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Marburg Musikszene am Corona-Abgrund
Marburg Musikszene am Corona-Abgrund
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10:05 20.06.2020
Das Erwin-Piscator-Haus ist bei dem Event „Marburg b(u)y Night“ in rotes Licht getaucht. Am Montag beteiligt sich das EPH an der bundesweiten Aktion „Night of Light“ und wird von innen heraus rot leuchten, um auf die existenzielle Bedrohung der Veranstaltungsbranche durch Corona hinzuweisen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Bundesweit beteiligen sich am kommenden Montag Konzerthallen, Stadthallen, Klubs und Theater an der Aktion „Night of Light“. Die Nacht des Lichts soll ab 21 Uhr auf die existenzielle Bedrohung einer ganzen Branche durch die Corona-Pandemie hinweisen. Zehntausende Musiker, Kabarettisten, Artisten, Schauspieler haben durch die Corona-Lockdowns ihr Einkommen verloren. Dies gilt auch für zahlreiche Unternehmen der Veranstaltungsbranche, für Veranstaltungsdienstleister wie das Marburger Unternehmen Flashlight, für Konzertveranstalter wie das Konzertbüro Emmert aus Schwalmstadt, für lokale Veranstalter wie das KFZ.

Arwed Fischer von Flashlight, Josh Emmert vom Konzertbüro Emmert und der Firma Emmert Veranstaltungstechnik, der heimische Bassist Frieder Gottwald, einer der besten der deutschen Musikszene, und Gero Braach vom Marburger KFZ werden am Montagabend im OP-Talk mit OP-Kulturredakteur Uwe Badouin über die Corona-Krise sprechen, die für viele Menschen mit jedem Tag existenzbedrohender wird.

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Aus Solidarität mit der Kulturbranche wird am Montagabend auch das Verlagshaus sowie die Druckereifassade der Oberhessischen Presse in rotes Licht getaucht.

Deutschland hat eine unglaublich vielfältige Kulturszene. Theater, Opernhäuser, Konzerthallen, Kneipen und Klubs, in denen Konzerte aller Art, Lesungen, Theateraufführungen stattfinden. Sie sind unverzichtbar für den Alltag in Deutschland. Wie sehr, macht eine Zahl deutlich: Nach Auskunft einer Statistik des Deutschen Bühnenvereins hatten Theater, Festspiele und Konzerte in der Saison 2017/2018 rund 35 Millionen Besucher.

Doch sind sie aus Sicht der Politik auch systemrelevant? Politiker würden öffentlich sagen: Ja. Doch Josh Emmert meint aufgrund anderer Erfahrungen: „Wir haben keine Lobby. Die Veranstaltungsbranche beschäftigt zwar unglaublich viele Menschen, doch sie ist sehr kleinteilig.“

Es gibt also nicht den einen Giganten, den man unbedingt am Leben erhalten muss, sondern Tausende Soloselbstständige, Tausende, kleine, mittelständische Unternehmen. Auch Arwed Fischer, ein Marburger Urgestein in der Veranstaltungsbranche, sorgt sich um die Zukunft seines Unternehmens, das seit mehr als 30 Jahren im Geschäft ist und von großen Tourneen bis zu kleinen und großen Firmenevents alles im Angebot hat.

Wie kann es weitergehen? Was erhoffen sich Kulturveranstalter und -dienstleister? Was erwarten sie von der Politik? Das sind Fragen, die am Montagabend diskutiert werden sollen. „Weitere Hilfsmaßnahmen sind zwingend erforderlich, um das Ökosystem Veranstaltungsbranche zu erhalten,“ meint etwa Ilona Jarabek, Präsidentin des EVVC Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren. Sie fürchtet: „Ohne die vielen Veranstalter, Locations und Dienstleister wird es professionelle, sichere und emotionale Veranstaltungen und Events zukünftig nicht mehr geben.“

OP-Talk im Live-Stream

„Mit unserem bereits erfolgreichen Format OP-Talk gehen wir ab Montag in eine neue Livestream-Reihe. Wir möchten in diesen Livestreams die Menschen informieren, wir wollen nachfragen und verschiedene Blickwinkel aufzeigen“, sagt OP-Geschäftsführerin Ileri Meier und kündigt weitere Online-Formate an: „Wir alle befinden uns zwar in derselben Krise, doch sie hat für jeden unterschiedliche Auswirkungen – und genau das müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. In schweren Zeiten ist der Zusammenhalt, das Verständnis füreinander, so wichtig. Wir beginnen in der „Night of Light“, um auf die prekäre Situation in der Veranstaltungs- und Eventtechnikbranche aufmerksam zu machen. Auch bei den weiteren geplanten Themen ist uns die Live-Interaktion mit den Menschen da draußen sehr wichtig. Wir wollen wissen, was sie denken – und das sollen sie auch mitteilen können.“

Den OP-Talk sehen Sie am Montag, 22. Juni, ab 20 Uhr im Live-Stream auf der Homepage der Oberhessischen Presse www.op-marburg.de/live und auf dem Facebook-Kanal der OP. 

Von Uwe Badouin

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