Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Neuer Masterplan für Industriepark
Marburg Neuer Masterplan für Industriepark
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:58 24.03.2020
Der Spatenstich des neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums von CSL Behring ist nur ein Beispiel für die Expansion im Industriepark Behringwerke. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
Anzeige
Marburg

Die Stadt hat einen „Masterplan Behring-Standort“ ausgearbeitet, um die infrastrukturellen Rahmenbedingungen für die dort ansässigen Unternehmen zu verbessern – von Ver- und Entsorgung bis zur Kinderbetreuung. Doch warum ist das notwendig?

Für Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) ist klar: „Die dort ansässigen Unternehmen bilden das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt ebenso wie des gesamten Landkreises.“ So hätten die Unternehmen beispielsweise von 2015 bis 2018 jährlich durchschnittlich 90 Millionen Euro Gewerbesteuer in die städtischen Kassen gespült – also etwa 80 Prozent der gesamten Gewerbesteuereinnahmen. Bis 2025 seien durch die Unternehmen Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde Euro an den beiden Standorten in der Marbach und in Görzhausen geplant – ebenso wie weitere rund 600 Neueinstellungen. Und das sei noch nicht alles, wie Spies im Gespräch mit der OP erläutert: „Mehrere Hundert Unternehmen aus Stadt und Landkreis haben direkt oder indirekt mit den Standortunternehmen zu tun – etwa als Zulieferer.“

Anzeige

Wichtigste wirtschaftspolitische Entscheidung

Bereits 2006 habe es einen Masterplan für den Standort gegeben, „dieser wird nun vor dem Hintergrund der neuen Anforderungen konsequent fortgeschrieben“, sagt der OB. „Es ist die wichtigste wirtschaftspolitische Entscheidung der vergangenen 15 bis 20 Jahre und für die kommenden 15 bis 20 Jahre“, ist sich das Stadtoberhaupt sicher.

Vor etwa eineinhalb Jahren wurde eine Lenkungsgruppe für den Masterplan ins Leben gerufen – neben den Gremien der Stadt und den Standortunternehmen waren auch Landkreis, Infrastrukturunternehmen wie Stadtwerke, Wasser- und Abwasserverband sowie Regierungspräsidium beteiligt – mit dem Ziel, „die Sicherung des Standorts und das weitere Wachstum des Standorts sicherzustellen“. Detailliert ist festgehalten, wie künftige Ausbaustufen aussehen, welche Bedarfe für die Unternehmen daraus erwachsen – und wie diese erfüllt werden können. Und das auf allen beteiligten Ebenen.

Beispiel Wasser: „Wir können ja nicht erst dann anfangen, eine neue Wasserleitung zu planen, wenn die Unternehmen sagen, sie bräuchten jetzt mehr.“ Derzeit werden jährlich rund eine Million Kubikmeter an den Pharmastandort geliefert – künftig ist der Bedarf höher. Das soll durch mehrere Ausbaustufen sichergestellt werden, indem die Stadtwerke Marburg ihre Wasserführung optimieren, Pharmaserv einen neuen Wasserbehälter baut und der ZMW eine neue Leitung direkt nach Görzhausen plant. Ähnlich sieht die Zusammenarbeit bei allen weiteren infrastrukturellen Themen aus.

"Riesengewinn für Marburg"

Es gebe trotz des Umfangs noch zahlreiche Details, die nicht abschließend geregelt seien. Denn: „Die Weiterentwicklung braucht Bebauungspläne, für diese brauchen wir ein Entwicklungskonzept, auf das wir dann verweisen können. Doch die Details werden dann im Bebauungsplan geregelt.“ Das gelte auch für das Thema Verkehr. „Wir erstellen gerade das Mobilitätsgutachten für die gesamte Stadt, in das der Pharmastandort zentral mit hineingehört.“ Gleichwohl hofft Spies, dass die Stadtverordnetenversammlung dem Masterplan möglichst breit zustimmen werde, „denn dann können wir RP und Land gegenüber sagen: ,Das ist der gemeinsame Plan, das will die Stadt Marburg – und wir haben folgende Baustellen, bei denen ihr uns helfen müsst’“, so Spies.

Es gebe aber noch eine weitere Richtung: Auch die Standortunternehmen stünden konzernintern im Wettbewerb – es sei also ein wichtiges Signal an die Konzernleitungen: „In Marburg gibt es einen Plan, damit die Unternehmen weiter investieren und so den Standort sichern und ausbauen können.“

So ist sich Spies sicher, dass der Neubau des Forschungs- und Entwicklungszentrums von CSL Behring „ein Riesengewinn für Marburg und zur Sicherung des Standorts von immenser Bedeutung ist“.

Doch nicht nur um technische Infrastruktur und Verkehr gehe es im neuen Masterplan: „Es geht auch um die Stadtentwicklung, denn wer am Standort arbeitet braucht auch eine Wohnung. Und es geht bis zur sozialen Infrastruktur wie Kinderbetreuung, Schulen sowie Pflege und Betreuung.“

Spies betonte die gute Kooperation und auch, dass der neue Masterplan ausgerichtet an den politischen Vorgaben sei, die es in der Stadt gebe. „Wir sind zwar standortfreundlich, aber nicht wirtschaftshörig“, sagt er.

Von Andreas Schmidt