Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Fridays for Future“ machen Druck auf die Grünen
Marburg „Fridays for Future“ machen Druck auf die Grünen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 05.05.2021
Dieses Bild von einer Klimademo in Marburg entstand im Juni 2019.
Dieses Bild von einer Klimademo in Marburg entstand im Juni 2019. Quelle: Tobias Kunz
Anzeige
Marburg

„Fridays for Future“ und andere außerparlamentarische Gruppen schalten sich in die Sondierungsgespräche zur Bildung einer Stadtregierung in Marburg ein. In einem „offenen Brief“ an die Stadtparlaments-Fraktion der Grünen schreiben die Verfasser: „Die Grünen denken konkret über eine gemeinsame Koalition mit konservativen, neoliberalen und reaktionären Kräften nach.“

In einem Begleitschreiben an mögliche Mitunterzeichner des Aufrufs heißt es, es laufe wohl auf Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen, CDU und FDP hinaus. „Das finden wir ganz und gar nicht hinnehmbar! Wir wollen eine zukunftsorientierte Politik, die mit CDU und FDP nicht zu machen ist.“

Offener Brief

Fridays for Future stellen rhetorisch die Frage, wie mit CDU und FDP ein klimagerechtes Marburg entstehen kann, wie sozial gerechte Wohnungspolitik und eine Verkehrswende mit CDU und FDP zu gestalten sei, wie der Kampf gegen rechts geführt werden könne, wenn „führende CDU-Politiker Marburgs mit Burschenschaften verbandelt sind“. Die Grünen, SPD, Klimaliste und Linke haben zusammen 40 von 59 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung – „die jungen Generationen Marburgs haben ein Recht auf eine Politik, die sie und die Wahlergebnisse ernst nimmt“, heißt es in dem offenen Brief.

Mit CDU und FDP gestalte man keine Zukunft. Das habe auch die Auseinandersetzung um den Dannenröder Forst gezeigt. Bis heute 10 Uhr können Organisationen ihre Unterstützung für den offenen Brief erklären. Bis gestern hatte nach OP-Informationen schon eine zweistellige Zahl von Organisationen den Brief unterstützt.

Gespräche laufen

Grünen-Fraktionsvorsitzende Nadine Bernshausen sagte der OP, natürlich sei es legitim, für Forderungen wie die von Fridays for Future Druck zu machen. „Unsere Aufgabe ist es, für die nächsten fünf Jahre Politik zu machen, für die Klimawende, für frühkindliche Bildung oder die Implementierung einer echten Jugendpolitik.“ Dafür suche man Mehrheiten. Im Kern sei das Schreiben von Fridays for Future daher eine Unterstützung grüner Positionen in den Sondierungsgesprächen.

„Die wollen ihre Themen platziert wissen.“ Die Grünen redeten mit den anderen Fraktionen „über die Zukunft Marburgs“, betonte Bernshausen und erteilte einem überholten Blockdenken eine Absage. Die Grünen wollen auf einem Parteitag Ende Mai entscheiden, mit wem sie konkrete Koalitionsverhandlungen führen wollen.

Die Verbindung macht’s

Zu denen, die sich bereits entschieden haben, gehört die Grüne Jugend. Sie lehnt eine Zusammenarbeit mit CDU und FDP ab und fordert eine „progressive Regierungskoalition mit der SPD und der Linken oder der Klimaliste“. „Wir wollen den Schwung der Wahlen nutzen und volle Fahrt in Richtung echter Klimagerechtigkeit aufnehmen“, so der Sprecher der Grünen Jugend Marburg-Biedenkopf, Teo Kühn.

Co-Sprecherin Karen von Rüden sagte, die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler wolle die Verbindung von Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit. Von Rüden ist auch Mitglied der Grünen Stadtverordnetenfraktion. Die Grüne Jugend sei „optimistisch, dass ihre Einstellung von der Mehrheit der Stadtverbandsversammlung geteilt wird“.

Große Verwunderung bei Jens Seipp

Jens Seipp, der Vorsitzende der CDU-Stadtverordnetenfraktion, hat den offenen Brief an die Grünen „mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen“. Es sei bedauerlich, dass keiner der Verfasser bisher den Kontakt zur CDU gesucht habe. Seipp sprach von einer „kleinen Gruppe von Menschen“, die hinter dem offenen Brief stünden, „laut, aber nicht viele“. Er kritisierte einen Politikstil, „den man in dieser Form in Marburg noch nicht gesehen hat“ und empört sich über „Erpressungsversuche“, denen zu begegnen sei.

Gemeint ist damit wohl die letzte Passage des Briefes, in der es heißt: „Auch in Zukunft wird es viele Themen geben, gegen die Menschen auf die Straße gehen. Wir hoffen, dass eine Koalition von Grünen, FDP und CDU nicht zu diesen Themen zählen muss.“ Tatsächlich sind Koalitionsbildungen in Marburg zumindest in den letzten 25 Jahren kein Thema bei Demonstrationen und anderen außerparlamentarischen Aktionen gewesen. Die CDU will nun zunächst die Entscheidung bei den Grünen abwarten.

Von Till Conrad

Marburg Tag der Händehygiene - Hände-Hygiene hilft auch Helfern
05.05.2021
Marburg Wechselunterricht an Schulen - Wechselunterricht ab Donnerstag
05.05.2021