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Marburg Corona: Wer testet künftig noch?
Marburg Corona: Wer testet künftig noch?
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09:16 23.06.2022
Corona-Testcenter auf dem Marburger Messeplatz am Afföller.
Corona-Testcenter auf dem Marburger Messeplatz am Afföller. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wer sich schnell mal auf das Coronavirus testen lassen möchte, der hat aktuell kaum Mühe, ein Testcenter zu finden, um sich kurz dem Teststäbchen zu stellen. Testzentren gibt es überall und die bieten auch noch gratis Corona-Bürgertests an. Das könnte sich ab Juli trotz steigender Infektionszahlen ändern.

Seit Mittwoch (22. Juni) konferieren die Gesundheitsminister über die „Corona-Herbststrategie“ des Bundesgesundheitsministeriums und damit über eine erwartete neue Coronawelle im Herbst und zugleich über den Wegfall der kostenlosen Tests in der jetzigen Form.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte bereits angekündigt, den Zugang zu den kostenlosen Tests deutlich einschränken zu wollen. Demnach könnten ab dem 1. Juli nur noch Patienten mit Symptomen für kostenlose Tests infrage kommen, dazu andere ausgewählte Gruppen wie Kleinkinder und Schwangere. Bei der Beschränkung geht es auch um mehr Qualitätskontrolle: In ganz Deutschland wurden an die kommerziellen Betreiber der Teststationen schon 10,5 Milliarden Euro ausgezahlt. Dabei gab es viel Missbrauch – Ermittler gehen von einer Betrugssumme von mindestens einer Milliarde bis hin zu 1,5 Milliarden Euro aus.

Betreiber will Testzentren offenhalten

Künftig sollen zudem die Preise für Schnelltests und für PCR-Tests gesenkt werden. Laut Ministerium soll trotz Neuregelung eine gut erreichbare Test-Infrastruktur – auch in Apotheken – aufrecht erhalten bleiben.

Ist das realistisch oder wird die Testcenter-Infrastruktur vielleicht bald zusammenbrechen? Die Altenhilfe St. Elisabeth – mit 14 Testcentern der größte Anbieter im Landkreis – ist noch vorsichtig optimistisch: Oliver Pappert, Geschäftsbereichsleiter stationäre Altenhilfe, sieht die sich abzeichnende Neuregelung mit „einem lachenden und einem weinenden Auge: Im Moment ist es nicht so wichtig, überall kostenlose Schnelltests durchzuführen, da hat die Politik schon recht.“

Zudem könne man sich Schnelltests ja auch selbst kaufen. Und diese Möglichkeit bevorzugen anscheinend gerade Menschen mit Krankheitssymptomen, wie eine kurze Rechnung der Altenhilfe zeigt: Die gGmbH hat auch eine Beauftragung als PCR-Testanbieter, Menschen mit einem positiven Schnelltest lassen dort das Ergebnis also bestätigen. Und rund 90 Prozent der Betroffenen kämen mit einem positiven Selbsttest von zu Hause, suchen also bei möglichen Covid-19-Symptomen oft gar kein Testzentrum auf. „Es gehen auch viele Menschen ins Testcenter, aber nicht die, die wirklich positiv sind“, so Pappert. In den Zentren fielen nur etwa acht bis zwölf Prozent der Tests positiv aus, „rund 90 Prozent, die zu uns ins Testcenter kommen, sind also negativ. Wichtig ist nur der positive PCR-Test, auch für die Statistik.“

Eine Frau hält in einem Covid-19-Testcenter die Probe von einem Rachenabstrich in den Händen. Quelle: Matthias Balk/dpa

Kritisch sieht Pappert allerdings an der Neuregelung, dass es praktisch unmöglich werden dürfte, die gültigen Ausnahmefälle überhaupt kontrollieren zu können: Noch sei nicht eindeutig klar, wie die vulnerablen Gruppen, die weiterhin kostenlose Tests erhalten sollen, zu definieren sind. Oder wie ein Testcenter überhaupt welche Symptome kontrollieren soll, etwa Husten. Anspruch auf einen kostenlosen Test hätte man künftig auch vor Großveranstaltungen – auch das sei kaum nachzuprüfen. Die Verantwortung bliebe aber dennoch an den Testern hängen, egal ob Arztpraxis, Apotheke oder privat betriebenes Testcenter.

Unklar sei auch noch, ob künftig private Anbieter oder auch Rettungsdienst-Verbände überhaupt noch Corona-Testcenter betreiben dürfen – oder nur noch Ärzte, Apotheken und der öffentliche Gesundheitsdienst. Auch deshalb beobachte er die künftige Entwicklung sehr genau.

Davon unabhängig werde die Altenhilfe ihre Testzentren aber weiter offen lassen: „Ich habe schon etwas Bauchschmerzen, wie das alles ausgeht, aber unabhängig davon lassen wir unsere Testcenter bis Ende des Jahres offen“, so Pappert. Dann eben eventuell für kostenpflichtige Schnelltests, aber weiterhin auch für die maßgeblichen PCR-Tests.

Die zweitägigen Beratungen der Gesundheitsministerin Magdeburg gehen am Donnerstag weiter, dabei geht es auch um strengere Coronaregeln, wie etwa eine mögliche Ausweitung der Maskenpflicht.

Von Ina Tannert und unserer Agentur

22.06.2022
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