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Marburg „Mit wenig viel geben“
Marburg „Mit wenig viel geben“
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11:54 14.10.2021
Helga Sprenger (links) wurde von Heike Weiß in den Kreis der ehrenamtlichen Hospizhelfer der Malteser Marburg aufgenommen.
Helga Sprenger (links) wurde von Heike Weiß in den Kreis der ehrenamtlichen Hospizhelfer der Malteser Marburg aufgenommen. Quelle: Lucas Heinisch
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Marburg

In der Universitätskirche ist es ruhig. Manchmal kommen Touristen durch die Tür herein und man hört eine Kamera klicken. Nachdem das Klickgeräusch in der Kirche verhallt ist, kehrt wieder Ruhe ein. Stille kann für manche Menschen etwas Besinnliches oder auch Entspannendes haben. Doch wenn jemand stirbt, kann Stille auch bedrückend sein. Das weiß auch Helga Sprenger. „Das geht nicht spurlos an mir vorbei. Ich werde eine große Anteilnahme haben“, sagt sie mit einem nachdenklichen Blick. Sprenger engagiert sich ehrenamtlich als Hospizhelferin und wurde kürzlich von den Maltesern mit weiteren Helferinnen und Helfern bei einem Gottesdienst in der Universitätskirche in den Kreis der Ehrenamtlichen aufgenommen.

Um den Tod zu verarbeiten, „hilft auch der Abstand zur Person. Zudem verspüre ich Dankbarkeit, dass ich am letzten Stück teilhaben kann“, erzählt Sprenger weiter. Heike Weiß, Leiterin ambulanter Hospizdienst der Malteser Marburg, ergänzt, dass „man während der Qualifizierung zum Hospizhelfer auf diesen Moment vorbereitet wird. Es lässt niemanden kalt. Die Ehrenamtlichen sind nie alleine und werden durch die Hauptamtlichen unterstützt.“

Der Grund für Sprengers Engagement ist ein sehr persönlicher. „Ich hatte eine Freundin, die sehr jung und krank war. Sie wurde schwächer und eine Hospizhilfe wurde geholt. Ich habe gemerkt, wie gut es ihr und ihrer Familie tat“, erzählt die 60-jährige Marburgerin. Nach diesem Erlebnis hat sie sich für die Qualifizierung als Hospizhelferin entschieden. „Der Tod gehört zum Leben dazu und ich bin so weit, das zu machen“, sagt sie.

Heike Weiß nennt Sprengers Geschichte „einen fast typischen Werdegang“. Im Umfeld des Helfers sterbe jemand und dann entscheide man sich für das Ehrenamt als Hospizhelfer, erklärt Weiß.

Um Hospizhelfer zu werden, braucht es neben der persönlichen Überzeugung für das Engagement ebenfalls Fleiß – und etwas Umgewöhnung aufgrund der Pandemie. „Die Qualifizierung fand online statt“, sagt Sprenger. „Es gab Module zu unterschiedlichen Themen wie Stille und Ruhe, Kommunikation und Zurückweisung“, erklärt Weiß. Praxiseinheiten gab es ebenfalls. Die Qualifizierung lief über zwölf Monate. Auch wenn „alles wunderbar geklappt hat und das Online-Format eine nicht so große Einschränkung war“, wie Sprenger erzählt, fehlte den Teilnehmenden der persönliche, reale Kontakt untereinander. „Der Pausenaustausch hat zum Beispiel gefehlt“, bei dem man einfach ins Gespräch komme, sagt Sprenger. „Vieles ist online möglich, aber nicht alles“, fassen Sprenger und Weiß zusammen.

Für die Betroffenen da sein und Zeit verbringen

Den realen Kontakt zu Menschen möchte Helga Sprenger als Hospizhelferin wieder herstellen. Die Zeit, die sie neben ihrem Job in der Bank übrig hat, möchte sie sinnvoll nutzen und andere daran teilhaben lassen.

„Ich möchte anderen Menschen helfen und ihnen etwas Gutes tun, indem ich da bin, zuhöre, mit ihnen rede oder man gemeinsam lacht. Ich finde das sehr wichtig. Man kann mit wenig viel geben“, erklärt Sprenger.

Auch die Rolle als Hospizhelfer ist eine besondere, erklärt Antonia Schmidt, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Malteser im Bistum Fulda, zu dem auch die Malteser Marburg gehören. „Es ist eine psycho-soziale Arbeit und keine Pflege. Nicht jeder Betroffene möchte alles mit den eigenen Angehörigen teilen, sondern mit den Hospizhelfern.“ Zudem bedeute ein Hospiz nicht immer sterben. „Hospiz heißt Leben und Lebensqualität.“

Inzwischen steige die Nachfrage nach Hospizhelfern wieder an, erklärt Weiß. „Durch die Pandemie hatte es sich reduziert. Inzwischen dürfen wir wieder in die Einrichtungen und werden wieder nachgefragt. Aber längst nicht so viel wie vor der Pandemie“, sagt die Leiterin des ambulanten Pflegedienstes. Die nächste Qualifizierungseinheit für ehrenamtliche Hospizhelfer sei auch schon in Planung. „Im Januar gibt es vermutlich die nächste Runde“, erzählt Weiß mit Blick auf das kommende Jahr.

Wer mit dem ambulanten Hospizdienst der Malteser Marburg in Kontakt treten möchte, erreicht das neue Büro nach dem Umzug wie folgt: Adresse: Bahnhofstraße 21, 35037 Marburg; Telefon: 064 21 / 590 71 70; E-Mail-Adresse: hospizdienst.marburg@malteser.org

Von Lucas Heinisch