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Marburg Junger Verlag mit Ambitionen
Marburg Junger Verlag mit Ambitionen
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10:00 25.11.2019
Stefan A. Funcke hat in Marburg den Buchverlag „A Tree & A Valley“ gegründet. Der Thriller „Die Codices“ von Wolfgang Eckstein könnte sein Durchbruch werden. Quelle: Uwe Badouin
Marburg

„Bedrohte Spezies“, titelte die Berliner „tageszeitung“ im Oktober 2018 über einen Artikel über Kleinverlage. Die „Zeit“ sah im Frühjahr 2019 die „Branche in Schock“ nach der Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV. Stefan A. Funcke, 32 Jahre jung, kennt diese eher düsteren Nachrichten über die Buch-Verlagsbranche. Funcke hat einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre und einen Master in Volkswirtschaftslehre.

Er ist ein ausgewiesener Ökonom, kann Bilanzen lesen und weiß, dass es in Deutschland rund 1.000 Publikumsverlage gibt, die keine Fachbücher oder Lehrmaterialien verkaufen. Er weiß, dass rund sieben Prozent der Verlage 95 Prozent des Gesamtumsatzes von mehr als fünf Milliarden Euro machen.

Und dennoch hat er sich in das Abenteuer Buchverlag gestürzt. Sein Büro, das er sich mit einem Mitarbeiter teilt, hat er im Gründerzentrum Marburg in der Hannah-Arendt-Straße angemietet. Die Atmosphäre in dem ehemaligen Kasernengebäude mit vielen Start-ups, wie Unternehmensgründungen neudeutsch heißen, findet er bereichernd.

"Ich springe jetzt ins kalte Wasser"

Warum gründet ein junger Ökonom einen Buchverlag? „Ich habe während des Studiums ein Faible für das geschriebene Wort entwickelt und wollte mein Ökonomie-Studium mit Ästhetik und Kunst verbinden“, sagt Stefan A. Funcke. Verlagserfahrungen hat er unter anderem beim Arena-Verlag in Würzburg und beim Marburger Tectum-Verlag gesammelt. Vor zwei Jahren sagte er sich: „Ich springe jetzt ins kalte Wasser.“ Er gründete „A Tree & A Valley“.

Sechs Bücher hat er seither gemacht: fünf für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und jetzt seinen ersten großen Belletristik-Titel für Erwachsene – den spannenden, gut recherchierten und gut erzählten Wissenschaftsthriller „Die Codices“. Dazu später.

Doch wie kommt man als junger, unbekannter Verlag überhaupt an Autoren? Funcke hat seinen Verlag in sozialen Medien vorgestellt und prompt 200 Manuskripte erhalten. Seither hat er eine Sieben-Tage-Woche ohne Urlaub. Seine Messlatte ist hoch. Der Standard seiner Bücher soll, was Lektorat, Optik, Ausstattung entspricht, dem großer Publikumsverlage nicht nachstehen.

Sieht seinen Verlag noch in der Experimentierphase

So arbeitet er mit externen Lektoren zusammen, engagiert bekannte Grafiker: Das Cover für „Die Codices“ etwa stammt von Stefan Hilden. Hilden ist bekannt in der Branche, er hat Cover für Bestsellern von Tommy Jaud oder Dan Brown entworfen. „Ich will gute Bücher machen“, sagt Funcke. Bei Amazon und anderen Leseportalen habe keines seiner Bücher weniger als vier Sterne.

Funcke sieht seinen Verlag noch in der Experimentierphase. Die Frage ist, in welche Richtung sich das noch kleine, überschaubare Verlagsprogramm entwickelt. Nach Dystopien, einer futuristischen Liebesgeschichte und einem Abenteuerroman für junge Leserinnen und Leser hat nun Wolfgang Eckstein dem Verlag sein Romandebüt „Die Codices“ (www.die-codices.de) anvertraut.

Es ist ein ungemein spannender Wissenschaftsthriller, in dem der Autor drei Handlungsstränge geschickt miteinander verknüpft: Wissenschaft im antiken Alexandria, die Suche nach verlorengegangenen antiken Codices in der Gegenwart à la Dan Brown und die Entwicklung eines Supercomputers, der die Welt für immer verändern würde. Autor Eckstein weiß, wovon er schreibt: Er ist Mitbegründer und Inhaber einer Hightech-Firma und Experte unter anderem für Künstliche Intelligenz.

  • Wolfgang Eckstein stellt seinen Roman am Montag, 25. November, im Café Cappuccino (Barfüßerstraße 46) vor. Die Lesung beginnt um 18.30 Uhr. Von 19 bis 20 Uhr ist eine Pause. Der zweite Teil der Lesung endet gegen 20.30 Uhr. Eintritt frei.

von Uwe Badouin