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Marburg Countdown zum Spatenstich fürs Sportheim
Marburg Countdown zum Spatenstich fürs Sportheim
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15:57 15.09.2020
Bernd Kraft und Kirsten Dinnebier halten den Scheck über 200.000 Euro für das neue Sportheim in Haddamshausen in den Händen. Quelle: Katja Peters
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Haddamshausen

So richtig dran geglaubt hat wohl nur noch Bernd Kraft. Der Vorsitzende der Spvgg. Grün-Weiß Haddamshausen hat immer wieder bei der Stadtverwaltung wegen eines neuen Vereinsheimes gebohrt.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte er mit einem Augenzwinkern, als nun endlich der Scheck über 200.000 Euro von der Stadt für einen Neubau überreicht wurde. Für jedes verstrichene Planungsjahr 10.000 Euro könnte man meinen.

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Denn „nach Jahrzehnten der Gespräche“, immerhin 20 Jahre, kam Sportdezernentin Kirsten Dinnebier (SPD) mit dem Scheck in Haddamshausen vorbei. Ein bisschen Unbehagen schwang in ihren Grußworten mit, denn so einen langen Planungszeitraum für ein Sportheim hat es in Marburg wohl noch nie gegeben.

Woran der Zeitverzug nun wirklich lag, vermochte keiner der Vertreter so richtig zu sagen. Die Einbeziehung vieler Behörden, von Regierungspräsidium über Landkreis bis zur Stadtverwaltung, wurde von Fachdienstleiter Sport, Björn Backes, als „Zeitfresser“ genannt.

So soll das neue Vereinsheim in Haddamshausen aussehen. Quelle: privat

„Es dauerte halt, bis alles zusammen passte – sowohl von Vereins- als auch von Stadtseite“, versuchte es Jürgen Hertlein vom Sportkreis mit einer Erklärung. Als ehrenamtliches Magistratsmitglied betonte er zudem: „Die Größenordnung der finanziellen Unterstützung ist auch für eine Stadt wie Marburg nicht normal.“ Dabei hatte diese vor der Haushaltssperre im Jahr 2017 sogar noch mehr Geld für den Neubau eingeplant: 310.000 Euro.

Nicht normal ist auch die Höhe der Eigenleistung, die der Verein für den 250 Quadratmeter großen Neubau erbringen muss. Ehrenamtliche Stunden im Wert von 50.000 Euro sind in der Gesamtbausumme von 473.000 Euro mit inbegriffen. Vom Land, vom Landkreis und vom Landessportbund gibt es zwar noch weitere Finanzspritzen, „aber es klafft trotzdem eine Finanzierungslücke von 39.000 Euro“, rechnet Bernd Kraft vor.

Sportheim liegt im Überschwemmungsgebiet

Die muss nun auch der Verein schließen. Auf deren Internetseite wurde eine große Spendenaktion gestartet, in der Hoffnung, das Geld zusammen zu kriegen. Denn günstiger zu bauen ist bei den derzeitigen Baupreisen fast unmöglich. Auch freiwillige Helfer werden über das Portal noch gesucht.

Notwendig ist der Neubau übrigens, weil das alte Sportheim im Überschwemmungsgebiet der Allna liegt und über die Jahre des Öfteren unter Wasser stand. Das hat schwerwiegende Schäden an der Bausubstanz hinterlassen. Außerdem entspricht der Bau von 1967 in keinster Weise mehr den heutigen Ansprüchen eines Vereinsheimes. Gerade auch, weil der Platz von vielen Frauenfußball-Mannschaften von Jugend bis Senioren genutzt wird.

Allna bekommt ein Stück Land zurück

Die Spielvereinigung betreibt nämlich eine sehr gute Netzwerkarbeit mit den umliegenden Vereinen der Marburger Außenstadtteile und der Gemeinde Niederweimar, sodass der Platz und zukünftig auch das neue Vereinsheim immer ausgelastet sind. Genau deswegen unterstützt auch der Landkreis das Bauvorhaben finanziell. „Der Landrätin war dieses Projekt sehr wichtig“, berichtete Dr. Markus Morr, der als Fachdienstleiter Kultur und Sport Kirsten Fründt vor Ort vertrat. Zehn Prozent der förderfähigen Gesamtsumme sind versprochen – etwa 45.000 Euro.

Wenn der Neubau, für den es in der kommenden Woche den Spatenstich gibt, endlich steht, dann wird das alte Vereinsheim abgerissen und auch der alte Platz renaturiert und der Allna zurückgegeben. Aber erst, wenn auch das Flutlicht „umgezogen“ ist. Auch das musste alles vom Sportamt zusammen mit etlichen anderen Behörden und Fachdiensten geplant werden.

„Sie sehen, es gab jede Menge Baustellen, die wir abarbeiten mussten“, versuchte Fachdienstleiter Björn Backes den jahrzehntelangen Zeitverzug irgendwie zu erklären und ergänzte noch mit einem Augenzwinkern: „Die Akte ist reichlich dick und es waren auch diverse Oberbürgermeister in dieses Projekt involviert.“ Gut Ding will eben Weile haben. Und vielleicht klappt der Einzug ja im kommenden Jahr zum 90-jährigen Bestehen.

Spielvereinigung Haddamshausen

Die 1931 als reiner Fußballverein gegründete Spvgg Haddamshausen musste aufgrund des zweiten Weltkrieges in 1942 den Spiel- und Trainingsbetrieb vollständig einstellen. Am 11. Februar 1961 erfolgte die Wiedergründung des Vereins. Aus dem einst reinen Fußballsportverein ist inzwischen ein Multiverein mit aktuell 346 Mitgliedern und zahlreichen sportlichen Angeboten für Jung und Alt geworden.

Im Jahr 1967 wurde das Umkleidegebäude mit zwei Umkleidekabinen, einer Dusche, einer Schiedsrichterumkleide, dem Heizungsraum und zwei Toiletten fertiggestellt. Gemeinsam mit der Stadt Marburg wurde das Sportgelände und das Umkleidegebäude nach der Gebietsreform weiterentwickelt. Mit dem Neubau entstehen auf 250 Quadratmetern vier Umkleiden mit zwei Duschräumen, ein Vereinsraum mit Küche und Kühlzelle, ein Büro, WC-Anlagen, ein Schiedsrichterraum und einen für die Technik sowie ein Raum für Außengeräte. Denn die Pflege des Geländes übernimmt für die nächsten zehn Jahre auch die Spielvereinigung.

Mit dem neuen Sportheim will er neben den Kindern und Jugendlichen auch dem Männer- sowie Frauenfußball, die in Kooperation mit den Nachbarvereinen organisiert wird, eine Zukunftsperspektive bieten. Es soll Vereinsmitgliedern aus den Sparten Fußball, Tennis, Senioren- und Fitnessgymnastik, Kinderturnen, Tischtennis und Wandern eine neue Heimat geben.

Von Katja Peters