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Marburg Ohne Impfung zurück nach Warzenbach
Marburg Ohne Impfung zurück nach Warzenbach
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07:58 25.03.2021
Spritzen mit dem Präparat von AstraZeneca.
Spritzen mit dem Präparat von AstraZeneca. Quelle: Hendrik Schmidt
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Marburg

Manfred Ehrling und seine Frau Renate sind beide 85 Jahre alt. Das Paar aus dem Wetteraner Ortsteil Warzenbach hatte sich zur Corona-Impfung angemeldet und war froh, als der Termin zur Fahrt ins Impfzentrum näher rückte. Beide wollten sich möglichst schnell gegen eine Covid-19-Erkrankung schützen, waren jedoch, als sie sich angemeldet hatten, davon ausgegangen, dass man sie mit dem Vakzin des Herstellers BionTech-Pfizer impfen würde. Grund für diese Annahme: Als der Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland zugelassen wurde, lagen aus Sicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) zunächst nur unzureichende Daten aus der Zulassungsstudie zur Schutzwirkung im höheren Lebensalter vor. Der Impfstoff wurde dementsprechend zunächst nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen. Dann prüfte die Stiko neue Daten – mit dem Ergebnis, dass seit knapp zwei Wochen AstraZeneca ohne Einschränkung für Personen ab dem Alter von 18 Jahren empfohlen wird (siehe Infobox).

Als die Ehrlings am Montag dieser Woche zum vereinbarten Termin ins Impfzentrum kamen, wurde ihnen eröffnet, dass gerade nur AstraZeneca verabreicht werden könne und kein BionTech-Pfizer-Impfstoff vorrätig sei. „Grundsätzlich besteht keine Wahlfreiheit – geimpft wird mit dem Vakzin, das vorrätig ist“, sagt Sascha Hörmann, stellvertretender Pressesprecher des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Die Ehrlings wollten sich jedoch nicht auf eine Impfung mit dem AstraZeneca-Stoff einlassen und verließen dementsprechend das Zentrum am Marburger Messeplatz unverrichteter Dinge. „Wenn jemand das Impfangebot ausschlägt, muss er sich um einen neuen Termin bemühen“, sagt Hörmann: „Und auch bei einem neuen Impftermin gelten dann die gleichen Bedingungen.“

Manfred Ehrling berichtete im Gespräch mit der OP, dass er und seine Frau an jenem Tag, als für sie die Impfung anstand, durchaus nicht die Einzigen waren, die die Verabreichung von AstraZeneca ausschlugen. Jetzt warten beide auf einen neuen Impftermin - der soll in rund fünf Wochen sein, wie Renate Ehrling bei einem Anruf in der Wiesbadener Terminvergabestelle erfuhr. Beim nächsten Mal wird die Warzenbacherin ein ärztliches Attest mitnehmen, in dem eine Thrombose als Folge einer Augen-Operation diagnostiziert wurde. Das könnte zumindest für sie eventuell bedeuten, dass die Impfärzte ihr den Biontech-Pfizer-Stoff verabreichen. Eventuell - einen Rechtsanspruch darauf hat sie nicht.

Von Carsten Beckmann

Das sagt die Ständige Impfkommission zu Astrazeneca

Zum Zeitpunkt der Empfehlung des Covis-19-Impfstoffs Astrazeneca Vaccine (29. Januar) lagen aus Sicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur unzureichende Daten aus der Zulassungsstudie zur Schutzwirkung im höheren Lebensalter vor. Der Impfstoff wurde daher zunächst nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen. Abgesehen von dieser Einschränkung wurde der Impfstoff von der Stiko als geeignet zum Individualschutz und zur Bekämpfung der Pandemie angesehen. Nach der sorgfältigen Prüfung neuer Daten empfiehlt die Stiko nun seit dem 11. März die Astrazeneca Vaccine ohne Einschränkung für Personen ab dem Alter von 18 Jahren. Die Evidenzgrundlage hat sich durch die Veröffentlichung von „real world“-Beobachtungsstudien deutlich verbessert. Eine große Studie von hoher methodischer Qualität (test-negative design) aus England schätzt bei Personen im Alter von mehr als 70 Jahren die Impfeffektivität zur Verhinderung von Covid-19 – nach einer Dosis der Astrazeneca Vaccine – auf mindestens 60 Prozent und die zusätzliche Effektivität zur Verhinderung von Hospitalisierungen auf weitere 37 Prozent. Zusätzlich liegt eine neue, große Kohortenstudie aus Schottland vor. In dieser Studie lag die 1-Dosis-Impfeffektivität gegen Hospitalisierung von über 80-Jährigen bei 81 Prozent (hier wurden Comirnaty und Astrazeneca Vaccine gemeinsam untersucht).

Hinsichtlich der Sicherheit des Astrazeneca-Impfstoffs ergeben sich aus der Aktualisierung der Zulassungsdaten keine neuen Aspekte. Die Impfung ist vergleichsweise reaktogen, das heißt nach der Impfung kommt es gehäuft zu Impfreaktionen. Die lokalen und systemischen Impfreaktionen waren bei älteren Personen eher seltener als bei jüngeren Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Studienergebnisse zeigen eine gute Schutzwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs zur Verhinderung von Covid-19 und Covid-19-assoziierter Hospitalisierung auch bei über 65-Jährigen. Die Schutzwirkung unterscheidet sich nicht wesentlich von derjenigen der mRNA-Impfstoffe.

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