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Marburg „Ohne Erdgas stehen in Hessen die Produktionsbänder still“
Marburg „Ohne Erdgas stehen in Hessen die Produktionsbänder still“
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17:00 10.04.2022
Wolf Mang, Präsident der VhU, warnt eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen eines Gas-Embargos.
Wolf Mang, Präsident der VhU, warnt eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen eines Gas-Embargos. Quelle: Wohlfahrt
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Marburg

Braucht die Industrie das Gas aus Russland oder kann sie notfalls auch darauf verzichten? Das ist eine Frage, über die auch die heimische Wirtschaft diskutiert. So hatte Eberhard Flammer, Inhaber des Unternehmens Elkamet in Biedenkopf und Präsident der IHK Lahn-Dill, jüngst ein Plädoyer für einen sofortigen Lieferstopp gehalten. „Wir müssen auf Gasimporte verzichten, sofort und vollständig. Koste es, was es wolle“, sagte er.

Die Vollversammlung der Kammer stimmte diesem Plädoyer kurz darauf mit einer Resolution zu, in der sie die Bundesregierung aufforderte, die Energielieferungen aus Russland auszusetzen. Und: Auch die Vollversammlung der IHK Kassel-Marburg verabschiedete jüngst eine Resolution, in der sie sich hinter alle Sanktionen der Regierung gegen Russland stellt – auch, wenn dies mit schmerzhaften Einschnitten verbunden sei.

Ganz anders sieht dies jedoch bei der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) aus: Sie lehnt ein kurzfristiges Erdgas-Embargo ab. „Ohne Erdgas stehen nahezu überall in Hessen die Produktionsbänder still: Produkte können nicht mehr hergestellt werden, Maschinen und Material drohen irreparabel Schaden zu nehmen“, so VhU-Präsident Wolf Mang. „Wir wollen uns alle nicht ausmalen, was es bedeuten würde, wenn Grundstoffe und Güter fehlten und neben Lebensmitteln in den Supermärkten beispielsweise auch Medikamente in den Apotheken knapp würden.“ Rückmeldungen der Mitgliedsverbände würden zeigen, wie „vielschichtig und weitreichend die Auswirkungen auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben“ wären – quer durch alle Branchen und Unternehmensgrößen.

„Folgen wären dramatisch“

Einige Unternehmen etwa bei Stahl oder Papier hätten ihre Produktion bereits drosseln müssen, „weil sie die Preissteigerungen bei den Energiekosten nicht mehr kompensieren können. Wenn jetzt auch noch ein Versorgungsdefizit bei Erdgas hinzukäme, dann würden wir davon reden, dass viele Chemie- und Industrieunternehmen, darunter beispielsweise Fritz Winter in Stadtallendorf, ihre Produktion ganz oder teilweise einstellen müssten.“

So sehr Mang die Rufe nach einem Erdgas-Embargo nachvollziehen könne, sei es als VhU-Präsident jedoch seine Pflicht, „vor den Konsequenzen eines solchen Schrittes zu warnen. Wir haben uns in eine Abhängigkeit begeben, die es uns jetzt unmöglich macht, kurzfristig auf Erdgas-Lieferungen aus Russland zu verzichten. Die Folgen wären dramatisch. Mit einem Erdgas-Embargo würden wir uns mehr schaden als dem Aggressor Putin. Das ist die bittere Wahrheit.“

Der VhU-Präsident unterstützt deshalb den Kurs der Bundesregierung, kurz- und mittelfristig an russischen Erdgas-Lieferungen festzuhalten, bis die Mengen durch andere Lieferanten und Energieträger ersetzt werden können. Ein Ausfall von Erdgas könne in den meisten Fällen kurzfristig nicht kompensiert werden und würde in vielen Unternehmen unweigerlich zum Produktionsstopp führen.

Von Andreas Schmidt

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