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Marburg Nachwuchspreis für Marburger Forscher
Marburg Nachwuchspreis für Marburger Forscher
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17:58 23.03.2021
Dr. Jan Michael Schuller vom Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) und dem Fachbereich Chemie der Philipps-Universität erhält den mit 20.000 Euro dotierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis.
Dr. Jan Michael Schuller vom Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) und dem Fachbereich Chemie der Philipps-Universität erhält den mit 20.000 Euro dotierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Der Weg zur Biochemie war für Dr. Jan Michael Schuller schon in der Schulzeit vorgezeichnet. Der gebürtige Reutlinger wuchs in Tübingen auf und entwickelte als Schüler großes Interesse an den Naturwissenschaften. So besuchte er bei einem Austausch-Semester in Neuseeland als Schüler eine spezielle Chemie-Klasse und beteiligte sich an internationalen Chemie- und Biologie-Jugendwettbewerben – wenn auch nur in den Vorrunden, wie er jetzt im Gespräch mit der OP einräumte.

Leiter einer selbstständigen Nachwuchsgruppe

In Sachen Erfolg hat sich bei ihm mittlerweile einiges geändert. Denn der 33-jährige Biochemiker, seit dem vergangenen Jahr Leiter einer selbstständigen Nachwuchsgruppe an der Uni Marburg, wurde als einer von zehn Nachwuchsforschern mit dem begehrten Heinz-Maier-Leibniz-Preis ausgezeichnet. Dieser gilt als wichtigste Auszeichnung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland.

Die zehn Preisträger aus Fachgebieten von der romanistischen Literaturwissenschaft über die Astrophysik bis hin zur prähistorischen Archäologie wurden aus 150 vorgeschlagenen Forscherinnen und Forschern von einem Ausschuss ausgewählt, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesforschungsministerium eingesetzt wurde.

Anschluss durch dreijährige Tochter

In Marburg hat sich Schuller mittlerweile bereits gut eingelebt, auch wenn er mitten in der Pandemie mit seiner Familie ankam. Das könnte einerseits daran liegen, dass die schwäbische Universitätsstadt Tübingen, in der er Jahre lang lebte, viele Parallelen zu Marburg in der Stadtstruktur aufweist. Und weiterhin habe er als Familienmensch auch wegen der dreijährigen Tochter, die in Marburg den Kindergarten besucht, schnell Anschluss gefunden.

Und so lautet die Jury-Begründung im Fall von Schuller: Seine Forschung habe auf verschiedenen Gebieten der Strukturbiologie, Biophysik und Biochemie neue Einblicke in grundlegende biologische Mechanismen hervorgebracht, heißt es.

Spezialgebiet sind biologische Systeme

Sein Spezialgebiet sind biologische Systeme, die für die Kohlenstoff-Fixierung und die Energieumwandlung in bakteriellen Zellen verantwortlich sind. Ein Forschungsfeld, das zur Bekämpfung des Klimawandels von großer Bedeutung sein könnte, da entsprechende Moleküle zum Beispiel gasförmiges CO2 aus der Atmosphäre binden könnten.

Mit der von ihm geleiteten Nachwuchsgruppe klärte er auf, wie Enzyme in den im Meeresplankton vorkommenden Cyanobakterien funktionieren, die an der Kohlenstoff-Fixierung beteiligt sind. Dabei verwendete er nach Meinung der Jury auf besonders innovative Weise die Kryonen-Elektronenmikroskopie – eine neuartige Methode, bei der Molekülstrukturen vor Austrocknung im Vakuum geschützt werden, indem sie im glasartigen Eis eingefroren werden. Die Methode ermöglicht die detaillierte Analyse der Raumstruktur eines Makromoleküls, was zu dessen Verständnis als Biokatalysator beiträgt.

Durch Daimler-Benz-Stiftung gefördertes Projekt

Schuller konnte auch eine weitere renommierte Förderlinie für sich entscheiden. In einem neuen von der Daimler-Benz-Stiftung geförderten Projekt begibt sich Schuller auf die Spur eines wichtigen Enzyms in der Photosynthese, das für die Umwandlung von Wasser in Sauerstoff verantwortlich ist. Er will die Frage beantworten, wie eine biologische Wasserspaltungsmaschine aufgebaut werden kann.

Seit Juli 2020 wird das Team von Schuller von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen ihres Emmy-Noether-Förderprogramms für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem Gesamtvolumen von rund 1,55 Millionen Euro finanziert. Bevor er im Jahr 2020 als unabhängiger Nachwuchsgruppenleiter ans Zentrum für Synthetische Mikrobiologie und an den Fachbereich Chemie nach Marburg wechselte, lernte er beim Studium an der Uni Tübingen die Biochemie in all ihren Facetten kennen.

Auslandsaufenthalt in Boston

Bei seinen anschließenden Stationen wie einem Auslandsaufenthalt in Boston oder als Post-Doc am Max-Planck-Institut im Münchener Stadtteil Martinsried lernte er unter anderem die Funktionsweisen der klassischen Elektronenmikroskopie kennen und beschäftigte sich unter anderem mit der Qualitätskontrolle von Proteinen und der RNA-Qualitätskontrolle. Grundlagenforschung und Anwendungsbezug miteinander zu verbinden, das sei sein Anspruch als Wissenschaftler, betont der Marburger Naturwissenschaftler.

Das für die Unterstützung der Grundlagenforschung gedachte zweckgebundene Preisgeld von 20.000 Euro will Schuller gezielt einsetzen, um studentische Hilfskräfte oder weitere Mitarbeiter für seine Nachwuchsgruppe einzustellen.

Bölker: Forschung an Makromolekülen ist wichtig

Uni-Vizepräsident Professor Michael Bölker beglückwünschte Schuller für die Erringung des Preises. „Das zeigt, wie wichtig und zukunftsweisend seine Forschung an Makromolekülen und deren Funktion ist. Diese erneute Auszeichnung ist eine weitere Bestätigung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistung und Expertise“, sagte Bölker.

Von Manfred Hitzeroth

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