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Marburg Arbeitsagentur vermittelt Saisonpersonal
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16:23 01.12.2019
In seinem „viele Jahrhunderte alten goldenen Buch“ schreibt der Nikolaus das ganze Jahr über auf, „was die Kinder so machen, was sie nicht machen – und was sie vielleicht hin und wieder besser ­machen könnten“, sagt der Nikolaus.  Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Wer einen Nikolaus für seine Familie, die Betriebsfeier oder den Verein sucht, kann seinen „persönlichen Nikolaus“ bei der Marburger Arbeitsagentur bestellen. Der Jobservice nimmt Anfragen von Familien, Kindergärten, Unternehmen, Schulen, Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen aus der Region ab sofort an und rät, sich möglichst bald zu melden.

Der wohl erfahrenste Nikolaus im Einsatz für die Arbeitsagentur hat in rund zwei Jahrzehnten, die er im Landkreis und darüber hinaus unterwegs ist, schon jede Menge erzählt. Genau das, so verrät er im OP-Gespräch, mache den Reiz seiner Tätigkeit aus.

„Man erlebt jedes Jahr neue Sachen – auf Weihnachtsmärkten, in Kliniken und Altenheimen“, sagt der Nikolaus. Zwar gebe es auch viele Begebenheiten, die sich wiederholten. „Aber wie Nikolaustag und Weihnachten sich jedes Jahr wiederholen, sind sie nie identisch – die Geschichte schreibt sich immer wieder neu.“

Riesen-Überraschung im Kindergarten

Ein besonderes Erlebnis für den rot gewandeten Mann war im vergangenen Jahr, „dass ich in einen Kindergarten kam, wo weder die Kinder noch die Erzieherinnen wussten, dass ich komme“. Normalerweise seien zumindest Letztere im Boot – doch in diesem Fall sei es ­eine Oma gewesen, die den Nikolaus engagiert hatte.

„Sie hat dem Kindergarten eine Riesen-Überraschung bereitet, für jedes der 120 Kinder ein kleines Geschenk besorgt und diese alle verpackt – niemand außer der Oma wusste, dass ich komme.“ Mehrfach hatte der Nikolaus im Vorfeld geschaut, wo er sich denn etwa umziehen könne – „an einem Tag stand eine Garage offen, am nächsten war sie zu“.

Es blieb ein Fahrradschuppen übrig, und bepackt mit drei Säcken kam der Nikolaus zu den Kindern, überraschte sie bei der Erzählstunde. „Das war ein wunderschönes Erlebnis, das hat mich tief berührt“, erinnert er sich. Begebenheiten wie diese seien es, die ihn seit gut zwei Jahrzehnten antreiben. Denn: Halbe Sachen gibt es für ihn nicht. „Sylvester Stallone hat einmal in einem Interview gesagt: Wenn er einen Rocky-Film dreht, dann ist er Rocky – nicht nur während der Dreharbeiten, sondern auch in seiner Freizeit. Das ist auch bei mir so – ich kann das Nikolaus-Sein im Dezember auch nicht ablegen.“

Für ihn steht fest: „Wenn ich unterwegs bin dann weiß ich, ich mache jetzt etwas richtig Gutes. Ich erfreue Menschen – Kinder wie Erwachsene – die den ganz speziellen Zauber des Nikolauses erleben.“

Mit Würde Freude bereiten

Das Geld, das spiele für ihn dabei nur eine winzige Rolle, „das ist mir nicht wichtig“. Für ihn gilt: „Wenn ich in einen Raum komme, dann liegt Magie in der Luft.“ Dann sei es egal, ob die Besuchten 10 oder 70 Jahre alt sind, „für ein paar Minuten glauben alle an den Nikolaus und bekommen Kinderaugen“.

Auch der Besuch in Altenheimen sei für ihn immer etwas Besonderes. „Wenn ich das Zimmer eines Bettlägrigen betrete habe ich schon oft erlebt, dass sich die Menschen bekreuzigen – das ist fast ein heiliger Moment.“ Dann gelte es für ihn, mit Würde Freude zu bereiten „und ihnen noch einmal das Kind zurückzugeben“.

Der Nikolaus hat mittlerweile sehr viele Stammkunden. Bei einigen Familien hat er die Kinder besucht, „und jetzt dann deren Kinder. Da gehöre ich beinahe zur Familie“, scherzt er. Im vergangenen Jahr hatte er rund 60 Einsätze, „damit kommt der Nikolaus auch an seine Grenze“. Selbst feiert er übrigens nicht Weihnachten, „ich bin nur unterwegs: An Heiligabend habe ich den ersten Termin um 10 Uhr morgens und den letzten um 11 Uhr abends – in Baunatal“. Das sei eine Ausnahme – und natürlich Stammkundschaft, „die mich früher vor zehn, zwölf Jahren schon hier in Marburg gebucht hat“.

Ist es nicht traurig, Weihnachten nicht zu Hause zu feiern? „Nein, so, wie es ist, ist es für mich das perfekte Weihnachten. Schöner könnte ich es nicht haben.“

  •  Wer einen Nikolaus über die Arbeitsagentur buchen möchte, kann dies beim Jobservice unter Telefon 0 64 21 / 60 51 90, E-Mail: marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de tun. Den Ablauf des Besuchs sprechen die Nikoläuse im Vorfeld mit den Kunden ab. Das Repertoire ist vielfältig. Es lohnt daher, sich schon vorher Gedanken zu machen, ob zum Beispiel ein Gedicht vorgetragen, ein Lied gesungen werden soll, kleine „Sünden“ gerügt oder einfach nur Geschenke verteilt werden sollen. Das Honorar für einen Auftritt des „bärtigen Gesellen“ geht bei 35 Euro los. Die Arbeitsagentur rät, frühzeitig zu buchen.

von Andreas Schmidt