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Marburg Orange als Zeichen
Marburg Orange als Zeichen
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19:59 26.11.2021
Vor dem Erwin-Piscator-Haus versammelten sich viele Frauen und Unterstützer, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen – viele trugen die Farbe Orange als sichtbares Zeichen für eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen.
Vor dem Erwin-Piscator-Haus versammelten sich viele Frauen und Unterstützer, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen – viele trugen die Farbe Orange als sichtbares Zeichen für eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
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Marburg

Die Farbe Orange steht für eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen – weltweit. Auch Marburg war gestern zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ orange angehaucht – zumindest auf dem Vorplatz des Erwin-Piscator-Hauses. Dort fand eine zentrale Kundgebung von verschiedenen Institutionen und Organisationen statt, die eine klare Haltung gegen Gewalt gegen Frauen haben. Das Gebäude war orange angestrahlt, die Veranstaltungsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren zu einem großen Teil mit orangefarbenen Westen bekleidet, trugen einen orangefarbenen Mundschutz und es gab orangefarbene Regenschirme. Somit wurde auch ein sichtbares Zeichen gesetzt. Denn die Farbe symbolisiert eine bessere, hellere Zukunft und die Hoffnung auf ein gewaltfreies Leben.

„In Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal im Leben von Gewalt betroffen“, zitierte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die Fakten. Gewalt habe viele Gesichter: von sexueller Belästigung, systematischer Benachteiligung, Catcalling („Katzen-Rufen“: sexuell anzügliches Rufen, Reden, Pfeifen oder sonstige Laute) in der Öffentlichkeit, Gewalt in der Partnerschaft bis zur Ermordung von Frauen.

„Respektlosigkeit ist nicht zu tolerieren“

„Gewalt gegen Frauen in all ihren Erscheinungsformen zu sehen, zu verhindern und zu beenden“ forderte Dr. Christiane Amend-Wegmann. „Gewalt gegen Frauen findet in unterschiedlichen Formen täglich und mitten unter uns statt – im öffentlichen Raum, zu Hause und am Arbeitsplatz.“ Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz werde oft unterschätzt und verharmlost. Dabei sei sexuelle Gewalt und Sexismus für viele Frauen alltäglich.

Deshalb erhoben Eva Lange und Carola Unser, Intendantinnen am Hessischen Landestheater in Marburg, ihre Stimmen. Hinsehen und solidarisch zusammenstehen, war ihre Forderung. Man könne zum Mond fliegen, aber es herrsche immer noch Gewalt gegen Frauen, ein Relikt aus dem Mittelalter. Jede Respektlosigkeit gegenüber Frauen sei nicht zu tolerieren, so ihr Fazit.

Um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, veranstalten das Gleichstellungsreferat der Universitätsstadt Marburg, das kommunale Frauenbüro des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Zonta-Club Marburg in Kooperation mit einem breiten Aktionsbündnis weitere Veranstaltungen und Aktionen. Gestern nach der Kundgebung wurde im Capitol-Kino der Film „Niemals Selten Manchmal Immer“ gezeigt. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Amerikanerin, die ungewollt schwanger wird und für die Abtreibung von dem ländlichen Pennsylvania nach New York reist. Parallel dazu stellten Marburger Vereine und Initiativen ihre Arbeit im Capitol-Kino an Infoständen aus. Auf dem Marburger Rathaus und vor dem Kreishaus weht zudem die Fahne „Nein zu Gewalt an Frauen“ von Terre des Femmes.

Von Silke Pfeifer-Sternke