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Marburg Discounter-Preise steigen um 12 Prozent
Marburg Discounter-Preise steigen um 12 Prozent
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08:00 18.07.2022
Die OP füllt seit 17 Jahren den „Warenkorb“, um die Preisentwicklungen für Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs zu kontrollieren.
Die OP füllt seit 17 Jahren den „Warenkorb“, um die Preisentwicklungen für Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs zu kontrollieren. Quelle: Fabian Sommer/dpa
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Marburg

Seit 17 Jahren füllt die OP in regelmäßigen Abständen einen Einkaufswagen mit den gleichen 35 Artikeln. Neben Nahrungsmitteln und Getränken liegen auch Drogerieprodukte im OP-Warenkorb.

Das Ergebnis des jüngsten Einkaufs: in der Summe 112,08 Euro teurer. Wenig überraschend: So schnell wie in den vergangenen neun Monaten ist der Preis für den Einkauf noch nie angestiegen. Im Herbst 2021 haben wir für die gleichen Produkte noch 103,20 Euro bezahlt. Das entspricht einer Teuerung von 8,6 Prozent auf die vergangenen neun Monate oder rund 12 Prozent in einem Jahr.

Vor zehn Jahren haben wir für die gleichen Produkte noch 96,78 Euro bezahlt. Dabei erfasst der reine Blick auf den Kassenzettel noch nicht einmal die wahren Preissteigerungen bei einigen Waren. Schokolade zum Beispiel: Einer der großen Lieferanten geht zunehmend dazu über, die süße Versuchung nicht in Tafeln zu 100 Gramm zu verkaufen, sondern nur noch 83 Gramm in die Verpackung zu tun. Ähnliches gilt für abgepackten Käse und abgepackte Wurst- und Fleischwaren.


A propos Fleisch: Pünktlich zur Grillsaison sind Fleisch und Fleischwaren aus dem Discounter wieder billiger geworden. Die Verbraucherzentralen schlagen schon Alarm.

Es sei höchste Zeit für politisches Handeln, um insbesondere Menschen mit geringen Einkommen zu unterstützen, schreibt die Verbraucherzentrale Hessen auf ihrer Homepage. Immerhin 16 Prozent der Menschen in Deutschland – jeder sechste – gelten laut Paritätischem Wohlfahrtsverband als arm. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb:

eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze, so dass auch bei hohen Lebensmittelpreisen eine gesunde Ernährung möglich ist,

Sonderzahlungen für Personen mit niedrigem Einkommen, niedriger Rente und Bezieher:innen von Grundsicherung,

eine Beitragsreduzierung für die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Hochschulen oder für Geringverdiener in Unternehmen, Öffentlichem Dienst und sozialen Einrichtungen,

eine Senkung der Mehrwertsteuer bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten,

eine Unterstützung der Einrichtungen, die Mahlzeiten für Obdachlose anbieten.

Bewusster kaufen

Die Verbraucherzentralen geben Tipps für den Einkauf bei steigenden Lebensmittelpreisen:

Preisfallen bei Gemüse und Obst erkennen und umgehen: Dafür immer die Kilopreise vergleichen! Zudem spielen auch Herkunft und Jahreszeit eine wichtige Rolle. Gemüse, das Saison hat und in der Region wächst, ist in der Regel günstiger zu haben, weil es nicht weit transportiert und aufwendig gekühlt werden muss. Derzeit sind zum Beispiel Gurken, Tomaten, Blumenkohl, Porree, grüne Bohnen, Zucchini, Kohlrabi, Mangold, verschiedene Kohl- und Salatsorten günstiger, sowie Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Pfirsiche und Aprikosen. In August werden auch reife Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren, Kirschen, Pflaumen und Mirabellen zu finden sein. Ein Einkauf auf dem Wochenmarkt kann zudem günstiger sein als im Supermarkt, vor allem kurz vor Ende des Markttages. Und wer saisonales Freilandgemüse kauft statt aus dem Gewächshaus, hilft auch der Umwelt. Orientierung bietet hier der Saisonkalender der Verbraucherzentrale NRW.

Ausweg aus dem Butter-„Preis-Schock“: Die Butterpreise haben seit März deutlich angezogen und liegen derzeit teilweise bei drei Euro pro 250 Gramm. Für eine gesunde Ernährung ist Butter nicht vorrangig, denn sie enthält als tierisches Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren. Gesünder sind ungesättigte Fettsäuren. Diese findet man in Pflanzenölen wie zum Beispiel Olivenöl, Leinöl oder Sojaöl und auch in bestimmten Margarine-Sorten. Leckerer Butter-Ersatz fürs Brot sind auch Frischkäse, Aufstriche, Olivenöl oder Nuss-Öle.

Fleisch öfters pflanzlich ersetzen: Die Verbraucherzentrale NRW rät, bei Bedarf den Anteil von Fleisch, Wurst und Fisch durch pflanzliche Lebensmitteln zu ersetzen. Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Sojabohnen und Lupinen sind sehr gute Alternative: Sie sind wertvolle Quellen für Eiweiß, Eisen, B-Vitamine und Ballaststoffe und zudem günstig. Fleisch-Ersatzprodukte sind nicht die erste Wahl, weil sie oft viele Zusatzstoffe enthalten und bei höherer Verarbeitung teurer sind.

Mit Einkaufsliste einkaufen gehen: Es lohnt sich, einen Essensplan für die Woche oder zumindest den nächsten Tagen aufzustellen und damit geplant einzukaufen. Ein solcher Einkaufszettel reduziert die oft teuren Spontankäufe. Vorab sollte man die eigenen Vorräte und die Reste im Kühlschrank checken und von hinten nach vorne räumen. Es kann auch helfen, vorab ein Maximalbudget für den Einkauf festzulegen.

Selber kochen: Selbst zu kochen ist meistens unschlagbar günstiger als Fertiggerichte, Lieferdienste oder To-go-Käufe (auch hier: Wenn möglich, einfach die Kilopreise vergleichen! Das geht vor allem, wenn man Fertiggerichte im Supermarkt einkauft). Und so hat man auch selbst in der Hand, was auf dem Teller ist. Ebenso gehen kleine Snacks unterwegs ins Geld. Wer sich eine Brotzeit schmiert und den Kaffee im eigenen Thermobecher mitnimmt, kann damit Geld und Verpackungsmüll sparen.

Weitere Spartipps von der Lagerung bis zum Selbstanbau: Lebensmittel, die nur noch kurz haltbar sind, werden meist in Supermärkten oder Discountern reduziert angeboten. Ebenso sollten übermäßige Lebensmittelabfälle vermieden werden: Speisereste kann man mit cleveren Rezepten weiterverwenden. Lebensmittel sollten zudem zu Hause richtig gelagert werden, damit sie sich möglichst lange halten. Auch bei Getränken gibt es Sparpotenzial: Wasser, vor allem Leitungswasser, ist deutlich billiger als Softdrinks. Leitungswasser ist zudem besonders umweltschonend und kann geschmacklich mit einem Spritzer Zitrone oder Ähnlichem aufgepeppt werden.

Von Till Conrad