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Marburg Flüchtlingsfamilien getrennt untergebracht
Marburg Flüchtlingsfamilien getrennt untergebracht
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17:59 25.03.2022
Vergangene Woche erreichten Geflüchtete aus der Ukraine die Marburger Notunterkunft am Georg-Gaßmann-Stadion.
Vergangene Woche erreichten Geflüchtete aus der Ukraine die Marburger Notunterkunft am Georg-Gaßmann-Stadion. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Seit gut einer Woche leben Geflüchtete aus der Ukraine in den drei Notunterkünften in Marburg, Dautphetal und Cölbe. Seit vergangener Woche Mittwoch treffen dort Menschen ein, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, aber nicht bei Verwandten oder andernorts unterkommen können.

Für die Verteilung der zugewiesenen Geflüchteten ist die Erstaufnahmeeinrichtung von Hessen (EAEH) zuständig, die an das Regierungspräsidium (RP) Gießen angegliedert ist. Wie die Behörde auf OP-Nachfrage mitteilt, sind derzeit (Stand Donnerstag) 446 ukrainische Geflüchtete in den drei Notunterkünften von Marburg-Biedenkopf untergebracht. Davon 231 am Marburger Georg-Gaßmann-Stadion, 142 in der Hinterlandhalle Dautphetal und 73 in der Sporthalle in Cölbe.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass es am ersten Aufnahmetag zu Fehlern bei der Zuweisung der ersten Geflüchteten kam, die selber erst nach Marburg reisten, wo sie jedoch weiter nach Dautphetal verwiesen wurden (die OP berichtete). Die Ankunft und Unterbringung der Menschen erlebte einer der Helfenden in den ersten Tagen vor Ort mit und berichtet von teils chaotischen Zuständen. Die Person ist der Redaktion bekannt und möchte anonym bleiben.

Demnach sei es am ersten Tag bei der Ankunft von Geflüchteten, die abends in Bussen von Gießen nach Marburg gebracht wurden, zu Versäumnissen und vermeidbaren Fehlern gekommen, so die Kritik. Darunter Probleme bei der Registrierung und dem Abgleich der Namenslisten, so dass Angehörige nicht einander zugeordnet wurden. In Konsequenz seien einige geflüchtete Familien getrennt und in verschiedenen, voneinander abgegrenzten Hallenbereichen untergebracht worden.

Zudem sei es vorgekommen, dass mindestens eine Gruppe Geflüchteter vor der Abfahrt in Gießen nicht auf Corona getestet wurde. Dies sei erst in Marburg geschehen – jene Menschen, bei denen der Test positiv ausfiel, wurden mit dem Bus wieder zurückgeschickt. Generell sei der Austausch zwischen Behörden und Verantwortlichen nicht eben reibungslos abgelaufen, so dass neue Bustransporte teils nur mit sehr geringer Vorlaufzeit angekündigt wurden.

RP sieht einzelne Fehler

Zu der Kritik nimmt das zuständige RP Gießen Stellung, das Ablauf und Koordination bei der Unterbringung von Geflüchteten erklärt. Demnach laufe die Information der Notunterkünfte (abgekürzt NUK) wie bei allen regulären Zuweisungen koordiniert ab, „im Idealfall“ werde ein Bustransport mit einer Vorlaufzeit von 24 Stunden angekündigt.

Zudem sei klar geregelt, dass alle ankommenden Geflüchteten unabhängig ihrer Nationalität mehrmals während des Aufenthalts in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen auf Corona getestet werden: Einmal direkt bei Ankunft, ein zweites Mal bevor sie einen neuen Standort, etwa eine Außenstelle oder eine Notunterkunft, beziehen. Außerdem erfolge, unmittelbar bevor sie in die Kommunen zugewiesen werden, ein erneuter Test. Dass Personen später wieder zurückgeschickt werden, könne vorkommen: „Es kann passieren, dass die Testung vor Eintritt in die EAEH negativ war und die Folgetestung unmittelbar vor Eintritt in die NUK positiv. In diesem Fall werden die Personen direkt wieder nach Gießen zurückgebracht, um die Ressourcen der NUK zu schonen“, so das RP.

Zu dem Vorwurf, dass Familien teils getrennt wurden, teilt die Behörde mit, dass dies „im Einzelfall“ vorgekommen ist und benennt zwei Gründe: Einerseits eine „extrem hohe Anzahl von Geflüchteten, die aufgenommen werden müsse – um die Wartezeiten halbwegs gering zu halten, müssen die Kolleginnen und Kollegen sehr schnell arbeiten, was zu Fehlern führen kann“.

Andererseits versuchten gerade Familien die Wartezeit zu verkürzen, „indem sie sich aufteilen und sich getrennt bei zwei Registrierungsstellen registrieren lassen und dann vergessen anzugeben, dass der andere Teil der Familie bei der anderen Stelle schon registriert ist, oder gerade registriert wird“, heißt es aus der Pressestelle. Damit dies nicht mehr vorkommt, werde per Aushang in russischer und ukrainischer Sprache darauf hingewiesen, dass die Registrierung im Familienverband erfolgen sollte.

Von Ina Tannert