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Marburg Notunterkünfte bieten Platz für tausend Menschen
Marburg Notunterkünfte bieten Platz für tausend Menschen
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20:17 11.03.2022
Die Aufbauarbeiten für die Notunterkünfte für bis 1 000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine begannen im Landkreis Marburg-Biedenkopf am Freitagmorgen, hier in der Hinterlandhalle in Dautphe.
Die Aufbauarbeiten für die Notunterkünfte für bis 1 000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine begannen im Landkreis Marburg-Biedenkopf am Freitagmorgen, hier in der Hinterlandhalle in Dautphe.
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Dautphe

Der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich hatte es sich nicht nehmen lassen, am Freitag in der Frühe eine kleine Tour zu unternehmen, um den Mitgliedern des Katastrophenschutzes persönlich zu danken, dass sie es kurzfristig möglich machen, dass an drei Standorten im Landkreis Notunterkünfte für Menschen entstehen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflohen sind. Die Vorgabe hatte es schon in sich. Es galt, Platz für tausend Menschen zu schaffen.

Ausgesucht wurden dazu die Hinterlandhalle in Dautphetal, die Großsporthalle am Marburger Georg-Gaßmann-Stadion, die Halle der Kaufmännischen Schulen und die Sporthalle in Cölbe. Mehr als 500 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus dem ganzen Landkreis packen am Freitag und Samstag an, um den Auftrag des Landes zu erfüllen. Eingebunden sind die Katastrophenschutz-Löschzüge der Kommunen, das Technische Hilfswerk (THW) aus Marburg und Biedenkopf, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit den beiden Sanitäts- und Betreuungszügen, die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie die Technische Einsatzleitung und der Katastrophenschutz-Stab des Kreises. Der Kreisbrandinspektor begrüßte die Helfer in Dautphe mit einem lockeren „Hallo, ihr Roten, Weißen und Blauen.“

Angenehme Zwischenstation bieten

Er freute sich sehr, dass er sich wieder auf diese Männer und Frauen verlassen konnte. Dabei geht es keineswegs nur darum, Feldbetten aufzustellen. Ganz im Gegenteil. Es wird ganz bewusst mehr Aufwand betrieben, um den vor Krieg geflohenen Menschen, die nicht sofort eine Unterkunft finden, eine angenehme Zwischenstation zu bieten. Deshalb werden in den Hallen, die noch einmal mit einem Boden ausgelegt wurde, Zelte gestellt, die etwas Abstand zu den nächsten garantieren und eine gewisse Privatsphäre möglich machen. Die sanitären Anlagen der Hallen werden ergänzt durch zusätzliche Toiletten- und Dusch-Container. In zusätzlichen vor den Hallen aufgebauten Zelten wurden Extra-Räume etwa für eine geregelte und ordentliche Essensausgabe geschaffen. Auch an Platz zum Spielen für die Kinder wurde gedacht. Neben Grundausstattungen für den täglichen Bedarf sollen auch ausreichend Steckdosen vorhanden sein, damit Handys geladen werden können und die Menschen so Kontakt zu Angehörigen und Freunden halten können. Dazu soll auch freies WLAN eingerichtet werden.

Unbürokratische Hilfe

„Mein Dank gilt all den Helferinnen und Helfern, sei es ehrenamtlich oder hauptamtlich, die sich momentan selbstlos engagieren, um diese humanitäre Katastrophe zu lindern. Mit ihrem Einsatz tragen sie maßgeblich dazu bei, den geflüchteten Menschen aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf anzubieten, wo sie in der nächsten Zeit versorgt werden und durchatmen können“, sagt Ullrich in Dautphe. Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf, stellte klar, dass es wichtig sei, den Menschen, die jetzt hierherkommen, möglichst viel Normalität zu bieten. „Es ist unsere Aufgabe, sie ordentlich unterzubringen.“ Ullrich unterstützte dies. „Wir sehen in Gießen jeden Tag mehrere Hundert Menschen ankommen. Da ist es einfach unmöglich, allen sofort eine Wohnung vermitteln zu können. Deshalb brauchen wir diese Notunterkünfte.“ In Anbetracht der Kriegslage in der Ukraine geht Ullrich davon aus, dass sie länger benötigt werden.

Bei einem Ortstermin an der Notunterkunft in Marburg machten sich Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten. Zachow dankte dem Oberbürgermeister für die schnelle und unbürokratische Zusammenarbeit. „Die Universitätsstadt hat hier in den vergangenen zwei Wochen bereits mit ihren Hilfsangeboten tolle Arbeit geleistet und vieles Gutes getan. Jetzt müssen wir gemeinsam die weiteren Hilfsmaßnahmen auf den Weg bringen“, sagte Zachow. Oberbürgermeister Dr. Spies machte auf das Engagement ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer sowie Initiativen in der Stadt aufmerksam. „Die engagierten Menschen sind eine wichtige Säule der Hilfe und ein Zeichen gelebter Solidarität“, so Dr. Spies. Es werde deutlich, was geleistet werden könne, wenn verschiedene gesellschaftliche Akteure gemeinsam aktiv werden.

Aus dem Ruhestand in die Organisation

Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt gab die Marschrichtung vor. Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass die Kommunen kooperieren und sich wie Dautphetal offen zeigen und die Flüchtlinge willkommen heißen.

„Wir wollen ihnen hier schnell wieder ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.“ Während Timo Simmer, Abschnittsleiter beim Roten Kreuz, sich in der Hinterlandhalle um den Aufbau kümmerte, bereiteten sich Hans-Jörg Wagner und Jochen Koenemann darauf vor, die Einrichtung dann anschließend zu leiten. Koenemann ist eigentlich schon im Ruhestand, doch gilt er seit dem Flüchtlingsstrom 2015 als Experte in der Organisation. Als er vom Landkreis angefragt wurde, musste er nicht zweimal nachdenken, sondern stellte sich sofort zur Verfügung

Ein Einsatzbefehl ohne Zeitangabe

Hintergrund des Einsatzbefehls ist der anhaltende Zustrom von Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine flüchten. Durch die Notunterkünfte, die jetzt unter anderem im Kreis Marburg-Biedenkopf eingerichtet werden, soll die Aufnahmekapazität der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen kurzfristig erweitert werden.

Die Notunterkünfte sollen für die Geflüchteten eine vorübergehende Zwischenstation für wenige Tage sein. Von dort soll dann eine feste Unterbringung erfolgen. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow hofft, dass sich die Notunterkünfte zu einer „Drehscheibe“ entwickeln und niemand länger als fünf bis zehn Tage dort verbringen muss. „Ziel ist es, den Menschen für die Zeit, die sie in einer Notunterkunft verbringen, Ruhe, ein Dach über dem Kopf, einen warmen und trockenen Platz zum Schlafen, Verpflegung sowie Wasch- und Sanitäreinrichtungen zu bieten“, sagte Kreisbrandinspektor Lars Schäfer.

Von Götz Schaub

11.03.2022
11.03.2022