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Marburg Corona-Test-Zentrum wird überrannt
Marburg Corona-Test-Zentrum wird überrannt
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07:59 17.03.2020
Vor dem Corona Testzentrum in Cappel bildeten sich am Montag lange Staus. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Gut drei Stunden wartete ein Pärchen aus dem Landkreis gestern in Cappel in seinem Auto. Sie waren aufgefordert worden, sich im Corona-Test-Center testen zu lassen, weil sie in einem Risikogebiet waren. Die Autos stauten sich bis in den frühen Nachmittag im Gewerbegebiet. Den Autokennzeichen nach zu urteilen, waren es nicht nur Menschen aus dem Landkreis, sondern auch aus den angrenzenden Bereichen. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte das Test-Center am Wochenende von den Lahnbergen auf das Gelände der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft verlegt.

Am Freitag waren die beiden Befragten aus dem Skiurlaub aus Ischgl in Österreich zurückgekommen und hatten sich dann gleich beim Gesundheitsamt gemeldet. „Vorsichtshalber“, sagt der 35-Jährige. Samstag gab es den Hinweis, in häuslicher Quarantäne zu bleiben, Sonntag dann die Mitteilung sich am Montag im Test-Center vorzustellen. „Ich habe keine Sorgen, wenn ich den Virus habe. Aber wir leben in einem Mehrgenerationenhaus mit drei Risikopatienten. Um die mache ich mir mehr Sorgen“, sagt seine Partnerin, die neben ihm im Auto sitzt. Im Skigebiet hatten sie nicht viel Kontakt zu anderen Menschen, „außer in der Gondel“, sagt der junge Mann noch.

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Kinder dürfen weiter arbeiten

In der Aufnahme des Centers angekommen, durften drei Autos mit genügend Sicherheitsabstand nebeneinander parken. Eine Mitarbeiterin nahm die Personalien auf und hat die Krankenkassenkarten eingelesen. „Die war komplett vermummt“, berichtet die 26-Jährige später im OP-Gespräch und ergänzt noch: „Es wurden noch ein paar Informationen weitergegeben, und dann mussten wir alle einzeln in das Zelt.“ Dort wurde dann sowohl vom Rachenraum, als auch von der Nase ein Abstrich genommen. „Das war echt unangenehm, weil die Stäbchen sehr weit eingeführt wurden“, erinnert sich die junge Frau.

Gleiches berichtet eine Frau aus dem Nachbarlandkreis, die gestern mit ihrem Ehemann auch zum Test geladen war. Ihr Nachbar war aus Österreich zurückgekommen und Ende vergangener Woche positiv getestet worden. Er hatte dem Gesundheitsamt mitgeteilt, mit wem er Kontakt hatte. „Seitdem sind wir in Quarantäne“, berichtet der Ehemann, der am Steuer des Autos saß. Beide wunderten sich über die Verfahrensweise des Amtes, „weil wir Kontakt zu unseren Kindern hatten, die mit im Haus leben. Die müssen aber nicht zum Test, können weiter arbeiten“, so die 38-Jährige beim OP-Besuch in der Autoschlange.

Viele fahren unverrichteter Dinge wieder ab

Im Zelt, in denen die Abstriche abgenommen wurden, hatte sie ein „mulmiges Gefühl. Alle reden von Hygiene und dann wird das in so einem Partyzelt gemacht“, gibt sie zu. Allerdings wären alle Mitarbeiter vermummt und es wäre auch immer genügend Abstand gehalten worden. Auch dieses Pärchen musste angeben, zu wem es Kontakt hatte. „Vielleicht müssen unsere Kinder nun doch noch zum Test, wenn wir ein positives Ergebnis bekommen.“ Das erfahren sie in drei bis vier Tagen. So wurde es den Vieren, mit denen die OP gesprochen hat, mitgeteilt. Sollte das Ergebnis negativ sein, gibt es keine Rückmeldung.

Das Pärchen aus dem Landkreis gehörte zu den letzten, die gestern in Cappel getestet wurden. „Fünf, sechs Autos hinter uns wurden noch zugelassen, zu den anderen gingen Mitarbeiter hin, sprachen kurz mit den Insassen, und dann fuhren die Autos weg. Das waren bestimmt etwa 20 Autos“, erzählt die 26-jährige Beifahrerin später am OP-Telefon.

Hintergrund

Die Kassenärztliche Vereinigung bittet darum, nicht unangemeldet das Corona-Test-zentrum aufzusuchen. Es soll ausschließlich aufgesucht werden, wenn ein begründeter Verdacht für eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegt.

Patienten, die glauben, sich infiziert zu haben, wenden sich telefonisch an ihren Hausarzt, die Rufnummer 116 117 oder das Gesundheitsamt. Die Tests sind nur für begründete Verdachtsfälle nach Kriterien des Robert-Koch-Instituts vorgesehen. Die Zentren sind so verteilt, dass Patienten aus allen Regionen Hessens in zumutbarer Entfernung eines erreichen können.

Die Auswertung der Proben nehmen verschiedene Labore in Hessen vor. Wie lange die Auswertung dauert, ist nicht pauschal zu beantworten, da dies von der Anzahl der Tests abhängig ist. In der Regel ist mit etwa 24 Stunden zu rechnen. Wie viele Menschen gestern in Marburg getestet wurden, dazu konnte die Kassenärztliche Vereinigung auf OP-Nachfrage nichts sagen.

Von Katja Peters