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Marburg Mehr Wohnraum und mehr Geld für Schulen
Marburg Mehr Wohnraum und mehr Geld für Schulen
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09:25 11.01.2021
Amtsinhaber Dr. Thomas Spies warb bei der Mitgliedervollversammlung in Marburg um Vertrauen.
Amtsinhaber Dr. Thomas Spies warb bei der Mitgliedervollversammlung in Marburg um Vertrauen. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Die Kulisse war anders als in normalen Zeiten, das Ergebnis am Ende aber wiederum ganz wie erwartet. Marburgs SPD steht hinter Amtsinhaber Dr. Thomas Spies und nominierte ihn mit 96 Prozent der Stimmen erneut zum Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 14. März nächsten Jahres. Spies bekam bei der Mitgliedervollversammlung 47 der 49 abgegebenen Stimmen. Alles spielte sich im Kino 4 des Cineplex nach einem straffen Hygienekonzept ab – und im Netz. Die Versammlung wurde per Livestream übertragen.

Kern der zweistündigen Veranstaltung war Spies’ eigener Auftritt und der hatte einen klaren roten Faden: Inhaltlich überragte das breite Feld der Sozial- und Klimapolitik, verbal war es der Satz: „Das genügt mir nicht, ich hab noch viel vor.“ Die Hinführung zu Spies’ eigenem Auftritt hatten die beiden Sitzungsleiter Thorsten Büchner und Anna-Lena Stenzel übernommen. Zehn Minuten lang referierten sie aus ihrer Sicht Spies’ Leistungen der vergangenen Jahre. Sie begründeten den Vorschlag des Parteivorstandes, den Amtsinhaber erneut zu nominieren.

Keine Attacken auf andere Kandidaten

Sozialpolitik ist für Spies im Falle seiner Wiederwahl im nächsten Jahr vor allem auch Wohnungsbau. Die Schaffung neuen Wohnraumes sieht er als die „größte soziale Frage unserer Zeit“. Sein erklärtes Ziel für die nächsten Jahre: weitere rund 3 000 neue Wohnungen in Marburg bauen. Ganz wichtiges Kriterium ist dabei für Spies in Zukunft der Grundsatz, neue größere Wohngebiete nur noch zu entwickeln, wenn der Boden dafür der Stadt, der Gewobau oder SEG gehört. „Nur so können wir sicherstellen, dass tatsächlich auch preiswerte Angebote entstehen“, so die Begründung von Spies. Er wolle einen Teil der Rücklage der Stadt in Boden investieren.

Stichwort Klimaschutz: Bei diesem Punkt blieb Spies im Wesentlichen bei dem, was bereits eingeleitet ist, den Klimaaktionsplan 2030. Zentraler Baustein sei dabei die energetische Sanierung, wobei Modernisierung möglichst immer warmmietenneutral zu sein habe. „Klimaschutz geht auch nur, wenn Menschen sich ihn leisten können“, so sein Credo.

Ein weiterer zentraler Punkt der Rede: Spies will weiter in Schulstandorte investieren. Das 30-Millionen-Euro-Programm ist aus seiner Sicht weitgehend abgearbeitet, jetzt sollen in den nächsten 5 Jahren weitere 40 Millionen Euro ausgegeben werden, unter anderem an der Elisabethschule, in Wehrda, Cappel, am Richtsberg oder bei der Mosaikschule. Sie alle nannte Spies exemplarisch. Gute Schulkonzepte bräuchten Raum, den die Stadt geben wolle, so der Tenor bei diesem Punkt. Bei der allgemeinen Sozialpolitik verwies Spies darauf, dass Marburg etwa drei Mal so viel Geld für soziale Infrastruktur ausgebe wie vergleichbare Städte. Das Ende der Fahnenstange sieht Spies da noch nicht erreicht und nannte weitere Projekte wie etwa das neue Gesundheitszentrum im Waldtal. Er wolle ein einzigartiges Modell schaffen, bei dem Medizin und soziale Arbeit zusammenwirken. Ziel: Arme Menschen sollen nicht nur genauso gut leben wie alle anderen, sondern auch so genauso lange leben können wie alle anderen.

Emotionen und Würdigungen

An zwei Stellen war der erfahrene Redner Spies am Samstag merklich emotional: Als er die Unterstützung seiner Frau Lorita heraushob und als er die Folgen von Altersarmut beschrieb, gegen die es zu arbeiten gelte.

Eines fehlte in Spies’ Rede völlig: Er verzichtete auf jede Spitze oder gar Angriff gegen Mitbewerber um das Oberbürgermeisteramt.

Führende Genossen im Kreis würdigten Spies nach seiner Rede. Landrätin Kirsten Fründt würdigte das Zusammenspiel von Kreis und Stadt Marburg, Unterbezirksvorsitzender Sören Bartol unter anderem Spies’ soziales Engagement und seine Offenheit und sein Eintreten gegen die Privatisierung des Marburger Uniklinikums schon als Landtagsabgeordneter.

von Michael Rinde

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