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Marburg Ortsbeiräte beschließen Positionspapier
Marburg Ortsbeiräte beschließen Positionspapier
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00:18 28.04.2019
Sechs Ortsbeiräte der westlichen Außenstadtteile sprachen sich einstimmig für das fünfseitige Positionspapier aus, das eine umfangreiche Verkehrsstudie für Marburg auf den Weg bringen soll.  Quelle: Ina Tannert
Elnhausen

Wie soll der Verkehr in und rund um Marburg nachhaltig gebändigt beziehungsweise mit größtmöglichem Nutzen für alle (um)gesteuert werden? Das soll ein Verkehrsgutachten zur Mobilitätsentwicklung aufzeigen. Welche Kriterien die angestrebte Bestandsaufnahme der Verkehrswege dabei erfüllen sollte – dabei sind sich die Ortsbeiräte von Elnhausen, Dagobertshausen, Haddamshausen, Hermershausen, Dilschhausen und Cyriaxweimar einig.

Während ihrer jüngsten Zusammenkunft sprachen sie sich in der Mehrzweckhalle Elnhausen einstimmig dafür aus, per Studie sowohl den Status quo der Marburger Verkehrslage darzustellen wie auch verschiedene Potenziale zur Verkehrssteuerung aufzuzeigen. Das Interesse an der sechsfachen Sitzung schien allerdings gering, lediglich 30 Zuhörer verfolgten das Treffen.

Wehrshausen als siebtes Gremium im Bunde erschien kurzfristig nicht, da gewisse Punkte im Positionspapier noch weiterer Diskussion bedürfen. Alle anderen Ortsbeiräte stimmten nach rund eineinhalbstündiger Sitzung für den fünf Seiten starken Vorschlag an die Stadt Marburg, wie das angedachte Verkehrsgutachten aufgebaut werden sollte.

Im Sinne der Ortsbeiräte wäre demnach eine Erhebung, die „ergebnisoffen und nachvollziehbar“ die aktuelle wie zu erwartende Verkehrs- und Problemlage in Marburg aufzeigt und dabei nicht nur den „Allnatalweg“ als potenziellen neuen Verkehrsweg in Betracht zieht, sondern auch Alternativen untersucht und zahlenmäßig aufbereitet. Man wolle „alle denkbaren Varianten“ prüfen, betonte Jan von Ploetz, Ortsvorsteher von Elnhausen. Er will auch klare Zahlen zu den jeweiligen Entlastungspotenzialen erstellen lassen.

Studie soll mehr als nur den "Allnatalweg" aufgreifen

Das Positionspapier erarbeitet hatte eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der BI „Allnatalweg: Stop“ und die Ortsbeiräte. Die umstrittene Westumfahrung zwischen der B 62 und der B 255 sei dabei explizit Teil des Papiers, ebenso wie andere „unbequeme Punkte“, alleine um die Glaubwürdigkeit der Forderungen zu erhöhen, „um sagen zu können, wir haben alles durchdacht“, erläuterte Karin Szeder vom Ortsbeirat Elnhausen.

Die in dem Papier festgelegten Anforderungen an die Studie beziehen sowohl eine aktuelle Verkehrsanalyse wie eine „Szenarien-Entwicklung“ mit ein. Außerdem werden diverse Punkte zur Veränderung oder Optimierung des Status quo angesprochen, sowohl mit wie ohne nötige Bauprojekte: Darunter der Ausbau sowie eine Takt-Verkürzung des ÖPNV, eine verbesserte Ampelschaltung, ein Shuttleangebot zu den Behring-Nachfolgefirmen oder die Sperrung der Ketzerbach für den Güterverkehr.

Darüber hinaus schlagen die Ortsvertreter die Prüfung einer Bahnanbindung für den Görzhäuser Hof vor. Auch Behringtunnel und Seilbahn oder ein zentrales Güter-Verteilzentrum, etwa in Goßfelden, tauchen in der Liste auf. Außerdem der Ausbau der Radwege zwischen den Außenstadtteilen. All diese vorgeschlagenen Verkehrslösungen sollen laut Papier nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung bewertet werden, von einer tatsächlichen Entlastungswirkung, langfristigen Auswirkungen wie demografischen Veränderungen sowie den erwarteten direkten oder indirekten Kosten.

Verkehrszählung an Marburger Knotenpunkten

Weiterhin sollen Gesichtspunkte wie Umsetzungsdauer, Nachhaltigkeit oder Umweltverträglichkeit eine Rolle spielen, vom Umfang neuer Versiegelungen, über den zu erwartenden CO2-Ausstoß bis zu Beeinträchtigungen für die Bewohner.
Weiterhin fordern die Ortsbeiräte eine Verkehrszählung an Marburger Knotenpunkten „als Voraussetzung für jegliche Planung“, heißt es im Papier.

Dies allerdings erst nach Wieder­eröffnung der Weidenhäuser Brücke und nach festen Kriterien. Etwa durch die Auflistung von Start- und Endpunkt sowie der Art des Verkehrs, von Schwerlastverkehr bis Privatfahrt, um zu ermitteln, „wie hoch das Verkehrsaufkommen durch städtische Bewohner in den Problemgebieten ist.“

Die Auflistung erhielt von­seiten der Ortsbeiräte wie aus dem Publikum einige Anerkennung, sei „hervorragend gemacht“, lobte Szeder. Diskussionsbedarf gab es am Sitzungsabend nur zu wenigen Punkten. Mancher Bewohner würde sich etwa wünschen, dass die „große Skepsis“ der Anwohner im Marburger Westen den „Allnatalweg“ betreffend stärker im Papier zum Ausdruck käme.

Dieses solle jedoch gezielt alle Seiten der Verkehrsproblematik beleuchten, betonte von Ploetz, nicht nur die im Westen umstrittenen Routen. Außerdem wurde der Bereich Radwege-Ausbau zwischen den Stadtteilen sowie den Industriestandorten im Papier stärker hervorgehoben.

von Ina Tannert