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Marburg Neun Kandidaten und ihre plakativen Botschaften
Marburg Neun Kandidaten und ihre plakativen Botschaften
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16:00 08.02.2021
Eine gemeinsame Wand mit Plakaten der Parteien zur Oberbürgermeisterwahl in Marburg am Südbahnhof.
Eine gemeinsame Wand mit Plakaten der Parteien zur Oberbürgermeisterwahl in Marburg am Südbahnhof. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Eine Kommunalwahl kombiniert mit einer Oberbürgermeisterwahl am selben Tag, und öffentliche Wahlveranstaltungen wie auch Podiumsdiskussionen fallen wegen der Corona-Einschränkungen weitestgehend flach. Für Parteistrategen ist das zunächst eine Art „Worst-Case-Szenario“. Neben der unweigerlichen Abwanderung des Wahlkampfs in die einzelnen „politischen Blasen“ im Netz kommt plötzlich den guten alten und fast längst vergessen geglaubten Wahlplakaten eine völlig neue Bedeutung zu. Und auf den gemeinsamen Plakatwänden kann man auf einen Blick die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Polit-Präsentation erkennen.

Seit einigen Tagen sind die Plakatwände nun im Stadtbild präsent. Die OP hat verglichen, wie unterschiedlich sich die neun Parteien und Gruppierungen darstellen, die eigene OB-Kandidaten ins Rennen schicken. Interessant schon einmal: Die beiden oberen Drittel belegen die bereits im Stadtparlament vertretenen Parteien, das untere Drittel ist das Newcomer-Terrain.

Der Reihe nach

Ganz links oben darf Amtsinhaber Dr. Thomas Spies von der SPD zwei Plakatplätze belegen. Er schaut auf Plakat Nummer 1 vor einem nicht näher bestimmbaren Natur-Hintergrund mit breitem Lächeln in die Kamera, verbunden mit dem Slogan „Marburg wirkt!“ und dem im Gegensatz zu den Herausforderern am größten geschriebenen Namen und der Unterschrift „Ihr Oberbürgermeister“.

Ebenso freundlich blickt Dirk Bamberger. Sein Slogan ist noch personenzentrierter und lautet schlicht und einfach „besser. Bamberger“. Zudem erkennt man die Aufschrift „Die Marburg-Partei CDU“. Bamberger steht augenscheinlich vor der Stadthalle und zeigt im Ansatz eine Art Merkel-Raute.

Mitbewerberin Nadine Bernshausen schaut mit leicht ineinander verschränkten Händen ebenfalls sehr fröhlich – vor einem einfarbigen Hintergrund. Ihr Name ist gewissermaßen die wichtigste Botschaft. „Nadine Bernshausen. Oberbürgermeisterin für Marburg“ ist zu lesen, und der Name taucht zudem noch zweimal auf dem Bild auf.

Demgegenüber wirbt Renate Bastian (Marburger Linke) ebenfalls freundlich lächelnd mit dem Slogan „Oberbürgermeisterin für ein sozial-ökologisches Marburg“ und hat als Bild-Hintergrund die Silhouette der Elisabethkirche für sich gewählt.

Völlig aus dem Rahmen fällt im Gegensatz zu seinen Konkurrenten FDP-Kandidat Michael Selinka: Er ist von Kopf bis zu den mit Turnschuhen versehenen Füßen zu sehen und trägt ein Skateboard sowie eine „Lehrer“-Aktentasche. Dazu kommt der Slogan „Michael Selinka. Marburg 2.0. Was wirklich zählt“.

Die Arme in Macherpose verschränkt: So präsentiert sich Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg). Ihr Slogan lautet „Damit aus Rathaus Tathaus wird“, verbunden mit einem roten Wahlkreuz.

„Vorwärts in die Zukunft“: So lautet der Slogan von Jounes Erojo (Marburg 24). Der OB-Kandidat mit dem markanten Rastazopf-Bart hat wohl das modisch mutigste Outfit mit seinem knallgelben Hemd vorzuweisen und blickt leicht fragend nach links oben aus dem Bild heraus in eine (ungewisse?) Zukunft. Auffälligerweise trägt er als einziger aller männlichen OB-Bewerber eine Krawatte.

Retro-Look ist bei Dr. Frank Michler, dem Kandidat der „Bürgerliste Weiterdenken“ angesagt, denn er präsentiert sich auf einem Schwarz-Weiß-Foto. In puncto Lächeln steht er aber dem Gros der anderen Bewerber nicht nach. Seine Kernbotschaften lauten: „Lockdown beenden! Freie Impfentscheidung!“

Ganz auf ein Foto ihrer Marburger OB-Kandidatin Mariele Diehl hat schließlich die Klimaliste verzichtet. Stattdessen sehen wir ein Foto, das augenscheinlich zwei Menschen bei der Gartenarbeit an einem Beet zeigt. Dazu passt der Slogan „Klimaschutz beginnt vor Deiner Tür“.

Trend geht zum Zweitplakat

Bamberger, Bernshausen und Suntheim-Pichler greifen beim zweiten Plakat-Platz auf genau dasselbe Motiv zurück, und die Klimaliste schöpft nur einen Plakat-Platz aus. Bei allen anderen geht der Trend zum Zweitplakat und das wird jeweils für Themenplakate genutzt. So stellt OB Spies „3000 bezahlbare Wohnungen“ als besondere Leistung der Marburger SPD heraus, Renate Bastian fordert „Stadt und Land nazifrei. Macht was für Zusammenhalt“ und Michael Selinka setzt auf „Neue Ideen statt Verbote“. Das Themenplakat von „Marburg 24“ zeigt zwei überdimensionale Hände in gelb und blau, die sich anfassen.

Und die „Bürgerliste Weiterdenken“ kombiniert den Slogan „Kinder brauchen Freunde. Lockdown beenden!“ mit dem Foto eines im Zug sitzenden Mädchens, das eine ebenso wie sie „maskierte“ Puppe im Arm hält.

Ob und was die Plakate der Parteien zur politischen Willensbildung und deren Wahlergebnissen beitragen, wird sich wohl auch am Wahltag nicht klären lassen. Bis dahin werden sie aber im Marburger Straßenbild präsent sein.

Von Manfred Hitzeroth