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Marburg „Negativzinsen“ stehen vor dem Aus
Marburg „Negativzinsen“ stehen vor dem Aus
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17:59 13.05.2022
Bankkunden hoffen auf die Abschaffung der Negativzinsen ab Sommer.
Bankkunden hoffen auf die Abschaffung der Negativzinsen ab Sommer. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Marburg

Bankkunden in Deutschland können auf ein Ende der Negativzinsen auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto hoffen. Deutschlands größte Direktbank, die ING Deutschland, schafft nach eigenen Angaben das sogenannte Verwaltentgelt für die meisten Kunden ab. Zum 1. Juli erhöht die Bank die Freibeträge für Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten, für die kein Verwahrentgelt fällig wird, von derzeit 50 000 auf 500 000 Euro pro Konto. Andere Geldhäuser könnten nachziehen, auch weil eine erste Zinserhöhung im Euroraum im Sommer immer wahrscheinlicher wird.

Angesichts der Rekordinflation nehmen Europas Währungshüter Kurs auf ein Ende der ultralockeren Geldpolitik. Dabei gilt eine erste Zinserhöhung im Juli als zunehmend wahrscheinlich. Derzeit müssen Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Zahlreiche Geldhäuser geben diese Zinsen ab bestimmten Summen auf dem Konto an Privatkunden weiter. Volkswirte erwarten, dass die Notenbank in diesem Jahr wahrscheinlich in mehreren Schritten zunächst den negativen Einlagensatz – die sogenannte Einlagenfazilität – auf null Prozent anheben wird.

Der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) erklärte, der Markt werde auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Wann und in welcher Form, das würden die Institute vor Ort entscheiden. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) verwies darauf, dass jedes Institut über Produkte und Konditionen selbst entscheide.

So auch die Volksbank Mittelhessen. Sprecher Markus Vollmer sagte, die Volksbank Mittelhessen werde ab einer Anpassung der Einlagefazilität auf 0 Prozent im Privat- und Firmenkundengeschäft keine Verwahrentgelte, umgangssprachlich „Negativzinsen“, mehr berechnen. Dieses Versprechen hatte der Volksbank-Vorstand bereits Ende April in einer Erklärung abgegeben. 2012 betrug der Zinssatz der so genannten Einlagefazilität erstmals in der EZB-Geschichte 0 Prozent, ab 2014 war sie sogar negativ.

Seit diesem Zeitpunkt wird überschüssiges Zentralbankguthaben der Banken mit einem Zinssatz von zwischenzeitlich bis zu -0,5 Prozent verzinst. Betroffen davon sind Einlagen von 100 000 Euro und mehr, also ein relativ geringer Anteil der Kunden. Dennoch sagt Vollmer: „Wir versuchen gemeinsam mit den Kunden, Verwahrgelder zu vermeiden und Alternativen aufzuzeigen.“ „Verwahrentgelte waren für uns in der Breite nie ein Thema, es haben so gut wie keine Privatkunden welche bezahlen müssen“, sagt Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. „Die, die es taten, da reden wir von siebenstelligen Beträgen auf den Konten – und eben einige Kommunen und Unternehmen, die jenseits von einer Million Euro liegen“, sagt Bartsch. Das Selbstverständnis der Bank sei so, dass man das von Kunden aus der Region mitunter mühsam „Ersparte nicht bestraft“. Man sei stets der Überzeugung gewesen, dass man „Vertrauen gewinnt, wenn wir Kunden nicht mit Verwahrentgelten belästigen“.

Von Till Conrad,Björn Wisker und unserer Agentur