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Marburg Wenn der OB aus dem Monitor grüßt
Marburg Wenn der OB aus dem Monitor grüßt
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10:04 18.01.2021
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies plaudert während des Neujahrsempfangs mit Roboter Pepper.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies plaudert während des Neujahrsempfangs mit Roboter Pepper. Quelle: Stadt Marburg
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Marburg

Leerer Saal, kalte Technik statt Musik und Büffet für 1.000 Gäste – das war der digitalste und zugleich wehmütigste Neujahrsempfang in der Geschichte der Stadt Marburg. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) hat bei seiner Neujahrsrede, die am Samstagabend per Video in Hunderte Haushalte übertragen wurde, nicht nur auf die weltweite Corona-Pandemie, sondern auf das kommunalpolitische Geschehen geblickt und Ziele für das laufende Jahr formuliert. Im Zentrum stehen dabei Klimaschutz, Sozialpolitik samt Abmilderung von Pandemie-Folgen sowie Wohnraum.

Bauen, bauen, bauen

„Bauen, bauen, bauen wirkt“, sagt Spies und verweist auf 3.000 Wohnungen, die während seiner Amtszeit gebaut worden seien. Bis auf rund 500 Sozialwohnungen, etwa am Unteren Richtsberg, sind das aber vor allem privatwirtschaftliche Bauten. Jedenfalls sei durch die verstärke Bautätigkeit der Mietpreisanstieg in Marburg gestoppt worden. Und es seien auch nicht irgendwelche Wohnungen, sondern solche, „die zu den Menschen passen, mit viel Platz im Freien, wo Kinder spielen können, und mit Bänken im Schatten für Senioren“.

Die nächsten . 000 Wohnungen stehen demnach bereits in den Startlöchern, und die Stadt wolle weitere Gebiete entwickeln – in der Temmlerstraße, an der Beltershäuser Straße, in den östlichen Stadtteilen wie etwa Bauerbach. Spies will ein Konzept vorlegen, wie die Stadtverwaltung es steuern kann, dass sich künftig mehr Marburger mit kleinen und mittleren Einkommen – „also die Systemrelevanten“, wie Spies sagt – ein Eigenheim leisten können.

Oberleitungs-Bus rückt näher

Die kommunale Klimaschutzpolitik werde das neue Kernstück städtischer Planungen, vor allem die Warmmieten-neutrale energetische Sanierung von Immobilien sieht Spies als zentralen Punkt im geltenden Aktionsplan. Er will etwa bei der Energieerzeugung auch auf neue Technik setzen, etwa in die Straßenoberflächen eingebaute Solarzellen, die Strom produzieren. Eine Testfläche soll demnächst von den Stadtwerken bestückt werden.

Sozialpolitik mit Gutscheinen

Im Hinblick auf die bis 2030 geplante CO2-Neutralität Marburgs spiele auch der Verkehr eine zentrale Rolle. Neben den noch in diesem Monat anstehenden Planungen für Radwege im Westen der Stadt werde auch der Bau der Elektro-Infrastruktur für die Oberleitungs-Busse konkreter: Das Bundesverkehrsministerium habe Ende 2020 eine Förderung von 1,5 Millionen Euro freigegeben.

Die O-Bus-Pläne sahen zuletzt vor, dass ab dem Jahr 2022 eine Leitungs-Infrastruktur für die Fahrzeuge aufgebaut werden soll; vor allem die Steigungsstrecken von der Innenstadt zu den Lahnbergen müssten demnach mit ­einem Oberleitungssystem ausgestattet werden, während in der Kernstadt auf Batteriebetrieb geschaltet werden könnte.

Spies betont den Stellenwert der städtischen Sozialpolitik, die sich in der Corona-Pandemie bewährt habe und die ausgebaut worden sei. Speziell die Corona-Gutscheine, das Stadt-Geld etwa für Handel und Gastronomie, aber auch die Hilfen für Kultur wie „Sommer in der Stadt“ oder die Tablet-Offensive für Schüler im Homeschooling. Aber auch der Ausbau der Kinderbetreuung um 500 Plätze sei eine sozial- und bildungspolitische Leistung.

Spies wirbt für eine Weiterentwicklung der Stadt, will dazu die Veranstaltungsreihe nutzen, die zum Festjahr „Marburg 800“ im nächsten Jahr hinführt. 2022 wolle man feiern. „Wir wollen, dass dieses Highlight unserer gebeutelten Gastronomie und Handel ein Stück weit wiedergibt, was 2020 verloren wurde“, sagt er und lässt „Pepper“ – den Lehr- und Lernroboter von Professor Jürgen Handke – auf die Bühne rollen.

Er ist als Symbol dafür gedacht, zu zeigen, was Digitalisierung bedeutet und was Teil der neuen Normalität sein wird.

Von Björn Wisker