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Marburg Neues Buch von Wolfram Ortenberg
Marburg Neues Buch von Wolfram Ortenberg
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13:59 11.07.2019
Wolfram Ortenberg alias Wolfram Döppe. Quelle: Schumacher
Marburg

Wolfram Ortenberg ist das Pseudonym des Geografen Wolfram Döpp. Die Sehnsucht des Geographen ist Italien, genauer: Venedig und mehr noch, der Golf von Neapel. Im Zuge seiner Arbeit als Geograph hat er vor langer Zeit dort recherchiert und 1968 ein Fachbuch mit dem Titel „Die Altstadt Neapels. Entwicklung und Struktur“ veröffentlicht. Aber auch „M“ kommt vor, die Stadt in der der Autor lebt, die der Erzähler aber nie ausgesprochen nennt: Marburg. Schließlich heißt das Buch ja „Eine Spielart von Heimkehr“.

Wolfram Ortenberg stellte sein Buch kürzlich auf Einladung der Neuen Literarischen Gesellschaft im Café Vetter vor, an einem heißen Vormittag, der gut in den Süden Italiens gepasst hätte. Der Schauspieler Stefan Gille las die Prosa, Justus Noll begleitete die Lesung mit Improvisationen.

Vor 22 Jahren hat Wolfram Ortenberg „zum ersten Mal die ­literarische Szene in Marburg“ betreten, erinnerte sich der NLG-Vorsitzende Ludwig Legge – mit dem Buch „Nymphenburg im Nebel oder Ein Pferd aus weißem Porzellan“.

In seinem neuen Buch lässt Ortenberg etwa einen einst hochgelobten Schriftsteller nach vielen Jahren in die Stadt M zurückkehren. Sechs Kapitel enthält sein Buch „Das Sehnsuchtsziel oder Eine Spielart von Heimkehr“, die in Italien und Marburg handeln.

Der Erzähler besucht in M unter anderem ein weithin bekanntes „Terrassencafé“ und fragt dort nach dem „sonntäglichen Lesefest“ und ob es noch immer von Herrn L.L.“ organisiert werde. Die Anspielungen auf das Café Vetter und Ludwig Legge sind offensichtlich, doch muss die Geschichte in der Zukunft spielen: L.L. ist „lange im Ruhestand, hat schon fast die Hundert erreicht“, sagte eine „Konditoreifachverkäuferin“. Oder spielt sie doch in der Vergangenheit: Denn der (jetzt frisch sanierte) Bahnhof in M siecht dahin, Fliesen sind herabgefallen, in den Ecken riecht es muffig.

Legge bezeichnete Ortenberg als „Worthandwerker“ und trifft damit den Kern sehr gut: Die Geschichte ist sorgfältig, elegant und mit leichter Ironie formuliert. Angereichert ist das Buch mit schönen Zeichnungen des Marburger Geographen Walter Wilhelm Jungmann.

Infos zum Buch

Wolfram Ortenberg: „Eine Spielart von Heimkehr oder Das Sehnsuchtsziel“,
Verlag Blaues Schloss Marburg 
184 Seiten 
16,90 Euro.

von Uwe Badouin