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Marburg Neuer Leiter darf Gebäude nicht öffnen
Marburg Neuer Leiter darf Gebäude nicht öffnen
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13:58 09.12.2020
Der neue Museumsdirektor Dr. Sebastian Müller hofft das Mineralogisches Museum bald wieder öffnen zu können.
Der neue Museumsdirektor Dr. Sebastian Müller hofft das Mineralogisches Museum bald wieder öffnen zu können. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Im März dieses Jahres hat er dann offiziell angefangen, parallel zum ersten Lockdown. Für den 45-jährigen Geowissenschaftler Dr. Sebastian Müller ist es eine verzwickte Situation: Der Nachfolger von Dr. Peter Masberg, der Ende 2019 als langjähriger Museumsleiter in den Ruhestand ging, leitet aktuell ein Museum, das im Jahr 2020 und voraussichtlich auch noch mindestens im gesamten Jahr 2021 nicht geöffnet sein wird. Und das hat ausnahmsweise nicht nur mit Corona zu tun, sondern vor allem mit der Frage, wie es in Sachen Brandschutz weitergeht.

„Das ist schon traurig“ sagt Müller im Gespräch mit der OP. Für einen Film unter dem Titel „Allein im Museum“ könnte er als eine Art Hauptdarsteller infrage kommen. Denn außer ihm und den beiden Mitarbeitern Uwe Keller (Präparator) und Renate Michel betritt seit Monaten niemand anders das Mineralogische Museum am Firmaneiplatz, das seit Jahrzehnten im ehemaligen Kornspeicher des Deutschen Ordens untergebracht ist.

Dabei hat Müller bei seiner Bewerbung um den Posten einige Ideen mitgebracht, die zu einer behutsamen Modernisierung im Museum beitragen könnten. „Das Museum ist auf jeden Fall ein Kleinod“, sagt Sebastian Müller und gibt in diesem Zusammenhang ein großes Kompliment an seinen Amtsvorgänger Peter Masberg weiter, der in dem besonderen Ambiente des Baus im Schatten der Elisabethkirche eine vielgestaltige Sammlung mit einigen „Highlights“ aufgebaut habe. So bezeichnet Müller besonders die Turmaline und die Fluoridstufen als „authentisch schön“ und er entdeckt bei jedem seiner Rundgänge im Museum neue Ausstellungsstücke.

Aber man könne die Besucher eventuell ein bisschen mehr an die Hand nehmen und mithilfe eines roten Fadens die Ausstellungsinhalte prinzipieller erklären, meint Müller. Was sind Mineralien? Und woher kommen sie? Diese beiden Fragen genauer zu beantworten, könnten aus Sicht des neuen Museumschefs zwei Aufgaben für eine erneuerte Museumspädagogik sein. Auch die Verwendung von Touchpads oder generell mehr digitale Inhalte könnte sich der Geowissenschaftler in Zukunft vorstellen. Den Grundcharakter der Ausstellungsgestaltung hingegen würde er sehr gerne beibehalten.

Ein Zukunftskonzept steht und fällt allerdings mit der künftigen Raumaufteilung in den Ausstellungsräumen. Und diese hängt wiederum davon ab wie die Vorgaben des Brandschutzes umgesetzt werden. Im November 2019 war das Mineralogische Museum nach einer offiziellen Gefahrenverhütungsschau durch die Brandschützer geschlossen worden. Damals war den Brandschützern aufgefallen, dass es im Brandfall nur einen Fluchtweg gibt. Dies ist eine Wendeltreppe, die vom derzeitigen Eingang aus die beiden oberen Stockwerke des Baus erschließt. Die vergitterten Fenster seien zudem zu klein, als dass sie als Rettungswege genutzt werden können. Noch Anfang dieses Jahres hatte die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause darauf hingewiesen, dass das Museum auch im zeitlich günstigsten Fall bis Ende 2020 geschlossen bleiben müsste. Ein Zettel am Museumseingang weist mittlerweile darauf hin, dass das Museum noch bis Ende 2021 geschlossen bleibt. Die OP fragte bei der Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause, wie sie sich das weitere Procedere in Sachen Mineralogisches Museum vorstellt und erhielt jedoch keine Auskunft von der Präsidentin mit dem Verweis darauf, dass es keinen neuen Stand gebe.

Was wird jetzt in Sachen Brandschutz geschehen? Im Januar hatte die Präsidentin noch mitgeteilt, dass die Uni-Leitung zusammen mit den Denkmalschützern bemüht ist, aus mehreren Alternativen die beste Lösung für einen zweiten Fluchtweg zu erarbeiten. Nach OP-Informationen ist die Variante mit einem Aufzug als Anbau wohl nicht mehr in der Diskussion. Erwogen werde derzeit eher der Einbau eines zweiten Treppenhauses in das Gebäude. Das müsste dann auf der hinteren Seite des Baus geschehen und würde auf Kosten eines Teils der Ausstellungsfläche gehen. Solch ein zweite Treppenhaus würde nach Schätzung von Baufachleuten rund 500 000 Euro kosten.

Sebastian Müller hat noch einen Lehrauftrag an der Marburger Universität im Fachbereich Geografie, für den eigentlich ein Viertel seiner Stelle vorgesehen ist. Und er ist auch derzeit immer noch dabei, das Museum und die Vielzahl der Ausstellungsstücke sowie das gesamte universitäre Umfeld in Marburg genauer kennenzulernen. Zudem katalogisiert er derzeit die umfangreiche Mineraliensammlung eines Spenders aus Wetzlar. Genug Beschäftigung für ihn gibt es also noch. Allerdings möchte Müller im nächsten Jahr schon zumindest dafür sorgen, dass das Mineralogische Museum in der Marburger Öffentlichkeit nicht gänzlich in Vergessenheit gerät – eventuell mit einer Sonderschau im Schloss sowie mit einer Beteiligung an der geplanten Gemeinschaftsschau aller universitären Sammlungen in der Uni-Bibliothek.

Von Manfred Hitzeroth

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