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Marburg Dreifach-Sieg für Jürgen Schmittdiel
Marburg Dreifach-Sieg für Jürgen Schmittdiel
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14:34 15.02.2022
Platz 1, Faszinierende Tierwelten: „Schneckenhochzeit“.
Platz 1, Faszinierende Tierwelten: „Schneckenhochzeit“. Quelle: Jürgen Schmittdiel
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Marburg

Wie in einem Heldenepos ringt Helix Pomatia mit einem Artgenossen, die Zeit steht still, die Welt um sie herum verschwimmt. Ein dramatischer Moment. Ein Kampf? Wohl kaum. Der Titel zu Jürgen Schmittdiels Siegerfoto klärt alle auf, die sich mit Schnecken weniger gut auskennen.

Gewinner Jürgen Schmittdiel. Quelle: Jürgen Schmittdiel

Zum Ersten …

Platz 1, Faszinierende Tierwelten: „Schneckenhochzeit“. Quelle: Jürgen Schmittdiel

Es war eine „Schneckenhochzeit“, die dem Neustädter Hobbyfotografen zu seinem Sieg beim Blende-Wettbewerb verhalf. Das Liebesspiel der beiden Kriechtiere hielt er mit seiner Leica CL, mit 60 mm Brennweite und einem Makroobjektiv 2.8 fest. „Meine Frau rief mich von einem Spaziergang aus an, weil sie einen Weg bei Neustadt entdeckt hatte, auf dem ganz viele Weinbergschnecken unterwegs waren. Alle 20 Zentimeter saßen welche – da konnte ich dann natürlich super fotografieren.“

Zum Zweiten …

 Platz 3, Faszinierende Tierwelten: „Vierflecklibelle“. Quelle: Jürgen Schmittdiel

Und auch sonst ist der 55-Jährige gerne in der Natur auf Motivsuche. „In der letzten Zeit noch mehr, weil große Reisen ja pandemiebedingt ausfallen mussten. Ich war so einfach wieder mehr in der direkten Umgebung unterwegs, habe mich den kleinen Dingen gewidmet“, verrät Schmittdiel. Wie auch der Libelle, ebenfalls eine Makroaufnahme, diesmal zusätzlich mit einer Vorsatzlinse, um noch mehr Details zeigen zu können. „Libellen sollte man abends oder früh morgens, wenn es noch ein bisschen kälter ist, fotografieren. Dann befinden sie sich noch in einer Art Starre und sitzen länger ruhig“, rät der Hobby-Fotograf. „Viele Libellen gibt es bei Loshausen im Naturschutzgebiet oder auch an den Borkener Seen.“ Dort konnte er auch die „Vierflecklibelle“ – Gewinnerbild Nummer 2 – ablichten.

Und zum Dritten …

Platz 3, Licht und Schatten: „Sonnenstrahlen im Morgennebel“. Quelle: Jürgen Schmittdiel

Bleibt noch ein letztes Foto: „Sonnenstrahlen im Morgennebel“ schaffte es in der Kategorie „Licht und Schatten“ aufs Siegertreppchen und belegt den dritten Platz. „Ich war mit meiner Frau auf dem Weg nach Düsseldorf. Im Kirchhainer Becken sahen wir schon, dass sich Nebel gebildet hatte, aber gleichzeitig die Sonne kräftig schien“, erinnert sich der Neustädter. So musste Düsseldorf noch ein, zwei Stunden warten, denn den passionierten Hobbyfotografen zog es an den Spiegelslustturm. „Ich wollte die Gelegenheit nutzen und versuchen, endlich mal eine Aufnahme vom Marburger Schloss zu machen, wenn es aus dem Nebel ragt.“ Als das Paar die Anhöhe erreichte, war vom Marburger Schloss nichts zu sehen. Zum Glück: Denn jetzt war das Nebelfeld auf genau der gleichen Höhe wie die Bäume am Spiegelslustturm. „Dann schaffte die Sonne es, durchzudringen“, beschreibt Schmittdiel den Moment, in dem er das akzentuierte Strahlenspiel festhalten konnte. „Und ich hab’ das live gesehen und konnte den Moment genauso zeigen, ganz ohne stundenlanges Bearbeiten im Nachhinein.“ Das haben alle Aufnahmen Schmittdiels gemein. „Ich finde, wenn man ein Bild mithilfe von Software komplett verändert, liegt die Kunst nicht mehr im Fotografieren, sondern in der Bearbeitung selbst. Das ist einfach etwas ganz anderes.“ Dementsprechend wenig macht er dann auch mit seinen Aufnahmen. „Ich selbst mag dieses Überzeichnen einfach nicht. Ich möchte meinen Bildern ihre Natürlichkeit erhalten.“ Aber ganz ohne Bearbeitung geht es auch nicht. „Das liegt auch daran, dass ich mit dem RAW-Format arbeite. Wer im JPG-Format fotografiert, hat die Bildbearbeitung bereits inklusive, das ist wie ein fertig entwickeltes Bild bei der analogen Fotografie. Die Rohdaten allerdings kommen dem Negativbild von damals gleich – die müssen erst noch entwickelt werden. Und das mache ich in der Form, dass ich meinen Eindruck von der Wirklichkeit versuche, so genau wie möglich wiederzugeben.“

Gewonnen!

Mit diesem Rezept kommt er gut an. Auch bei der Jury des Blende-Wettbewerbes, denn mit dem aktuellen Sieg setzt er eine Reihe seit dem Jahr 2018 fort. Zum vierten Mal in Folge hat er mit seiner Kunst überzeugt. „Oft werde ich überrascht davon, wie gut ein Bild wirklich ankommt. Ich hoffe einfach, mein Hochgefühl in dem Moment, wenn ich ein wirklich tolles Foto mache, auch an den Betrachter weiterzugeben“, erklärt er. Und das hat er geschafft – gleich dreimal.

Hier geht's zu allen Gewinnerfotos des Blende-Fotowettbewerbs

Von Katharina Stenner

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