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Marburg Nicolas C. Lange will die Menschen berühren
Marburg Nicolas C. Lange will die Menschen berühren
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12:00 10.11.2021
Nicolas C. Lange am Klavier in seinem Wohnzimmer in Wehrda.
Nicolas C. Lange am Klavier in seinem Wohnzimmer in Wehrda. Quelle: Nadine Weigel
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Wehrda

Wenn Nicolas C. Lange an seinem weißen Piano sitzt, die Hände über die Tastatur streicht und zu singen beginnt, machen die Nachbarn schon mal extra die Fenster auf, um besser hören zu können. Kein Wunder: Die charismatische Stimme des 40-Jährigen ist schon etwas Besonderes.

Und das hat auch Mark Forster erkannt. Der Juror der beliebten Castingshow „The Voice of Germany“ haute vor knapp zwei Wochen bei den „blind auditions“ in allerletzter Sekunde für den Marburger auf den Buzzer – und sorgte damit nicht nur bei Nico für Erleichterung. „Ich hatte wirklich große Angst, dass sich keiner umdreht“, gibt Ehefrau Johanna zu. Sie war mit Sohn Julian (8) bei den „blind auditions“ in Berlin dabei und mindestens genauso aufgeregt wie ihr singender Gatte. Doch ihre Befürchtung, dass sich niemand für ihren Mann umdrehen würde, weil vielleicht die „Liedauswahl und die Mundharmonika nicht so der Fall der Jury sein könnten“, bewahrheitete sich nicht: Auch mit Lionel Ritchies „Stuck on you“ und Nicos dazugehörigem Mundharmonika-Einsatz klappte es. Millionen Fernsehzuschauer wurden Zeugen, wie der Familienvater aus Wehrda ins Team von Mark Forster aufgenommen wurde. Oder besser gesagt, in Forsters „Zoo“, wie die anderen Jurymitglieder um Sarah Connor, Nico Santos und Johannes Oerding gern zu sticheln belieben.

Aus diesem Zoo ziemlich verrückter Gestalten sticht Nico Lange in seinem maßgeschneiderten Sakko mit Einstecktuch und blankgeputzten Schuhen zumindest optisch ziemlich raus. Dass der 40-Jährige, der hauptberuflich „Head of Sales and Marketing“ bei Musik-Meyer in Marburg ist, einem der größten Musikinstrumente-Vertriebe Europas, nebenbei noch einen Laden für Maßbekleidung in Göttingen betreibt, war für die TV-Macher ein willkommenes Thema.

Nico selbst hätte nicht damit gerechnet, dass er mit seinem Äußeren für so einen Wirbel sorgt. „Aber witzig war es trotzdem, ich wurde zum Beispiel gefragt, ob ich Teilnehmer bin oder das ganze Ding manage“, sagt er lachend und krempelt die Ärmel seines Hemdes hoch. Jogginghose oder abgewetzte Jeans trägt der sympathische Sänger so gut wie nie – nicht mal, wenn er von der Arbeit kommt und sich am Klavier entspannen will.

Und das macht er fast jeden Abend, wie Ehefrau Johanna verrät. „Dabei kann ich einfach am besten runterkommen“, erkärt Nico und fügt lachend hinzu, dass er froh ist, dass weder seine Frau noch Sohnemann Julian von seinen Gesangseinlagen genervt sind. Dabei sind es vor allem die leisen, die bewegenden Töne, die sich Nico auf die Fahnen geschrieben hat. Er liebt Songs, die Inhalt transportieren. Er ist kein Rocker oder typischer Chart-Cover-Sänger, sondern will mit seiner Musik bewegen.

Er will die Herzen der Menschen berühren. Dazu gehört es auch, mit seiner Musik Trost zu spenden. Auch in ungewöhnlichen, schwierigen Situationen, denen sich vielleicht nicht jeder Sänger aussetzen würde: auf Beerdigungen zum Beispiel. Auch bei solch traurigen Anlässen hat Nico das Mikro in die Hand genommen und gesungen. „Für mich ein wichtiger Moment der Wertschätzung des Verstorbenen“, sagt er und beginnt in seinem Wohnzimmer Klavier zu spielen. Dafür, dass er erst vor drei Jahren mit dem Klavierspielen angefangen hat, klappt’s erstaunlich gut. „Ja, für meine Songs reichts“, gibt er augenzwinkernd zu.

Erfahrung ist eine riesige Bereicherung

Am Donnerstagabend (11. November) wird er aber zu einem anderen Musikinstrument greifen, wenn er wieder vor einem Millionen-TV-Publikum versuchen wird, sich in die nächste Runde zu singen. Es wird wieder die Mundharmonika sein – so viel darf er verraten. Welches Lied er singen muss, oder gar, ob er weiterkommen wird, darf er natürlich nicht preisgeben – auch wenn die Aufzeichnung der Show schon einige Wochen zurück liegt. „Aber dann wäre ja die Spannung weg.“

Für Nico ist die Erfahrung „The Voice“ bereits jetzt schon eine riesige Bereicherung. „Wildfremde Leute schreiben mir, dass ihnen meine Musik gefällt, und alte Kumpels melden sich wieder, das ist super“, freut er sich und verrät, dass „The Voice“ auch Motivationsschub ist, mehr Musik zu machen: „Mein Ziel ist auf jeden Fall, ein paar Musiker um mich herum zu scharen und auch in Marburg mal wieder etwas zu machen – wenn es denn die Leute hören wollen“, sagt er lächelnd.

Sie wollen. Für das große Weihnachtssingen am 4. Dezember im Georg-Gaßmann-Stadion ist Nico bereits angefragt worden – und er verrät schonmal vorab: „Ich komme und ich freu mich drauf.“

The Voice of Germany läuft donnerstags um 20.15 Uhr auf ProSieben und sonntags um 20.15 Uhr in SAT.1.

Von Nadine Weigel

10.11.2021
09.11.2021