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Marburg Das Gesicht eines neuen Stadtteils
Marburg Das Gesicht eines neuen Stadtteils
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16:58 05.12.2020
Der Entwurf im Detail: In der Mitte das Sparkassen-Gebäude, unten das künftige Stadtbüro – und zusätzliche Wohnungen. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Bereits vergangenes Jahr hat die Sparkasse das Areal der 3U Holding AG zwischen Frauenbergstraße, Franz-Tuczek-Weg und Cappeler Straße gekauft – dort soll unter anderem der neue Hauptsitz der Sparkasse entstehen (die OP berichtete). Zudem soll das Gelände gemeinsam mit der Stadt Marburg für eine an den Menschen ausgerichtete Innenstadtentwicklung genutzt werden – denn auf dem Gelände soll nicht nur das Stadtbüro integriert werden. Vielmehr sind auch bis zu 100 Wohnungen geplant.

Zur Entwicklung des Geländes fand ein städtebaulicher Architektenwettbewerb statt, an dem sich acht Planungsbüros beteiligten. „Und das nicht nur überregional, sondern auch aus Marburg“, erläutert Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, im Gespräch mit der OP. Ziel des Wettbewerbs, dessen Ergebnis jüngst vorgestellt wurde, war es, zukunftsfähige städtebauliche Ideen für eine nachhaltige Quartiersentwicklung zu erhalten. Dabei sollten Lage, Ausrichtung, Höhen der Gebäude, Dichte und Erschließungen seiner unterschiedlichen Nutzungen einbezogen werden. Das Preisgericht unter Vorsitz der Kölner Architektin und Stadtplanerin Professor Christel Drey wählte einstimmig den Entwurf des renommierten Planungsbüros Thomas Schüler aus Düsseldorf. Der Entwurf positioniert das Sparkassengebäude an der Cappeler Straße zwischen Stadtverwaltung in der Frauenbergstraße und Wohnbebauung am Franz-Tuczek-Weg. „Die Entscheidung ist absolut anonym gefallen – das Preisgericht wusste bis zum Schluss nicht, vom wem der Entwurf stammt“, erläutert Bartsch.

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„Für uns als Sparkasse ist wichtig, dass wir Arbeiten und Wohnen miteinander verbinden wollen“, erläutert Bartsch. Denn alleine im Sparkassengebäude, das sich in dem Entwurf über einen vorgelagerten repräsentativen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität zur Frauenbergstraße hin öffnet, werden später bis zu 350 Menschen arbeiten. „Hinzu kommen die Menschen des Stadtbüros – es wird also ein großer Standort. Deshalb war es uns wichtig, dass nicht nackte Bürogebäude entstehen, sondern eine Verbindung mit der Stadt stattfindet“, so Bartsch. Die Gebäude der Sparkasse und später auch der Stadtverwaltung würden als gleichwertige Adressen den Auftakt zum perspektivischen Umbau und der städtebaulichen Aufwertung des Marburger Südens bilden. Der neue Platz entstünde als Zentrum und Visitenkarte des Quartiers beidseits der an Relevanz gewinnenden Frauenbergstraße, der Achse zum Südbahnhof. Und: Mit den Wohngebäuden, die in Kooperation mit der Gewobau entstehen werden, sei das Ensemble „eine Weiterentwicklung des Richtsbergs nach unten. Es ist ja quasi ein neuer Stadtteil, der dort entstehen wird“, sagt Bartsch auch im Hinblick auf die Grundstücke, die unter anderem S+S Immobilien gekauft habe. Auch dort soll teils eine Wohnbebauung stattfinden.

Das Preisgericht hebt ausdrücklich den ausgewogenen Städtebau des Siegerentwurfs positiv hervor. Er nehme die stadträumlichen Bezüge der benachbarten Quartiere auf und entwickle sie sinnvoll weiter. Außerdem lasse der Entwurf eine gelungene Umsetzung in Bauabschnitten erwarten.

Bartsch ist mit den Ergebnissen sehr zufrieden „Der Siegerentwurf balanciert verschiedene Ansprüche gerecht und mit leichter Hand aus. Das ist gemeinsame Stadtentwicklung par excellence.“ Landrätin Kirsten Fründt (SPD) erläutert: „Ich finde gut, dass die Sparkasse Marburg-Biedenkopf mit ihrem neuen Verwaltungsgebäude nun auch geographisch näher an die Kreisverwaltung heranrückt. Und dass sie in einem Teil Marburgs bauen wird, zu dessen weiterer Entwicklung und Planung auch die Kreisverwaltung mit einem Wohnungsbau-Projekt an der Beltershäuser Straße, auf dem Grundstück der Kreisverwaltung, beitragen wird.“ Und Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) freut sich sehr „über den gelungenen Startschuss für die Entwicklung eines neuen lebendigen und urbanen Quartiers in erstklassiger Lage mit bester Infrastruktur. Der Entwurf bietet eine hervorragende Perspektive für die Verbindung der bestehenden Räume vom Richtsberg bis zum Temmlergebiet“.

Der Siegerentwurf wird nun als Empfehlung in den Bebauungsplan einfließen und die Basis für den zweiten Architektenwettbewerb im kommenden Jahr bilden, in dem es um die konkrete Realisierung des Sparkassenverwaltungsgebäudes geht.

Denkbar sei auch, dass beispielsweise ein schönes Bistro auf dem Areal entstehe, „denn alleine wir haben mehr als 300 Leute zu versorgen, die ja mittags irgendwo gemütlich Pause machen sollen“, sagt Bartsch. Daher gehe er davon aus, „dass es lebendig und grün wird“. Die Planungen sollen kommendes Jahr abgeschlossen sein, um 2022 mit dem Bau zu beginnen.

Das bestehende Gebäude der Sparkasse in der Universitätsstraße soll dann umgebaut und modernisiert werden, „das Areal soll dann so genutzt werden, dass davon auch die Innenstadt und die Oberstadt profitieren werden“. Die große Geschäftsstelle werde jedoch erhalten bleiben.

Von Andreas Schmidt

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