Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Neues Virologie-Labor
Marburg Neues Virologie-Labor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:58 08.07.2021
Veronique Hefter (links) und Zacharias Orfanos forschen im Hochsicherheitslabor der Virologie an der Uni Marburg.
Veronique Hefter (links) und Zacharias Orfanos forschen im Hochsicherheitslabor der Virologie an der Uni Marburg. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Der Bau eines neuen BSL4-Sicherheitslabors im geplanten neuen „Marburg Centre for Epidemic Preparedness“ kann jetzt in Angriff genommen werden. Professor Stephan Becker, Direktor des Virologie-Instituts der Uni Marburg, freute sich sehr, dass die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz das Projekt vor wenigen Tagen in ihre Förderung aufnahm und somit das positive Votum des Wissenschaftsrates endgültig bestätigte (die OP berichtete).

Für den Uni-Standort Marburg bedeute diese Entscheidung, dass auch der Fachbereich Medizin und die Universität weiterhin die Erforschung hochpathogener Viren unterstütze. Schon im kommenden Jahr sollen nun die Bauarbeiten starten für ein Gebäude, das in unmittelbarer Nähe des bestehenden BSL4-Labors auf den Lahnbergen entstehen soll.

Veränderte Sicherheitstechnologie

Dieses war im Jahr 2007 errichtet worden. „Aber die Sicherheitstechnologie verändert sich“, erläutert Becker. Zudem seien zunehmend Lüftungen und Geräte für thermische Desinfektion aufgrund der massiven Beanspruchungen marode und müssten Zug um Zug ausgetauscht oder repariert werden.

Virologie in Marburg. Quelle: Thorsten Richter

Das Marburger Sicherheitslabor ist eines von vier Virologie-Laboren der höchsten Sicherheitsstufe in Deutschland und das einzige universitäre Labor dieser Kategorie. Zudem bietet der Standort dank der Nähe zum größten deutschen Flughafen in Frankfurt gemeinsam mit der Universität eine wichtige Einheit zur schnellen Erkennung und Behandlung importierter Virusinfektionen, heißt es in der Stellungnahme des Wissenschaftsrates.

Der „Pandemie-Strudel“

Doch in Zeiten der Corona-Pandemie stieß das BSL4-Labor auch an seine räumlichen Grenzen. So konnten die Wissenschaftler und Mitarbeiter um Institutschef Becker längst nicht mehr alle Anfragen zu Untersuchungen bewältigen. Die Pläne für einen zusätzlichen Labor-Neubau waren schon 2018 entstanden, also bevor die Corona-Pandemie die Bedeutung von tödliche Krankheiten auslösenden und aus dem Tierreich stammenden hochpathogenen und auf den Mensch übertragenen Viren (Zoonosen) schlagartig ins globale Bewusstsein katapultierte.

Und auch wenn der „Pandemie-Strudel“ bei einer positiven Begutachtung des Vorhabens sicher mitgeholfen habe, so sei doch das hessische Wissenschaftsministerium auch schon vorher von den Plänen überzeugt gewesen, betont Becker. Im Übrigen stehe bei der Forschung im geplanten Zentrum bewusst nicht unbedingt eine kommende Pandemie im Fokus.

Forschung Marburg "Tsutsugamushi-Fieber" - Veronique Hefter und Zacharias Orfanos im Hochsicherheitslabor der Virologie an der Uni Marburg. Quelle: Thorsten Richter

Vielmehr solle mit der Erforschung solch hochgefährlicher Auslöser von Viruskrankheiten wie Lassafieber, Ebola oder der Marburg-Virus-Erkrankung die globale Gesellschaft auch für den Kampf gegen „kleinere Epidemien“ und Ausbrüche mit der Bereitstellung und Entwicklung von Medikamenten vorbereitet werden.

„Wir warten nicht auf die nächste Pandemie“, betont Becker. Allerdings hoffe man, durch die Grundlagenforschung vielleicht besser für solch eine mögliche weltweite Epidemie vorbereitet zu sein.

Investitionsvolumen von 46 Millionen Euro

Becker kann jetzt bei der Umsetzung des Bauvorhabens mit einem Investitionsvolumen von 46 Millionen Euro auf das bewährte Team um den Technik-Chef des Sicherheitslabors, Dr. Markus Eickmann, und die Uni-Bauabteilung unter Leitung von Dr. Eckhard Diehl setzen. Sie waren bereits federführend am Bau des derzeitigen Sicherheitslabors auf den Lahnbergen beteiligt.

Der Bau soll voraussichtlich 2026, also ein Jahr vor der 500-Jahr-Feier der Universität, beendet sein. Geplant ist auf einem angrenzenden Grundstück ein ebenfalls fünfstöckiges Gebäude. Dieses soll einerseits mit Filtertechnik und Überwachungsfunktionen auf dem neuesten Sicherheitsstand ausgestattet werden. Andererseits soll für die Erforschung der Krankheitsmechanismen der Viren auch die neueste Spitzentechnologie verwendet werden.

Die Großgeräte

Dafür stehen unter anderem vier Großgeräte: ein hochauflösendes Lebend-Zellmikroskop, ein fluoreszenzaktivierter Zellsortierer, eine Laborautomation und eine Bestrahlungsanlage zur Bereitstellung inaktivierter Proben für weitere Analysen außerhalb des BSL-4-Labors. Mit einer geplanten 13-köpfigen Stammbelegschaft soll auch das Personal gegenüber dem heutigen Stand noch einmal um drei Stellen erhöht werden.

Zudem sollen 35 drittmittelfinanzierte Wissenschaftler im neuen Virologie-Zentrum zum Einsatz kommen. Übrigens hat das noch bestehende Sicherheitslabor nach dem Bau des neuen Labors nicht ausgedient. Nach einer gründlichen Renovierung des gesamten Baus und nach Rückstufung in der Sicherheitskategorie ist die weitere Verwendung als BSL3-Labor geplant.

Von Manfred Hitzeroth