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Marburg Nachfrage nach Wohnraum ungebrochen
Marburg Nachfrage nach Wohnraum ungebrochen
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18:58 24.01.2021
So soll die Wohnanlage „Rosengärten“ in Cappel nach der Fertigstellung Ende kommenden Jahres aussehen.
So soll die Wohnanlage „Rosengärten“ in Cappel nach der Fertigstellung Ende kommenden Jahres aussehen. Quelle: S+S Immobilien
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Marburg

Trotz Corona-Krise ist die Nachfrage nach Wohnungen ungebrochen – das macht sich auch bei S+S Immobilien in Marburg bemerkbar: „Wir haben so viel zu tun wie noch nie in der Firmengeschichte“, sagt Inhaber Karsten Schreyer. Und demonstriert das mit eindrucksvollen Zahlen: S+S entwickelt und baut gerade Projekte auf einer Grundstücksfläche von gut 140.000 Quadratmetern in Marburg, Gießen, Wetzlar und im Rhein-Main-Gebiet. Dabei entstehen mehr als 1.000 Wohnungen und rund 50 Gewerbeeinheiten mit einer Wohn- und Nutzfläche von etwa 80.000 Quadratmetern.

„Die Nachfrage ist flächendeckend hoch und nicht nur innerstädtisch, sondern auch in Randlagen aller Kommunen festzustellen“, sagt Schreyer. „Durch den längeren Aufenthalt zu Hause entdecken viele Menschen den Mehrwert des Lebens auf dem Lande wieder.“ Dazu trage auch die Entwicklung der Baulandpreise in den Ballungszentren sowie beliebten Mittelzentren und deren Speckgürteln bei.

Ungebrochen sei aber auch der Bedarf nach städtischem Wohnen – unabhängig vom Alter und des persönlichen Budgets. Entsprechend breit ist das Portfolio von S+S gefächert: „Wir haben aktuell rund 350 Wohnungen sowohl in Mittel- als auch in Südhessen im Bau“, erläutert Schreyer.

40 Wohnungen in Cappel

Begonnen wird etwa mit dem Bau des Projekts „Rosengärten“ in Cappel an der Umgehungsstraße. 40 Wohnungen von zwei bis vier Zimmern werden dort in fünf Häusern mit einer Wohnfläche von 3 300 Quadratmetern ab Februar entstehen, außerdem sind zwei Gewerbeeinheiten geplant. „Die Häuser werden mit klassischem Satteldach ausgeführt und passen sich so bestens in die vorhandene Nachbarschaftsbebauung ein“, ist Schreyer überzeugt – fertig sollen sie Ende 2022 sein.

In Niederweimar werden bald auf einem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück am Ortsrand in Richtung Wenkbach 36 Wohneinheiten entstehen, „die Häuser werden in Pultdach-Bauweise ausgeführt“, erläutert Karsten Schreyer. Losgehen soll es spätestens Anfang 2022.

Große Pläne für Molkerei-Gelände

Größere Dimensionen haben die Pläne für das Molkerei-Gelände in Marburg: Auf dem rund 10000 Quadratmeter großen Areal sind zwischen 50 und 80 Wohnungen sowie zehn bis 15 Gewerbeeinheiten geplant. Insgesamt soll eine Nutzfläche von bis zu 12.000 Quadratmetern ab Mitte 2022 entstehen.

Neuer Stadtteil im Temmler-Quartier

Das ist auch die Summe an Wohn-Nutzfläche, die in etwa die Entwicklung des Temmler- und Frauenbergquartiers mit seinen rund 17.500 Quadratmetern Grundfläche umfasst. „Dort wollen wir in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und ihren Grundstücken aus dem Areal ein ganz neues Quartier schaffen mit 200 bis 250 Wohnungen, außerdem einigen Gewerbeeinheiten, die für die Qualität eines gut funktionierenden kleinen neuen Stadtteils notwendig sind“, sagt Karsten Schreyer. „Der Stadtteil wird ein komplett neues Gesicht bekommen – auch durch die Planungen von Sparkasse und Stadt.“ Baubeginn könnte aus seiner Sicht Mitte kommenden Jahres sein.

