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Marburg Neuer Anlauf für eine U-Bahn rund um Marburg
Marburg Neuer Anlauf für eine U-Bahn rund um Marburg
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16:00 17.03.2022
Eine U-Bahn könnte die Verkehrsprobleme zu den Behringwerken lösen, glaubt Professor Harald Lange. (Fotomontage)
Eine U-Bahn könnte die Verkehrsprobleme zu den Behringwerken lösen, glaubt Professor Harald Lange. (Fotomontage) Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Vorbereitungen für das Verkehrskonzept MoVe35, die Ausdehnung des Behringstandorts und die Klimanotstands-Debatte machen einen Verkehrsvorschlag wieder interessanter, der schon totgesagt war. Seit Jahren propagiert Professor Harald Lange diese Idee, ohne allerdings auf übertriebene Resonanz zu stoßen.

Lange schlägt vor, eine ringförmige U-Bahn-Linie um Marburg zu legen, vom Südbahnhof unter Ockershausen, Wilhelmsplatz, Rudolphs-platz/Rathausplatz, Elisabethkirche, Hauptbahnhof, Studentendorf, Campus Lahnberge, Botanischer Garten, Sonnenblick, Richtsberg, Landratsamt und wieder zum Südbahnhof zu bauen.

Der Mediziner glaubt, die Marburger U-Bahn wäre wesentlich schneller als Straßenbahn oder Bus und besitze eine deutlich höhere Beförderungskapazität, könnte den wechselnden Nutzungsbedarf zu verschiedenen Tages- oder Ferienzeiten durch zuschaltbare Wagen mit wenig zusätzlichem Personalbedarf gewährleisten, biete auch während der Bauphase keine Beeinträchtigung im Verkehr, mache zusätzliche Parkflächen überflüssig und brächte nicht zuletzt ein höheres Maß an Nutzerfreundlichkeit.

Haltestellen etwa einen Kilometer auseinander

Lange stellt sich vor, dass die Haltestellen jeweils einen Kilometer auseinander liegen, für Nutzende also maximal eine zu Fuß zurückzulegende Strecke von 500 Metern anfalle. Der Ring wäre nach diesen Vorstellungen etwa 12,5 Kilometer lang – mit der Möglichkeit, Abzweigungen zu errichten.

Und diese Möglichkeit macht die Idee, für die Jahre kaum jemand Interesse zeigte, interessant: Der Verkehr zum Behringstandort könnte durch eine solche unterirdische Linie fließen; es wäre im Prinzip die einzige Möglichkeit, Ketzerbach und Emil-von-Behring-Straße nicht noch mehr zu belasten.

Nach Ansicht von Marburger Geologen sei der Untergrund für eine Tunnelfräse in etwa 30 Metern Tiefe „sehr gut geeignet“, sagt Lange.

Kostenpunkt: 1,25 Milliarden Euro

Die Kosten sind, so glaubt Professor Harald Lange, das Haupthindernis zur Realisierung seiner Idee. Er beziffert die Kosten für den Bau einer doppelgleisigen U-Bahn mit 50 bis 100 Millionen Euro pro Kilometer plus Bahnhöfe. Im Klartext: Für den Bau der Ring-U-Bahn wären 1,25 Milliarden Euro fällig, verteilt auf 20 bis 30 Jahre. „Die Mittel sollten zu 51 Prozent aus öffentlicher Hand kommen!", sagt Lange. „Daneben wäre vielleicht an die Gründung von Aktiengesellschaften oder die Anwerbung von Sponsoren der Lehr-, Wirtschafts- und Industrieunternehmen, der Universität und der Rhön-AG (UKGM) zu denken, die vom Bau der U-Bahn profitieren würden“, so Lange im Gespräch mit der OP.

Die Verbesserung des Fahrradverkehrs und die Elektrifizierung der Strecke zu den Lahnbergen trügen den derzeitigen Herausforderungen des ÖPNV nur ungenügend Rechnung, sagt Lange. Mindestens ein Teil des Verkehrs müsse unter die Erde.

Schon 2014 und 2018 war Lange mit seinen Vorstellungen beim damaligen Oberbürgermeister Egon Vaupel, dem damaligen Stadtwerke-Chef Norbert Schüren und dem damaligen Bauamtsdirektor Jürgen Rausch vorstellig geworden. „Alle sahen“, bilanziert Lange, „die finanziellen Probleme als nahezu unüberwindbar.“ Das sei allerdings bei allen U-Bahnen der Welt im Vorfeld das Argument gewesen, zurückgebaut worden sei keine einzige.

Angesichts der Gewerbesteuer-Millionen von Biontech und dem gleichzeitig dringender werdenden Verkehrsproblem zum Behringstandort hofft Lange nun auf eine Renaissance seiner Idee.

Von Till Conrad

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