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Marburg Neue Brücke löste Verkehrsprobleme
Marburg Neue Brücke löste Verkehrsprobleme
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16:00 09.08.2019
Die Konrad-Adenauer-Brücke heute. Wie die Weidenhäuser Brücke ist sie eine der zentralen Verkehrsadern in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Marburg an der Schranke“ wurde die Universitätsstadt bis 1969 vor allem von Autofahrern halb liebevoll, halb spöttisch genannt. Wer von der östlichen Seite der Lahn in den westlichen Teil wollte oder umgekehrt, musste über die Schienen der Eisenbahn entweder am Südbahnhof oder an der Alten Kasseler Straße im Marburger Norden fahren. Wer Pech hatte und vor geschlossener Schranke stand, der stand halt. Und stand. Und stand.

Es war die Zeit, als der Autoverkehr in Marburg wie in ganz Deutschland sprunghaft zunahm. Die B 3a wurde vierspurig ausgebaut zur sogenannten Stadtautobahn, am Richtsberg entstand ein ganz neuer Stadtteil, in der Innenstadt fielen die historischen Stadtsäle (an der Stelle der heutigen Marburg Mall) und das alte Gymnasium Philippinum (gegenüber, heute steht hier das Schlossbergcenter) den Abrissbaggern zum Opfer.

Und: An der Lahn entstand ein zwölfstöckiges Hochhaus, von den Marburgerinnen und Marburgern schnell „Affenfelsen“ genannt. Für den „Affenfelsen“ musste das historische, in alten Liedern vielfach besungene „Wirtshaus an der Lahn“ weichen. Es wurde im Jahr 1970 abgerissen.

Zurück zur Konrad-Adenauer-Brücke: Sie wurde, so schreibt die Oberhessische Presse am 7. Juni 1969, für sechs Millionen D-Mark und in 550 Werktagen gebaut – also in rund zwei Jahren. Die Stadt Marburg beteiligte sich mit 1,6 Millionen D-Mark an den Baukosten.

Der hessische Minister für Wirtschaft und Verkehr, Rudi Arndt (SPD), war eigens zur Eröffnung gekommen und fand große Worte: Er sprach von der „Lösung eines innerstädtischen Verkehrsproblems“ und einem „Beispiel für unsere nachdrücklichen Bemühungen um die Bewältigung der im ganzen Land vom stetig zunehmenden Verkehr gestellten Aufgaben“.

"Eine neue Verkehrsepoche"

Arndt, späterer Frankfurter Oberbürgermeister und wegen seiner exponierten Stellung als Vertreter des linken Parteiflügels allenthalben der „rote Rudi“ genannt, machte aber deutlich, dass die Konrad-Adenauer-Brücke nur Teil einer umfassenden Lösung für die „Bewältigung“ des Autoverkehrs sei: „Wenn ich diese Brücke für den Verkehr freigebe, so verbinde ich damit den Wunsch, dass es in und um Marburg mit allen geplanten Maßnahmen im Zuge des Ausbaus der B 3a zügig vorangeht, damit die Stadt und der Raum Marburg Verkehrswege erhalten, die ihre Wirtschaftskraft im Interesse und zum Wohle der Bevölkerung stärken."

Der Marburger Oberbürgermeister Georg Gaßmann (SPD) sprach von einem „historisch bedeutsamen Ereignis für die Universitätsstadt“. Die Verkehrsstauungen, bedingt durch die langen Wartezeiten an der Schranke des Südbahnhofs, hätten zu erheblichen Verspätungen auch im Omnibus-Verkehr geführt.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Spange mit dem Kernstück Konrad-Adenauer-Brücke sei „eine neue Verkehrsepoche für den Kraftfahrer sowie für die städtischen Linien“ angebrochen. „Marburg an den Schranken gehört der Vergangenheit an“, sagte Oberbürgermeister Gaßmann.

von Till Conrad