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Marburg Verein „Zwei Raben“ vergibt neue Autorenstipendien
Marburg Verein „Zwei Raben“ vergibt neue Autorenstipendien
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17:58 13.02.2021
Die Autorin Sandra Burkhardt ist von März bis Juni Stipendiatin des Vereins „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“.
Die Autorin Sandra Burkhardt ist von März bis Juni Stipendiatin des Vereins „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“. Quelle: Foto: MIRKOLUX.DE
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Gossfelden

Der im Frühjahr 2019 gegründete Verein „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“ will „das literarische Leben der Region durch unterschiedliche Interventionen“ beleben. Die Idee hatten die Marburgerin Dr. Erika Schellenberger-Diederich und der Gießener Schriftsteller Thomas Hettche, der inzwischen in Berlin lebt. Ins Boot geholt wurde auch die Otto-Ubbelohde-Stiftung.

Seither vergibt der Verein pro Jahr zwei dreimonatige Autorenstipendien. Nach Marion Poschmann (Herbst 2019), Christoph Peters (Frühjahr 2020) und Marcus Braun (Herbst 2020) hat der Verein in Kooperation mit der Ubbelohde-Stiftung in diesem Jahr die Schriftstellerinnen Sandra Burkhardt und Olga Martynova nach Goßfelden eingeladen.

Sandra Burkhardt und Olga Martynova sind die Stipendiatinnen

Die Lyrikerin Sandra Burkhardt wird von März bis Juni im Otto-Ubbelohde-Haus leben und arbeiten, Olga Martynova, Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin des Jahres 2012, von September bis Dezember. Beide bekommen – wie ihre Vorgänger – für die Zeit in Goßfelden ein monatliches Salär von 2 500 Euro.

Dafür erwartet der Verein Zwei Raben, „dass sie während der Zeit in Goßfelden ihre Arbeit in einer Lesung öffentlich vorstellen und sich mit dem Werk Otto Ubbelohdes und der besonderen historisch-ästhetischen Situation des Atelierhauses in seiner Landschaft auseinandersetzen“. Zum Abschluss erbittet der Verein einen kurzen literarischen Text. Finanziert wird das Stipendium vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Der Verein „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“ hat damit ein klassisches Autorenstipendium im Ubbelohde-Haus etabliert, das bundesweit sehr gut angenommen wird. Es ist vergleichbar mit Stadtschreiber-Programmen.

Über 80 Bewerbungen

„Wir haben wieder knapp 80 Bewerbungen für das Autorenstipendium erhalten. Es waren Texte von hoher literarischer Qualität darunter, insofern fiel die Auswahl schwer. Aber ich freue mich, dass wir uns für eine so renommierte Autorin wie Olga Martynova und einen neu aufgehenden Stern am Lyrikhimmel, nämlich Sandra Burkhardt, entschieden haben und diese beiden Stipendien vergeben dürfen“, teilte die Vorsitzende des Vereins Zwei Raben, Dr. Erika Schellenberger-Diederich, nach der Entscheidung der Jury mit.

Der Jury gehörten nach Angaben des Vereins in diesem Jahr Ludwig Rinn, Dr. Erika Schellenberger, Dr. Gabriela Ociepa, Silke Scheuermann, Dr. Thomas Hettche und Professor Dr. Klaus Reichert an.

Das neue Romanprojekt überzeugte die Jury

In der Begründung der Jury heißt es: „Der auf Russisch wie auf Deutsch schreibenden Olga Martynova geht es um eine Durchdringung unserer komplexen Wirklichkeit aus der Kenntnis literarischer Traditionen heraus, die sie in ihrer Jugend in Petersburg erworben hat. Ihre Gedichte und Romane („Der Engelherd“, 2016) sind Versuchsanordnungen, die auf der Eigengesetzlichkeit eines poetischen Weltzugangs bestehen.

Die Autorin Olga Martynova ist von September bis Dezember Stipendiatin im Otto-Ubbelohde-Haus. Quelle: Daniel Jurjew

Ihre Essays, die unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung und Die Zeit erscheinen – zuletzt gesammelt in ,Über die Dummheit der Stunde’ (2018) – sind so brillante wie streitbare Kommentare zur Gegenwart. Das neue Romanprojekt der Bachmann-Preisträgerin hat die Jury auf Anhieb überzeugt.“

Olga Martynova wurde 1962 geboren, wuchs in Leningrad auf und kam 1990 im Zuge eines Literaturaustausches nach Berlin. Seither lebt sie in Deutschland, derzeit in Frankfurt.

Auch Sandra Burkhardt beeindruckt die Jury

Sandra Burkhardt, 1992 in Laupheim geboren, beeindruckte die Jury mit „Gedichten zu Natur und Selbstfindung, die zeitgenössisch-drängende Themen und Fragestellungen behandelten und gleichzeitig von formaler Sicherheit zeugten“. Insbesondere in ihrem Anspielen auf die Traditionen der Hymne wende sich die Autorin ,mutig vom modernen Paradigma der poetischen Verdichtung und Verknappung ab und zeigt ihr Sprachgefühl in weit schwingenden, poetischen Bögen’.“

Mit dem Stipendium für 2021 will der Verein Zwei Raben die junge Autorin, deren Debüt „wer A sagt“ 2018 im Verlag Gutleut in Frankfurt erschien, „bei der Fertigstellung ihres zweiten Gedichtbandes“ unterstützen. Sandra Burkhardt studierte Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Karlsruhe und Leipzig und lebt derzeit in Berlin.

2016 war sie Preisträgerin beim 14. Open-Mike-Wettbewerb in Berlin. Der seit 1993 von der Literaturwerkstatt Berlin vergebene Open Mike gilt neben dem Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preis als der wichtigste Wettbewerb für deutschsprachige Literatur-Neuentdeckungen. Sandra Burkhardt ist zudem Mitherausgeberin der „Tippgemeinschaft 2016“, der Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig.

Von Uwe Badouin