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Marburg Ökostück für das Klassenzimmer
Marburg Ökostück für das Klassenzimmer
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13:00 12.11.2021
Ashtyn Perry, 13, berührt den Three Sisters-Mammutbaum. Der Setzling, der halb so alt war wie Perry und ihr kaum bis zu den Knien reichte, ist Teil eines Projekts zur Rettung der kalifornischen Küstenmammutbäume.
Ashtyn Perry, 13, berührt den Three Sisters-Mammutbaum. Der Setzling, der halb so alt war wie Perry und ihr kaum bis zu den Knien reichte, ist Teil eines Projekts zur Rettung der kalifornischen Küstenmammutbäume. Quelle: Foto: Noah Berger
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Marburg

Lange vor der Fridays for Future-Bewegung stieg die junge Amerikanerin Julia Butterfly Hill am 10. Dezember 1997 im Norden Kaliforniens auf einen der riesigen Küstenmammutbäume, die weit über 100 Meter hoch und gut 2000 Jahre alt werden können. Um den Baum, sie nennt ihn „Luna“, zu retten, harrt sie 738 Tage auf einer kleinen Plattform in 60 Metern Höhe aus. Bei Sturm, Regen, Schnee, Hitze und Frost.

Für Menschen wie Julia Butterfly Hill sind die Mammutbäume ein ökologischer Schatz, der erhalten werden muss. Für Unternehmen wie die Firma Pacific Lumber sind sie ein ökonomischer Schatz, der ausgebeutet werden soll, auch auf Kosten der Umwelt.

Um diesen Gegensatz geht es in dem Stück „Die Botschaft der Baumfrau“, mit dem das Hessische Landestheater am Mittwochvormittag in der Klasse 6b der Marburger Otto-Ubbelohde-Schule Premiere feierte. Das Ökostück geht ab jetzt auf die Reise in heimische Klassenzimmer.

Lebenswerte Umwelt

Der Zeitpunkt der Premiere könnte kaum besser gewählt sein, denn in Glasgow findet gerade die Weltklimakonferenz statt, in der die Weichen gestellt werden sollen, ob die Menschheit die Ressourcen des Planeten endgültig zerstört oder einen Weg findet, die Erde auch für kommende Generationen lebenswert zu erhalten. In Deutschland und vielen anderen westlichen Industrienationen wächst auch durch die Fridays for Future-Bewegung, die vor allem durch junge Menschen angetrieben wird, das Bewusstsein für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt.

Saskia Boden-Dilling spielt Julia Butterfly Hill in dem Ein-Personen-Erzähltheaterstück. Sie ist ein Wirbelwind im Klassenzimmer, bezieht die 12-jährigen Kinder immer wieder mit ein, macht Späße, stellt Fragen: „Wer weiß etwas vom Dannenröder Forst? Kennt ihr Greta?“ Ja, die Kinder kennen Greta und sie wissen vom Dannenröder Forst, von der Abholzung des Waldes für den Bau der A49. „Julia und Greta waren ähnlich“, sagt die „Baumfrau“. Ihre Geschichte spielt vor 24 Jahren, „da wart ihr noch gar nicht geboren“.

Und dann spielt und erzählt sie diese außergewöhnliche Geschichte einer außergewöhnlichen jungen Frau. Von dem schweren Unfall, von dem Ziel, ihrem Leben eine Richtung zu geben, von der zufälligen Begegnung in den Protestcamps gegen die Abholzung der Küstenmammutbäume. Sie erzählt von den Stürmen, die sie aushalten musste, von den Verhandlungen mit dem Holzunternehmen und von der Rettung „Lunas“ vor den Kettensägen.

Wenige Requisiten

„Jeder Mensch kann etwas tun, um den Lauf der Welt zu verändern“, sagt die Baumfrau, den gespannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern. „Die Botschaft der Baumfrau“, die Saskia Boden-Dilling gemeinsam mit Regisseurin Göksen Güntel erarbeitet hat, ist auch Biologie- und Ökologieunterricht. Dafür braucht es nur wenige Requisiten. Drei Stühle, eine kleine Stoffdecke, eine Plastikplane, einen Eimer, etwas Wasser, Erde und LED-Leuchten und eben einen Wirbelwind im Klassenzimmer. Am Ende gab es viel Applaus von der Klasse sowie von Schulleiterin Christine Frank und Klassenlehrerin Elisabeth Kühnert: „Sehr beeindruckend“, sagten sie.

Die Nachfrage nach dem Klassenzimmerstück für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren, „für alle, für die eine bessere Welt nicht am Waldrand aufhört“, wie es im Programm heißt, ist nach Auskunft von Intendantin Carola Unser groß. Gebucht werden kann „Die Botschaft der Baumfrau“ beim Hessischen Landestheater Marburg über Jürgen Sachs.

Von Uwe Badouin

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