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Marburg „Oben ohne“ im Aquamar nicht erlaubt
Marburg „Oben ohne“ im Aquamar nicht erlaubt
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18:45 13.05.2022
Eine Frau badet nackt in der Ostsee bei Warnemünde. Das „Oben ohne“-Baden wird in vielen Städten heiß diskutiert.
Eine Frau badet nackt in der Ostsee bei Warnemünde. Das „Oben ohne“-Baden wird in vielen Städten heiß diskutiert. Quelle: Bernd Wüstneck/Themenfoto
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Marburg

Wer am Weimarer See „oben ohne“ baden oder sich sonnen will, kann das hier tun. Am See gibt es seit mehr als 20 Jahren einen FKK-Bereich, der auch „treue Stammkunden“ hat, berichtet Betreiber Lucien Gerkau.

Wenn sich Frauen ohne Bikini-Oberteil außerhalb des FKK-Bereichs bewegen, schreiten die Mitarbeiter auch nicht ein. „Wir haben keine Probleme damit, es handelt sich ja um ein natürliches Geschehen“, sagt Gerkau der OP. Es habe sich in all den Jahren noch nie jemand beschwert, dass Frauen sich mit nackten Brüsten außerhalb der FKK-Zone aufgehalten hätten. „Marburg als Studentenstadt ist da liberal“, vermutet Lucien Gerkau.

Im Marburger Aquamar gibt es keinen ausdrücklichen FKK-Bereich, auch nicht auf der Liegewiese, teilt Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt Marburg mit. Die Badeordnung bestimmt: „Der Aufenthalt im Nassbereich der Bäder ist nur in Badebekleidung gestattet“, und etwas schwammiger: „Die Badegäste haben alles zu unterlassen, was den guten Sitten zuwiderläuft.“ Wer will, kann auch diesen Passus als „Oben-ohne-Badeverbot“ auslegen.

Badeordnung wird überarbeitet

Die Stadt Marburg plane aber bereits eine Überarbeitung der Badeordnung, so Grähling. Dabei werde auch die Frage des „Oben ohne“-Badens Thema sein. Ein Entwurf wird dann zunächst der Sport- und Bäderkommission vorgelegt und erörtert. Eine Entscheidung treffen abschließend die politischen Gremien.

„Gerade weil wir die Badeordnung überarbeiten wollen, beobachten wir natürlich auch die Testphase zum „Oben ohne“-Baden, das Göttingen derzeit an den Wochenenden ausprobiert“, sagt Grähling. „Wir werden Erfahrungen von dort gerne bei uns einfließen lassen.“

Nicht-binäre Person gab den Anstoß

Die Diskussion um „Oben ohne“-Baden war in Göttingen ausgelöst worden. Seit dem 1. Mai dürfen sich in den vier städtischen Schwimmbädern alle Menschen obenrum frei machen – allerdings nur samstags und sonntags. Initiiert wurde die Neuregelung von Mina Berger und dem feministischen Göttinger Bündnis „Gleiche Brust für alle“. Berger heißt eigentlich anders, möchte aber anonym bleiben.

Auslöser war, dass Berger sich im August vergangenen Jahres in einem Göttinger Hallenschwimmbad das Bikini-Oberteil auszog. „Das hat sich gut angefühlt zu merken: Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich nicht dieses Oberteil an meinem Körper kleben habe.“ Berger bezeichnet sich selbst als non-binär, identifiziert sich also weder als Frau noch als Mann. Das Schwimmbad sah Berger jedoch als Frau und erteilte einen Schwimmbadverweis sowie ein Hausverbot wegen Oben-ohne-Badens. Nach Ende der Freibadsaison sollen die Erfahrungen ausgewertet werden.

Von Till Conrad

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