Mit der gestiegenen Zahl an Projekten „haben wir uns auch personell erweitert. Wir haben jetzt 30 Personen an Bord, die in den gesamten Entwicklungen in den unterschiedlichsten Berufssparten aktiv sind. Wir könnten allerdings noch mindestens 15 Leute gerade in den Bereichen Planung, Projektentwicklung oder Bauleitung brauchen.“ Das sei aufgrund des Fachkräftemangels jedoch nicht so leicht.

Kooperationen von Vorteil

Karsten Schreyer würde sich wünschen, „städtebauliche Gesellschaften und die Privatwirtschaft, die in den vergangenen Jahren viel bewegt hat, an einen Tisch zu setzen und gemeinschaftlich Großprojekte zu stemmen“.

Andere Kommunen seien „gerade in der jetzigen Zeit, wo Wohnraum in allen Preisklassen benötigt wird, froh darum, wenn es solche Kooperationen gibt. Das geht in der freien Wirtschaft natürlich nur, wenn etwa Fördermittel für preiswerten Wohnraum vonseiten der Stadt zur Verfügung gestellt werden“, verdeutlicht der Geschäftsführer. Doch wann immer es in Marburg um das Thema gegangen sei „hieß es, die Töpfe sind leer. Man wird also mit einer Sozialquote verhaftet, erhält aber keinerlei Unterstützung, etwa in Form von Subventionen, Zuschüssen oder tilgungsfreien Darlehen.“ Dabei könne man gemeinsam „vieles zielgerichteter angehen“.

„Hanauer Modell“ würde in Marburg funktionieren

Ein Beispiel dafür sei Hanau. „Dort bauen wir gerade 190 Wohneinheiten, die privatwirtschaftlich von uns finanziert sind, komplett von der Nassauischen Heimstätte gekauft wurden – und die wird rund 40 dieser Wohnungen gefördert als Sozialwohnungen auf den Markt bringen.“ Die Gesellschaft habe dann vom Land Hessen Zuschüsse und Unterstützungen bekommen, „um eben einen Teil der Wohnungen in Sozialwohnungen umzuwandeln – das ist ein Modell, das auch hier perfekt funktionieren könnte“, ist sich Karsten Schreyer sicher.

In Gießen plant S+S gerade 350 Wohnungen, „etwa 50 bis 60 davon werden preiswerte Wohnungen. Aufgrund sehr hoher Beteiligungen der Stadt und Zuschüssen plus günstiger Darlehen etwa von der WI-Bank und der KfW ist das ein Modell, wo auch wir darüber nachdenken, diese Wohnungen im Bestand zu halten.“

Baulandpreise ziehen an

Sorgen machen dem Unternehmer die „Baulandpreisexplosionen – dort könnten Städte und Kommunen entgegenwirken, indem sie beispielsweise Bauerwartungsland aufkaufen und dann entwickeln“. Aufgabe sei es jedoch nicht, auf dem privaten Markt in den Wettbewerb gegenüber der freien Wirtschaft im Bereich der Projektentwickler und Bauträger einzusteigen.

An die Stadt richtet er zudem einen großen Wunsch: „Nach der Kommunalwahl sollte der Bereich Planung und Bauen personell breiter und zeitgemäßer aufgestellt werden – vielleicht auch an einem anderen Ort, wie etwa dem geplanten städtischen Gebäude auf dem 3U-Areal.“ Denn für die Bauherren sei es wichtig, schnell und sicher Genehmigungen zu erhalten. Dazu gehöre auch „mit Nachdruck eine Investition in die digitale Verwaltung“.

Von Andreas Schmidt