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Marburg Neue Quartiere für die Brutsaison 2022
Marburg Neue Quartiere für die Brutsaison 2022
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14:58 31.07.2021
Vor wenigen Tagen wurden die Nistkästen für Mauersegler und Fledermäuse in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde und des Dienstleistungsbetriebes sowie des Nabu Marburg an der Käthe-Kollwitz-Schule angebracht.
Vor wenigen Tagen wurden die Nistkästen für Mauersegler und Fledermäuse in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde und des Dienstleistungsbetriebes sowie des Nabu Marburg an der Käthe-Kollwitz-Schule angebracht. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Noch vollführen sie die kühnsten Flugkunststücke, doch schon bald sind sie aus Marburg und aus dem Landkreis verschwunden, machen sich auf den langen Weg in ihr Winterquartier. Was jetzt, mitten im Sommer? Ja, so sind sie, die Mauersegler. Sie haben eine ordentliche Strecke zurückzulegen, denn ihr Quartier liegt südlich des Äquators in Afrika.

 „Dachwohnungen“ sind bezugsfertig

Umso erstaunlicher ist es, dass sie sehr standorttreu sind. Will heißen, die Vögel, die von Marburg aus starten, werden, wenn alles gut geht, Anfang Mai 2022 wieder zurück sein und ihre angestammten Reviere aufsuchen. So oft er jetzt kann, nimmt sich Eberhard Lübbeke die Zeit, „seine“ Mauersegler noch einmal zu beobachten, ehe sie sich verabschieden. An seinem Haus am Ortenberg haben sie erfolgreich Nachwuchs aufgezogen. Vor 20 Jahren wohnte Lübbeke, der Vorsitzender der Ortsgruppe Marburg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ist, noch im Südviertel, wo auch einige Mauersegler ihre Quartiere hatten. Als er dann an den Ortenberg zog, stellte er erfreut fest, dass sich auch dort ein Pärchen aufhielt. Mittlerweile sind es etwa fünf Pärchen und es könnten demnächst mehr werden, denn in unmittelbarer Nachbarschaft, an der Käthe-Kollwitz-Schule, gibt es jetzt neue bezugsfertige „Dachwohnungen“ für Mauersegler. Lübbeke freut sich über diese unverhoffte Aktion. Die ging nämlich von Schülerinnen und Schülern aus, die sich im Wahlpflichtfach Ökologie Gedanken zum Naturschutz gemacht haben und dabei überlegten, was sie wohl mitten in einer Stadt umsetzen können, um Tieren Lebensraum zu eröffnen beziehungsweise zu erhalten. Sie entschlossen sich, etwas für die Insekten- und Vogelwelt zu tun, und zwar direkt bei sich vor Ort. Sie setzten sich für möglichst viele blühende Naturflächen zu Hause in den Gärten, aber auch auf öffentlichen Grünflächen ein. Für den Schulhof und das Gebäude organisierten sie verschiedene Nistkästen und wurden dabei auch von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Marburg unterstützt. Bei der Umsetzung half schließlich auch der Dienstleistungsbetrieb der Stadt mit, denn die Nistkästen für Mauersegler und Fledermäuse mussten mit einem Hubwagen in passende Höhen gebracht werden. Nun hängen sie in sieben Metern Höhe direkt unter der Dachtraufe des Schulgebäudes.

Freier Fall aus fünf Metern Höhe

Wer nun Lust verspürt, selbst Mauerseglern ein Zuhause anzubieten, muss wissen, dass der spezifisch für Mauersegler angefertigte Nistkasten mindestens in einer Höhe von fünf Metern anzubringen ist, weil die Vögel, die nicht wirklich gut zu Fuß sind, für ihren Abflug einen „freien Fall“ benötigen. Mauersegler sind, und das bestätigt Lübbeke sehr überzeugt, saubere Mieter. Sie hinterlassen keine auffälligen Kotspuren am Haus oder an den Fensterbrettern. Bevorzugte „Wohnungen“ sind die Räume hinter dem Knick der Regenrinne zum Fallrohr.

Von Götz Schaub