren total am Limit“ sei – und sie appellierte an die Eltern: „Wer immer es kann, sollte versuchen, seine Kinder zuhause zu behalten – denn wenn die Infektionen in den Einrichtungen weiter so zunehmen, kommt es zu einem Flächenbrand.“

Keine wirklich guten Nachrichten also für Väter und Mütter, die auf die Betreuungszeiten in den Kindertagesstätten aus beruflichen Gründen angewiesen sind. Die Jugenddezernentin warb am Mittwoch bei den Eltern für Verständnis, als sie eindeutig sagte: „Es kann in den nächsten Wochen zu erhöhtem Personalausfall und infolgedessen zu gekürzten Betreuungszeiten oder gar Gruppenschließungen kommen.“

Weitere Infos zur Corona-Lage im Landkreis

Wie die Corona-Lage an Schulen und Kitas im Landkreis aussieht und welche Regeln bei positiven Tests zu beachten sind, lesen Sie im Artikel "'Wir erwarten, dass die Fallzahlen weiter steigen'".

Im Extremfall, den die Universitätsstadt mit allen Mitteln zu verhindern versuche, könne auch die Schließung ganzer Einrichtungen notwendig sein, sofern sich keine andere Lösung finden lasse.

Von Carsten Beckmann

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