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Marburg Neue Sozialwohnungen werden teurer
Marburg Neue Sozialwohnungen werden teurer
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00:20 20.10.2018
Nach Angaben des Magistrats fehlen trotz laufender Bautätigkeiten in der Stadt noch Hunderte Sozialwohnungen. Die werden aber laut Gewobau nicht mehr für Kaltmieten von rund fünf Euro pro Quadratmeter zu haben sein. Foto: Thorsten Richter
Nach Angaben des Magistrats fehlen trotz laufender Bautätigkeiten in der Stadt noch Hunderte Sozialwohnungen. Die werden aber laut Gewobau nicht mehr für Kaltmieten von rund fünf Euro pro Quadratmeter zu haben sein. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Ein Mix aus öffentlich bezuschusstem und frei ­finanziertem Wohnraum soll ab sofort bei Neubautätigkeiten im Mittelpunkt stehen – doch die gängigen Sozialwohnungspreise, die in Marburg nach Gewobau-Angaben weiterhin zwischen 4,64 Euro 5,13 Euro lägen, könnten bei Neubauten nicht mehr gehalten werden. Für die Kaltmieten in diesen Häusern würden eher 7 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter veranschlagt.

Von den rund 2600 Gewobau-Wohnungen befindet sich laut Gewobau-Chef Jürgen Rausch nur noch ein Drittel in der ­Sozialbindung, weitere drohen auszulaufen. Und doch werde­ es, wie schon in der Vergangenheit, auch weiterhin gelingen, diese Wohnungen zu „günstigen Preisen“ anzubieten. Zudem sollen laut Stadtplaner Reinhold Kulle auch Belegungsrechte ­zurückgekauft, mitunter aus Privatbesitz zu verkaufende Immobilien zugekauft werden. „Grundsätzlich gilt es, das niedrige Niveau zu sichern. Wir müssen aber auch veränderte Realitäten anerkennen“, sagt Rausch beim Runden Tisch „Preiswerter Wohnraum“. Er verweist unter anderem auf gestiegene Baupreise etwa durch gesetzlich vorgeschriebene energetische Vorgaben. In den am Richtsberg zu sanierenden Häusern, etwa­ in der Sudetenstraße „muss kein Mieter eine Verdrängung b­efürchten, Luxussanierungen und riesige Umlagen wird es nicht geben“, sagt er.

Um eine verstärkte Durchmischung in den Vierteln zu ­gewährleisten, will die Gewobau aber ab sofort nicht nur in öffentlich geförderten, sondern auch in frei finanzierten Wohnraum investieren – speziell bei Einfamilienhäusern. Solche, die etwa in Wehrda – und perspektivisch wohl auch bei den diskutierten Neu-Wohngebieten am Oberen Rotenberg oder ­Hasenkopf – entstehen sollen.

OB: „Wollen durch Draufsetzen von Etagen Raum gewinnen“

„Für die Mittelschicht in ganz Mittelhessen, Menschen mit mittlerem Einkommen und Kindern – also Familien, die vor allem Platz brauchen – gibt es in der Stadt bisher zu wenig Angebote“, sagt Rausch. Ein Haus mit Garten zu kaufen oder zu bauen, könnten sich die wenigsten leisten. Die Gewobau wolle das ändern, das Mietpreisniveau für diese Zielgruppe „punktuell zum Positiven verändern“.

So werden in der Magdeburger Straße mit einer Mischung aus Geschosswohnungsbau, ­Jugendklub und Miets-Reihenhäusern mehr als zwei Dutzend neuer Apartments entstehen. Auch in Michelbach-Nord – wo offenbar die DRK-Schwesternschaft einen Altenpflege- und Betreuungsbereich bauen will – steht Gewobau-Neubau an. In DRK-Nachbarschaft sei ein Mix aus Reihenhaussiedlung und Mietwohnungen, eventuell mit einem Anteil für betreutes Wohnen. „Ein neues Mietangebot zu haben, ist schon wegen der Fluktuation bei den Pharmafirmen sinnvoll. Nicht jeder will in Michelbach Eigentum haben“, sagt Rausch. Im östlichen Außenstadtteil Ginseldorf sei zudem großflächig gemeinschaftliches Wohnen vorgesehen.

Weitere Bauvorhaben des kommunalen Unternehmens: In der Friedrich-Ebert-Straße ist für nächstes Jahr der Bau eines Hauses für mindestens 20 neue Wohnungen vorgesehen. In der Sudetenstraße, dem Altenpflegezentrum, sollen nach dem im kommenden Jahr anstehenden Umbau rund 50 Wohnungen in die Anlage integriert sein (OP berichtete). In der Graf-von-Stauffenbergstraße beginnen Ende dieses Jahres Bauarbeiten für ein Dutzend neuer Apartments.

Am monatelang vor allem wegen den vielen durch die Bebauung wegfallenden Parkplätze umstrittenen Standort Weidenhausen, in der Poitiers-Straße, wo 13 Wohnungen entstehen sollen, will die Gewobau die Alt-Stellflächen bereits Ende dieses Jahres in die Sommerbadstraße verlagern lassen.

Gewobau und Magistrat zeigen sich zudem offen für die unter anderem von Versiegelungs-Kritikern wie dem BUND geforderten Gebäude-Aufstockungen – von einem höher Bauen im Bestand statt in der Breite Grünflächen zu betonieren (OP berichtete). „Unsere grundsätzliche Überlegung ist: Wenn ein Haus das hergibt, wollen wir durch das Draufsetzen von Etagen Raum gewinnen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) beim Runden Tisch „Preiswerter Wohnraum“. Der Ansatz, das Angebot gelte für Gewobau-Bestände wie etwa bei den Hausnummern Sudetenstraße 31 bis 33, aber auch für Immobilien in Privatbesitz wie etwa Supermärkte.

von Björn Wisker