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Marburg „Neustart“ hilft der Waggonhalle
Marburg „Neustart“ hilft der Waggonhalle
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11:58 31.03.2021
Jean Kleeb beim Livestream in der Waggonhalle.
Jean Kleeb beim Livestream in der Waggonhalle. Quelle: Gerd Sycha
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Marburg

Das BKM habe über den Bundesverband Soziokultur so auch der Waggonhalle entscheidend geholfen, teilte das Marburger Kulturzentrum mit, das – abgesehen von kurzen Unterbrechungen – seit über einem Jahr im Corona-Lockdown ist.

„Seit einem Jahr – bis auf wenige Monate – findet das kulturelle Leben der Waggonhalle online statt. Es gibt Live-Streams von Konzerten etwa von Jean Kleeb. Für Facebook, YouTube, Instagram und TikTok werden Beiträge gedreht, etwa von den ,Brewster Sisters‘, den alten Damen unserer Theaterproduktion ,Arsen und Spitzenhäubchen‘, die seit Corona nicht mehr gezeigt werden kann. Mit dem ,Kultur Waggon‘ wurde ein Online-Format entwickelt, in dem sich Nachwuchskünstler aus Marburg und Hessen präsentieren können. Dafür wurde eigens technisches Equipment wie Kameras und Software angeschafft, die nötig sind, um kulturelle Inhalte online zeigen zu können“, teilte Nisse Kreysing vom Waggonhallen-Team mit.

Das Geld dafür kam aus BKM-Mitteln. Das Waggonhallen-Team habe durch den Kauf von Laptops und Internet-Telefonen einen Großteil seiner Arbeit im Homeoffice erledigen und an Videokonferenzen teilnehmen können. „Bis heute sind sie unerlässlich, um eine coronagemäße Organisation der Arbeitsabläufe in der Waggonhalle zu gewährleisten: Alle wesentlichen Sitzungen werden per Zoom abgehalten“, erklärt Kreysing.

Team zieht positive Bilanz des Weihnachtsfestivals

Von Sommer 2020 bis Anfang November 2020 habe die Waggonhalle im Theatersaal und als Open Air auf dem Gelände Veranstaltungen durchführen können. Insbesondere im Theatersaal habe das Kulturzentrum einen „immensen Aufwand“ betreiben müssen, um „allen Ansprüchen der Abstands- und Hygieneregeln gerecht zu werden“. Der Weg zu den Zuschauerplätzen sei durch Personenleitsysteme organisiert, Desinfektionsmittelspender an den Eingängen aufgestellt worden. Aufführungen der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ seien nur aufgrund von Plexiglas-Abtrennungen möglich gewesen. Zwischen Bühne und Publikum sei eine Wand von Plexiglas platziert worden, Hausgemeinschaften im Publikum wurden durch Plexiglasaufsteller voneinander getrennt platziert.

„All diese Maßnahmen hätte die Waggonhalle aus eigener Kraft nicht finanzieren können, besonders in Zeiten, in denen gar keine oder nur sehr wenige Eintrittskarten verkauft werden. Und sie werden uns auch in Zukunft, wenn hoffentlich vorsichtige Öffnungen einen Kulturbetrieb wieder stattfinden lassen können, vieles ermöglichen, um den Menschen Theater, Konzerte, Musicals und Varieté in einer sicheren Umgebung anbieten zu können“, so das Team.

Zuletzt hatte die Waggonhalle Weihnachten gezwungenermaßen im März gefeiert, komplett online aus dem weihnachtlich geschmückten Kulturzentrum (die OP berichtete mehrfach). Die Waggonhalle zieht eine positive Bilanz: „Alle Corona-Bestimmungen konnten eingehalten werden. Die technische Umsetzung der Streams funktionierte einwandfrei und die Akzeptanz war trotz des ungewöhnlichen Termins groß. Mit fast 2 500 Aufrufen wurden die Streams (sichtbar unter anderem auf Facebook und YouTube) gut angenommen, und die Workshops über Zoom waren mit 86 Anmeldungen fast komplett ausgebucht.“

Die mediale Resonanz sei ebenfalls groß gewesen: „Die Tatsache, dass es (das 1. Marburger Weihnachtsfestival) aufgrund der Förderungsrichtlinien des Ministeriums im März stattfinden musste, fand große Beachtung in den Medien. Mehrere Berichte in der Presse, Interviewanfragen vom Hessischen Rundfunk, und sogar das NDR-Magazin ‚extra3‘ kam angereist, um einen Beitrag für die ARD zu drehen.“ Und auch die Künstlerinnen und Künstler hätten sich zufrieden geäußert. „Es war klasse mal wieder zu spielen nach so langer Zeit“, zitiert die Waggonhalle die „WC-Perlen“. Der Marburger Artist Sue Pedersen meinte: „Insgesamt fand ich das Ganze eine sehr gelungene Aktion, und bin froh, dass ihr es trotz der etwas schwierigen Situation durchgezogen habt.“ Bestsellerautor und Kabarettist Dietrich Faber freute sich: „Eine rundum gelungene Veranstaltung. Tolle Organisation von Anfang bis Ende, und eine nette, hochprofessionelle Betreuung vor Ort. Aber natürlich fehlt das Publikum.“

Von Uwe Badouin