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Marburg Wie reduziert man seine Online-Zeit?
Marburg Wie reduziert man seine Online-Zeit?
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17:58 08.03.2021
Wie viel Zeit verbringen wir mit Smartphone und Tablet? Die evangelischen Kirchen in Deutschland plädieren in ihrer Fastenaktion für bewusstes Digitalsein.
Wie viel Zeit verbringen wir mit Smartphone und Tablet? Die evangelischen Kirchen in Deutschland plädieren in ihrer Fastenaktion für bewusstes Digitalsein. Quelle: Archivfoto
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Marburg

Die OP setzt heute (8. März) ihre Serie #klimafasten zur Fastenaktion der evangelischen Kirchen in Deutschland fort mit einem Betrag über „bewusstes Digitalsein“. Letzteres ist gar nicht so einfach in einer Zeit, in der der digitale Austausch von Ideen, Informationen und Privatem aufgrund technischer Neuerungen zunimmt und durch die Corona-Pandemie zusätzlich beschleunigt wird.

Zu nennen wär hier etwa der Online-Unterricht an Schulen, der von Schule zu Schule sehr unterschiedlich erfolgreich gehandhabt wird. Kritisiert wird oft, dass Deutschlands Schulen darauf eher schlecht vorbereitet sind. Mal fehlt die Hardware, mal sind es überlastete Netze mit miserablen Datenübertragungsraten.

Ständige Erreichbarkeit

Ein Smartphone hat heute fast jeder. Im Grunde sind es tragbare Computer mit einer Telefonfunktion, die fast nebensächlich ist angesichts der Möglichkeiten, die ein Handy bietet: Messenger wie WhatsApp, Dienste wie Youtube, Instagram, facebook, Google oder Bing sind permanent greifbar und buhlen um jede Minute des Tages.

Die Folge: Wer nicht online ist, ist out. Ständige Erreichbarkeit, ständiges Reagieren, ständiges Suchen. All das wird heute selbst und gerade in Jugendcliquen erwartet, die früher – lang ist’s her – nachmittags vielleicht einfach nur ein bisschen herumgebolzt oder zusammengesessen und geplaudert haben. Trifft man heute eine Gruppe Jugendlicher, haben viele ihr Smartphone in der Hand.

Kontakte werden Online gepflegt

Corona verlängert die Online-Zeit massiv. Treffen unter Freunden sind kaum möglich, Schulen und Universitäten sind weitgehend zu. Also hält man online Kontakt – über Zoom, Microsoft Teams, über Messenger. Und abends sitzt man vor der Glotze. Lineares TV nutzen Jugendliche aber kaum noch – und auch Erwachsene steigen um auf Streamingdienste. Auch das ist eigentlich Online-Zeit. Und da viele Berufstätige ebenfalls im Homeoffice oder im Büro am Computer sitzen und arbeiten, gibt es fast gar keine Offline-Zeit mehr.

Doch wie viel Zeit verbringen wir tatsächlich online? Das österreichische Internet-Portal „Futurezone“, eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, meint: „Die Zeit, die du im Internet verbringst, ist definitiv zu viel“. Weltweit verbringt jeder User im Schnitt täglich 6 Stunden und 42 Minuten online – die Hälfte davon mit dem Smartphone. Das macht – nicht erschrecken: jedes Jahr 100 Tage im Netz. In Deutschland sind die Zahlen etwas niedriger – es sind „nur“ 4 Stunden und 37 Minuten täglich.

Internetnutzung produziert CO2-Ausstoß

Die Internetnutzung hat ganz nebenbei auch erhebliche Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß, denn sie verbraucht Energie. Viel Energie. 30 Minuten Video-Streamen setzt in etwa soviel CO2 frei wie eine sechs Kilometer lange Autofahrt. Laut einer Studie verbrauchte das Video-Streamen 2018 weltweit so viel Strom wie Polen, Italien und Deutschland zusammen verbraucht haben.

Ähnliche Zahlen kommen für das Internet zustande, denn die großen Internet-Konzerne betreiben rund um die Uhr gigantische Rechenmaschinen und Serverfarmen für Such- und Speicherfunktionen. Die verschlingen Strom. Greenpeace hat es einmal vorgerechnet: Wäre die digitale Welt ein Land, dann würde sie beim Stromverbrauch mit einem Anteil von acht bis zehn Prozent an sechster Stelle stehen.

Der Suchtfaktor

Diese Woche geht es also um bewusstes Digitalsein. Jeder kann mitmachen und sehen, wie schwer digitale Enthaltsamkeit ist, denn ein Smartphone hat einen enormen Suchtfaktor.

Von Uwe Badouin