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Marburg Neue Details zur Baustelle "Aquamar"
Marburg Neue Details zur Baustelle "Aquamar"
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09:36 28.02.2020
(Symbolfoto) Wann das Aquamar wieder komplett öffnet, ist noch unklar. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Sobald der Magistrat im März über die Sanierungs-Art entschieden hat, wird die bereits vorbereitete Ausschreibung verschickt, werden Angebote von Baufirmen eingeholt. Neben der Reparatur des kaputten Dachs wird die Lüftungsanlage repariert und die Abdichtung der Gebäudehülle verbessert, um so für „gleichbleibende klimatische Bedingungen im Schwimmbad“ zu sorgen. Das teilte die Stadt auf OP-Anfrage mit. Die zusätzlichen Bauarbeiten seien demnach erforderlich, um neue Schäden an den Dachbindern zu vermeiden. Zu dem Zeitplan und den voraussichtlichen Kosten könne man aber noch „keine sichere Aussage“ treffen, da das sehr von den Ergebnissen der Vergabe und der konkreten Planung abhänge.

Für eine komplette Wiedereröffnung peilte die Stadt­spitze erst Frühjahr, zuletzt dann eher die Sommermonate an, wobei das Freibad wie bereits und wie jedes Jahr im Mai öffnen solle. Die Haupt-Nutzungszeiten für den Innenbereich liegen zwar zwischen Spätsommer und Frühjahr, aber speziell der Sportunterricht von Schulklassen wäre bei einer über die Sommerferien hinausgehenden Schließung betroffen. Aktuell sind die Schulen darauf eingestellt, dass das Aquamar für sie zum neuen Schuljahr – Beginn ist der 17. August – wieder bereitsteht.

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Hintergrund

Im September 2019 sind bei Routinekontrollen Schäden am Dach des Aquamar-Hauptbereichs entdeckt worden. Die Risse in der Konstruktion, die sich letztlich auch in andere­ Teile des Bads ausdehnten, sorgten für eine Sperrung des Schwimmbads durch die Stadt, die erst Anfang Januar in Teilen wieder aufgehoben wurde. Seit der Schließung müssen neben Badegästen auch alle Vereine und Schulen auf Schwimmbäder im Umland ausweichen – bis auf Weiteres. 

Vor wenigen Wochen hat sich die Stadt – nicht zuletzt wegen der Einnahme-Ausfälle und Zusatzkosten in Höhe von rund 400.000 Euro seit der Schließung im September 2019 – zu einer Teilöffnung des Aquamars entschieden. Gutachter haben ­neben den zuerst aufgefallenen Schäden auch ähnliche Risse im angrenzenden Sprungturmbereich gefunden, weshalb dieser ebenfalls repariert werden muss. So sollen neben den unmittelbar baulichen Vorhaben auch das Durchschreite­becken zum Freibad erneuert, die ­Ultrafiltrationsanlage erneuert, der Rutschenturm und die Sauna saniert werden. Kalkulierte ­Gesamtkosten: 165 000 Euro.

Seit der Wiederöffnung können Schwimmbad-Besucher neben der Sauna das Aktionsbecken, Kinderplanschbecken und die Rutsche nutzen – bei ­ermäßigtem Eintritt, einem einheitlichen Vier-Stunden-Tarif.­ Die aktuelle Preisstaffelung: ­Erwachsene zahlen 3,50 Euro, Jugendliche: 2,50, Kinder: 1,50, die Familienkarte kostet 8 Euro. Der Links-Fraktion im Stadtparlament gehen die Ermäßigungen nicht weit genug, sie fordern eine Pauschalregelung: „halbe Leistung, halber Eintrittspreis“.

Ohne das zentrale Schwimmerbecken, das Lehrschwimmbecken und Sprungbecken sei nicht nutzbar, niemand halte­ sich dann noch vier Stunden – dem gesenkten Tarif – im Bad auf. Daher müsste auch der Kurzzeittarif mindestens halbiert werden.

„Das Angebot passt als solches nicht mehr, das sollte man auch dann durchgängig, für alle Nutzergruppen abfedern“, sagt Renate Bastian, Linken-Fraktionschefin. Denn viele würden erst gar nicht von der Preissenkung profitieren, ­etwa die Kurzzeitnutzer oder bestimmte Personengruppen.

SPD-Mann Shaker Hussein lehnt das ab: „Man kann immer mehr fordern und nachlassen, aber die Ausfälle im Angebot werden preislich fair abgefedert“, sagt er. CDU-Fraktionschef Jens Seipp verweist angesichts der Einnahmeausfälle für die Stadt – laufende Betriebskosten gebe es dazu auch – auf die „ohnehin sehr günstige Preispolitik“ im Aquamar. OP-Check der Preislisten der Schwimmbäder in der Region zeigt: In Gießen sind die Eintrittspreise fast identisch, auch das Aldomare in Stadtallendorf und die kleineren Bäder wie Ebsdorfergrund und Wetter liegen fast gleichauf mit Marburg. Das Nautilust in Gladenbach ist – im Vergleich der regulären Eintrittspreise für Vier-Stunden-Zeiträume – hingegen mehr als 1,50 Euro teurer als das Aquamar.

Schwimmer können in Marburg bis dahin nur samstags und sonntags im Hallenbad Wehrda plantschen. Umland-Gemeinden wie Ebsdorfergrund meldeten zuletzt ein spürbares Badegäste-Plus seit dem Aquamar-Ausfall.

von Björn Wisker

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