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Marburg Neue Ausstellung im Kunstverein
Marburg Neue Ausstellung im Kunstverein
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16:00 03.07.2020
Dirk Hupe vor einem seiner Werke im Marburger Kunstverein. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Schon von außen sind an der gläsernen Fassade des Kunstvereins sichtbare Zeichen einer neuen Ausstellung erkennbar: Der in Mülheim/Ruhr lebende Künstler Dirk Hupe hat dort annähernd 80 Zeichnungen auf Folien installiert. Es handelt sich um Montagefolien aus der Druckindustrie – und das ist kein Zufall, denn alle seine Werke kreisen um die Themen Kommunikation, Medien, Sprache und Schrift. Dirk Hupe untersucht seit seinem Studium an der Essener Folkwang Hochschule und in Arnhem die Möglichkeiten des Denkens und Sprechens, geht von eigenen Texten, von philosophischen Schriften oder literarischen Quellen aus, zerlegt sie zu Fragmenten und entledigt sie ihrer ursprünglichen Funktion. Aus Texten werden Spuren, aus Buchstaben werden Zeichen.

Im Obergeschoss des Kunstvereins zeigt Dirk Hupe großformatige Bilder seiner aktuellen Werkgruppe RESTZEICHEN_ZEICHENRESTE, für die er ältere Leinwände überarbeitet hat. Mal sind es kalligrafische, linear angeordnete Strukturen, mal freie Formen, die an leere Sprechblasen erinnern. Kunst ist für Dirk Hupe ein Prozess, denn ein Werk ist nie abgeschlossen und kann immer wieder verändert werden. Angesichts der uns umgebenden Bilderflut macht es für ihn mehr Sinn, Bestehendes zu transformieren, als ständig Neues zu produzieren.

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Auch bei der extra für diese Ausstellung entstandenen Edition von 18 übermalten Digitalprints auf Lack sind die Spuren des ursprünglichen Zustands in Form skripturaler Zeichen unter dem neuen Farbauftrag noch zu sehen.

Reinhard Hölker, der an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf studierte und in Marburg lebt, bespielt das Untergeschoss mit Installationen, Video-Projektionen, Skulpturen und Objekten. Ein mit Federn bestückter Käfig hängt von der Decke, Baumstämme haben ihre Bodenhaftung verloren, Tierpräparate sind auf Waagen platziert und zehn Eisenstäbe werden von einem Stück Birkenstamm in fragilem Gleichgewicht wie von einer Seiltänzerin gehalten.

Leichtes und Schweres, Totes und Lebendiges sind hier keine unüberwindbaren Gegensätze. Was hat Gewicht? Ist ein Käfig, in dem lebendige Tiere gefangen gehalten werden könnten, noch ein Käfig, wenn er als schamanenhaftes Objekt von der Decke hängt? Die präparierten Tiere - ein Kugelfisch und eine Forelle, ein Rehkitz und ein Fuchs – wirken gespenstisch, skurril und anrührend zugleich. Sie sind tot, aber erwecken den Anschein, sie wären lebendig und würden nur kurz für einen Moment innehalten.

Die größtenteils für diese Ausstellung neu konzipierten Werke von Reinhard Hölker loten die Übergänge zwischen Illusion und Wirklichkeit aus. Im Film einer Video-Installation imitiert ein Mann die Kopfbewegungen und die Rufe einer Krähe, in einem auf eine Schieferplatte projizierten Video erzeugt das sich öffnende und schließende Auge eines Krokodils die Assoziation eines menschlichen Blicks. Reinhard Hölker hinterfragt mit leiser Ironie und subtilen Wahrnehmungsverschiebungen das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, Technik und Natur.

Infos zur Ausstellung

Die Doppel-Ausstellung„Reinhard Hölker. unauslotbar/dirk hupe. the beastly theory of the remains of signs“ wird am Freitag (3. Juli) eröffnet und ist bis zum 20. August zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs bis 20 Uhr. Jeden Samstag gibt es um 16 Uhr kostenlose Führungen mit Saskia Schäfer. Zeichnen am Abend findet am Dienstag, 7. Juli, 14. Juli und 21. Juli, jeweils von 17 bis 19 Uhr statt.

Die Ausstellungseröffnung findet wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ohne Einführungsrede und Bestuhlung statt. Von 18 bis 21 Uhr sind Gäste willkommen. Beide Künstler, Reinhard Hölker und Dirk Hupe, sind anwesend und sprechen gern über ihre Arbeiten. Es wird gebeten, die derzeit geltenden Abstands- und Hygienevorschriften einzuhalten.

von Carola Schneider

Hinweis der Redaktion: Dr. Carola Schneider ist Geschäftsführerin des Marburger Kunstvereins