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Marburg Mit Snorgel geht es hoch in die Bäume
Marburg Mit Snorgel geht es hoch in die Bäume
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17:58 07.09.2021
OP-Volontär Lucas Heinisch wagt sich über ein Kletterhindernis.
OP-Volontär Lucas Heinisch wagt sich über ein Kletterhindernis. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Ein bisschen komme ich mir wie bei einer Rettungsmission vor, doch es ist keine. Mit einem Helm auf dem Kopf und einem Sicherungsgurt um den Körper gibt man mir Instruktionen, wie ich mich mit den zwei Karabinerhaken ausgerüstet in luftigen Höhe im Kletterwald Marburg von Baum zu Baum bewege. Nach der Einweisung ist es auch schon so weit: Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch und wackeligen Beinen und Armen mache ich mich an mein erstes Kletterhindernis. Es geht circa fünf Meter an einer Wand aus Seilen auf die erste Plattform.

Das mulmige Gefühl ist schnell verflogen. Ich gewöhne mich an die Höhe und an die Kletterausrüstung. Die nächsten Hindernisse rufen jedoch das altbekannte komische Gefühl im Bauch mal mehr mal weniger stark erneut hervor. Ich fahre auf einem Igel aus Holz von einer Plattform zur nächsten oder klammere mich (todesmutig) an wackelige Holzpfähle. Letztlich überwinde ich die Hindernisse auf diesem Kletterparcours und befinde mich auf der letzten Plattform aus Holz in gut sieben Metern Höhe.

Von dort rutsche ich per Seilbahn in Richtung Ziel, bis ich wieder festen Waldboden unter den Füßen habe und das spaßige Klettererlebnis vorbei ist. Dieser Parcours war nur einer von vielen im Kletterwald Marburg, wo Kletterplattformen teils in 17 Metern Höhe an den Bäumen angebracht sind. Bei meinem Selbstexperiment konnte ich neue Kletterelemente und die Umstrukturierungen erkunden, die zum zehnjährigen Bestehen des Kletterwaldes Marburg integriert worden sind.

Doch einer Sache, besser gesagt einem Wesen, konnte ich bei meinem Selbstexperiment nur am Boden begegnen. Ein kleines unbekanntes Geschöpf ist seit Anfang des Jahres im Kletterwald unterwegs und spielt den Menschen Streiche. Dort hat Snorgel, so heißt das koboldartige Kerlchen, sein neues Zuhause gefunden.

Ein geheimnisvolles Wesen

„Snorgel ist unser neuer Waldbewohner und ein geheimnisvolles Wesen. Er ist sehr scheu und zeigt sich nicht so oft“, erzählt Stefan Wehnert, Geschäftsführer des Kletterwaldes Marburg. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens zog Snorgel Anfang des Jahres in den Wald ein und brachte viele Neuerungen mit. Die Parcours haben teils neue Kletterelemente und neue Namen erhalten. Die Beschilderung wurde ebenfalls überarbeitet.

Stefan Wehnert mit Snorgel. Quelle: Nadine Weigel

Im Wald verteilt findet man zudem große Schmetterlinge und bunte Vögel. Das sind Snorgels Freunde. Sein Zuhause, eine Holzhütte, in der ihn die kletternden Gäste mit etwas Glück antreffen können, ist weit oben in den Baumkronen versteckt. Snorgel, der einen grünen, mit Eicheln und Zweigen geschmückten Hut auf seinen roten Haaren trägt, eine knollige Nase und große Augen im Gesicht hat und mit einem schelmischen Grinsen durch das Gehölz huscht, „möchte den Wald für sich einnehmen. Er kann sich allerdings mit den Besuchern arrangieren“, sagt Wehnert lächelnd.

Ein neues Kletterabenteuer

Mit der Umstrukturierung des Kletterwaldes rund um Snorgel möchten Geschäftsführer Wehnert und seine gut 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Gästen ein neues Kletterabenteuer bieten. „Wir haben dem Kletterwald ein Kostüm gegeben und eine Geschichte drum herum gespannt, damit das Erlebnis Klettern um eine Ebene erweitert wird“, erklärt Wehnert.

So wie auch Snorgel Abstand zu den Menschen hält, mussten die Gäste infolge der Corona-Pandemie auch Abstand zum Kletterwald halten. „Wir mussten viele Wochen zu lassen. Uns hat es nicht so hart getroffen wie andere Branchen, aber wir sahen uns auch gezwungen, in neue Richtungen zu denken“, sagt der Geschäftsführer.

Digitales Angebot

So gibt es zusätzlich zu den neuen Elementen im Kletterwald ein digitales Angebot, bei dem die Gäste den Wald und die Umgebung erkunden können. „Es gibt eine digitale Schnitzeljagd“, erzählt Wehnert. Bei der digitalen Abenteuer-Ralley macht man sich mit Tablets auf Entdeckungsreise und löst verschiedene Rätsel und Aufgaben.

OP-Volontär Lucas Heinisch im Kletterwald. Quelle: Nadine Weigel

Der neugestaltete Kletterwald scheint nicht nur meinen, sondern auch den Geschmack einer Schulklasse aus dem Hinterland zu treffen. Durch den ganzen Wald schallen freudige Kinderstimmen und man hört die Schülerinnen und Schüler die Seilbahnen herunterrutschen. „Es kann jeder kommen, der möchte. Man braucht keinerlei Vorerfahrung“, erzählt Wehnert.

Von Lucas Heinisch